Die 5 größten Fallen beim Nachbarschaftsstreit

Die 5 größten Fallen beim Nachbarschaftsstreit

Von Claudia Wolfgramm und Tobias Spelz

Egal ob Lärmbelästigung, ständiges Grillen oder illegale Gartenzäune – jeder dritte Deutsche hat Streit mit seinem Nachbarn. Doch was darf man sich unter Nachbarn eigentlich erlauben, und was geht zu weit? Diplom-Psychologin Ines Imdahl und Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel klären über die typischen Fallen zwischen Nachbarn auf.

Falle 1: Geruchsbelästigung

Schon vor 300.000 Jahren grillten die Menschen ihr Fleisch auf dem Feuer. Doch in der Neuzeit sorgt genau das immer wieder für handfesten Streit unter Nachbarn: Der eine grillt, dem anderen stinkt's – Rauch kennt eben keine Grundstücksgrenzen. In extremen Fällen landet der Grill-Streit dann vor Gericht. Und die Urteile sind hier sehr unterschiedlich.

  • Das Amtsgericht Bonn zum Beispiel war der Auffassung, dass einmal pro Monat auf dem Balkon gegrillt werden darf – wenn man zwei Tage vorher Bescheid gibt.
  • Das Amtsgericht Berlin Schöneberg zeigte sich etwas toleranter: bis zu 25 Mal pro Jahr sei Grillen in Ordnung, aber nicht später als 21 Uhr.

Wohlgemerkt: Hierbei handelt es sich immer um Einzelfallentscheidungen, da die jeweilige Beeinträchtigung und die damit einhergehenden Toleranzgrenzen sehr unterschiedlich ausfallen können. Generell gilt: Gegenseitige Rücksichtnahme ist besser als ein lange andauernder Nachbarschaftsstreit.

Falle 2: Schwarzbauten

Schwarzbauten sind ebenfalls ein häufiger Streitpunkt unter Nachbarn. Gründe für Beschwerden können zum Beispiel nicht genehmigte Garagen oder Solaranlagen sein, aber auch selbstgebaute Gartenhäuser oder unberechtigt aufgestellte Gartenzäune. Um Schwarzbauten handelt es sich immer dann, wenn keine Baugenehmigung beantragt wurde oder aber aus baurechtlichen Gründen gar nicht erteilt werden kann. Denn in den Landesbauordnungen der jeweiligen Bundesländer gibt es strenge Vorgaben: Hier ist genau festgelegt, welche Art von Gebäude an welchem Ort und in welcher Höhe in der Nachbarschaft errichtet werden darf.

Auch für Zäune oder Bepflanzungen zwischen Grundstücken gibt es genaue Regelungen. Hier lohnt es sich, sich vor einer geplanten Investition genau zu informieren, was erlaubt ist und was nicht. Denn sonst droht möglicherweise auch noch Jahre nach Aufbau eines Schwarzbaus der Abriss. 

Falle 3: Haustiere

In jedem dritten Haushalt leben Haustiere, und immer wieder sorgen sie für Streit unter Nachbarn. Generell gilt: Haustiere sind so zu halten, dass durch sie die Nachbarschaft nicht wesentlich gestört wird. Bei Hundegebell gibt es hier zum Beispiel klare Vorgaben, wie oft und wie lange ein Hund maximal bellen darf.

Doch auch Bienen sorgen neuerdings immer häufiger für Ärger, kein Wunder: Die Zahl der Hobbyimker wächst stetig. Ob das Imkern verboten werden kann, weil sich ein Nachbar durch die Bienen gestört fühlt, hängt auch hier unter anderem von der Wesentlichkeit der Beeinträchtigung ab. Also: Wie hoch ist die Zahl der gehaltenen Bienen, wie groß ist der Abstand zum Nachbargrundstück oder wie häufig dringen die Bienen über die Nachbarsgrenze. Diese Faktoren können zum Beispiel bei einem Ortstermin durch einen Gutachter oder einen Richter festgestellt werden.

Falle 4: Lärmbelästigung

Es ist der Klassiker: Der Nachbar startet morgens um halb acht den Rasenmäher. Das geht natürlich nicht rund um die Uhr, an gewisse Zeiten muss man sich hier halten, diese ergeben sich aus der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung:

  • An Sonn- und Feiertagen ist Rasenmähen generell verboten
  • Werktags darf gemäht werden zwischen 7 und 20 Uhr
  • Gemeinde- oder Hausverwaltung können allerdings eigene Regeln über eine Mittagsruhe aufstellen. Auch können die Bundesländer eigene einschränkende Regeln beschließen. So hat zum Beispiel Rheinland-Pfalz in seinem Immissionsschutzgesetz den Betrieb von motorbetriebenen Rasenmähern durch Privatpersonen in der Zeit von 13 bis 15 Uhr untersagt.
  • Auch für besonders laute Gartengeräte wie zum Beispiel Freischneider, Grastrimmer, Graskantenschneider oder Laubbläser gibt es in der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung zusätzliche zeitliche Einschränkungen zur Nutzung.

Falle 5: Eskalation

Leider eskalieren Nachbarschaftsstreitigkeiten immer wieder. Um der nachbarrechtlichen Klagewut entgegenzutreten, gibt es in einigen Bundesländern wie zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen Schlichtungsverfahren, die von sogenannten Schiedsämtern durchgeführt werden. Erst wenn vor so einer Gütestelle keine Einigung zwischen den Parteien erzielt werden kann, dürfen die Beteiligten vor Gericht ziehen.

Kontaktinformationen zu Schiedsämtern und Ansprechpartnern erhält man bei den jeweiligen ortsansässigen Gemeindeverwaltungen oder dem örtlich zuständigen Amtsgericht. Generell gilt aber: Als Erstes sollte man bei Nachbarschaftsstreitigkeiten das Gespräch mit dem Nachbarn selbst suchen und Kompromisse anstreben. Häufig lassen sich Konflikte so schon im Vorfeld lösen, bevor es überhaupt zum handfesten Streit kommen kann.