Feuchtes Toilettenpapier verstopft Kläranlagen

Feuchtes Toilettenpapier verstopft Kläranlagen

Von Lukas Fabry

Angenehm duftend, weich und trotzdem reißfest - feuchtes Toilettenpapier ist ein Allrounder auf dem stillen Örtchen. Doch auf ihrem Weg durch die Kanalisation zersetzen sich die Tücher nicht und können die Pumpanlagen im Klärwerk und im Abwasserkanal verstopfen.

Feuchtes Klopapier setzt sich in Abwasserpumpen fest

Insgesamt sechs Monate ihres Lebens verbringen Deutsche auf der Toilette. Umso wichtiger ist die Wahl des richtigen Toilettenpapiers. Das Angebot in Supermärkten ist groß: Zweilagig, dreilagig, extra reißfest oder recycelbar. Seit einigen Jahren bekommt das klassische Klopapier feuchte Konkurrenz mit Kamille- und Aloe-Vera-Duft. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung findet man in fast jedem vierten Haushalt feuchtes Toilettenpapier. Laut Verpackung soll es einfach herunterspülbar sein und sich im Wasser auflösen.

Doch die Entwässerungsbetriebe haben andere Erfahrungen gemacht. Auf dem Weg durch die Kanalisation werden die feuchten Tücher ineinander verwirbelt, bis eine robuste Masse entsteht. Was in den Abwasserkanälen ankommt, sind Berge aus feuchten Toilettentüchern und Fett, die verkleben, verstopfen und die Pumpen lahmlegen. Dann müssen jedes Mal die Mitarbeiter der Entwässerungsbetriebe anrücken und die dicken Klumpen aus den Anlagen entfernen. Ein enormer Mehraufwand, der viel Geld kostet und für den am Ende die Verbraucher selbst geradestehen müssen – mit höheren Abwassergebühren.

Sieben Stufen der Spülbarkeit

Die Hersteller des feuchten Toilettenpapiers sind sich keiner Schuld bewusst. Laut Verpackung seien die Produkte ja herunterspülbar. Um zu testen, ob und wie schnell sich die Feuchttücher wirklich auflösen, schuf der europäische Verband der Vlieshersteller „Edana“ eine freiwillige Selbstverpflichtung für Toilettenpapierhersteller. Sieben unterschiedliche Situationen simulieren den Spülvorgang durch die häusliche Kloschüssel. Die sogenannten sieben Stufen der Spülbarkeit, ein realitätsbezogener Härtetest für die weichen Tücher?

Hartmut Solas vom Institut für angewandte Bauforschung Weimar findet die Testreihe unzureichend: „Spülbar heißt noch lange nicht, dass sich die Feuchttücher auch im Abwasserkanal zersetzen.“ Die Versuchsreihe teste zwar die Spülbarkeit durch die Hauskanalisation, manche Situationen stellen laut Solas jedoch nicht die realistischen Verhältnisse im Kanal nach.

Pflegend - und krebserregend?

Feuchttücher bestehen aus feinen Fasern, die durch sogenannte Melaminformaldehydharze miteinander verbunden werden. Dadurch wird der Vliesstoff reiß- und wasserfest. Gleichzeitig sind die in Kamille oder Aloe Vera getränkten Tücher weicher als gewöhnliches Toilettenpapier. Die Reinigung soll dadurch besonders sensibel sein.

So rosig wie ihr Duft sind die Inhaltsstoffe der Feuchttücher allerdings nicht. Die Verbraucherzeitschrift Öko-Test wies 2014 bei einem Labortest in den getesteten Feuchttüchern den krebsverursachenden Stoff Formaldehyd nach. Auch parfümhaltige Duftstoffe können die Schleimhäute reizen und Allergien auslösen. Wer trotzdem Feuchttücher aus herkömmlichem Vlies verwendet, sollte diese im Mülleimer entsorgen. Die umwelt- und hautfreundlichste Alternative in Sachen Toilettenpapier ist aber immer die trockene.

Stand: 22.08.2016, 12:00