Die wirksamsten Mittel gegen Einbrecher

Die wirksamsten Mittel gegen Einbrecher

Von Martin Rapp

  • Stiftung Warentest bewertet Schutz vor Einbrechern
  • Auf Zertifizierung achten
  • Staatliche Förderung nutzen

Die Tage werden im Herbst spürbar kürzer, und mit der Zeitumstellung wird es noch früher dunkel. Was die meisten Menschen mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, freut diejenigen, die bei ihrer Arbeit nicht so gern gesehen werden – Einbrecher zum Beispiel. Ihnen bieten sich jetzt noch mehr Gelegenheiten, Beute zu machen.

Alle vier Minuten ein Einbruchsversuch

Zwar ist die Zahl solcher Delikte im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen, aber immer noch wird statistisch betrachtet alle drei bis vier Minuten versucht, gewaltsam in ein Haus oder eine Wohnung einzubrechen. Entsprechend groß ist die Angst, selbst einmal vor einer aufgebrochenen Tür zu stehen – und groß auch das Angebot an Produkten, die davor schützen sollen. Die Stiftung Warentest hat viele davon jetzt (Heft "test" 11/2017) auf ihre Wirksamkeit getestet.

Sicherheitsfaktor Zeit

Archivbild: Einbrecher hebelt Kellertür auf

Fakt ist: Absolute Sicherheit wird es auch bei dieser Gefahr nicht geben. Aber ein paar Hürden lassen sich schon mit einfachen Mitteln und kostengünstig installieren, die Einbrechern das Leben schwer machen. Bei ihren Taten haben sie vor allem eines nicht: Zeit. Je länger es dauert, in das Haus oder die Wohnung zu gelangen, desto eher geben sie es auf. Fast jeder zweite Einbruchsversuch scheiterte laut Zahlen des Bundeskriminalamtes im Jahr 2016.

Die ungebetenen Gäste kommen meist über Fenster, Balkon- oder Wohnungstüren ins Objekt ihrer Begierde. Schon lange rät deshalb die Polizei dazu, vor allem dort in Sicherheit zu investieren. Zumal die meisten Einbrecher keine Profis sind, sondern Amateure, die günstige Gelegenheiten nutzen. Gegen sie muss es eben auch keine aufwändige Alarmanlage sein, sondern einfache und eher preiswerte Sperren reichen oft schon aus.

Türschlösser sicherer machen

Handwerker am Türschloss

Eine schnell zu erledigende Maßnahme ist der Austausch des Schließzylinders an der Wohnungs- oder Haustür. Zwölf Modelle wurden von den Prüfern getestet, die 14 bis 92 Euro kosten. Die Hälfte hielt den Versuchen, sie aufzubohren oder herauszuziehen, stand. Allerdings ist es abseits der aktuellen Testergebnisse für Verbraucher schwierig zu erkennen, ob ein Schließzylinder sicher ist. Die Normen zur Kennzeichnung sind vielfältig und nicht verpflichtend. Die Tester empfehlen deshalb, sich von Fachhändlern beraten zu lassen.

Fenster und Türen stärker verriegeln

Ein gutes Türschloss allein reicht natürlich nicht. Ein Querriegel an der Tür bietet dagegen nach Ansicht der Tester einen robusten Einbruchschutz. Bei zweiflügeligen Türen empfehlen sie Vertikalstangenschlösser und eine zusätzliche Bandsicherung, die die Scharnierseite der Tür verstärkt. Und generell einen soliden Türschild, also die Abdeckung für das Schloss. Ein sicherer Beschlag erschwert das Abdrehen, Abbrechen Ziehen oder Durchschlagen des Schließzylinders.

Der Einbruchsschutz für die Fenster sollte ebenfalls nicht zu kurz kommen, insbesondere im Erdgeschoss und in der ersten Etage. Abschließbare Griffe können verhindern, dass die Einbrecher das Glas einschlagen und von innen öffnen. Gegen Hebelwerkzeuge helfen Rahmensicherungen an der Öffnungs- und der Scharnierseite. Auch ein Stangenriegel von oben nach unten kann hier Sicherheit bieten. Alles das kostet selten mehr als 100 Euro, die aber gut investiert sind.

Alarmanlagen begrenzt ratsam

Wem eine professionelle Alarmanlage zu teuer ist – mit einigen tausend Euro für ein Eigenheim muss man rechnen -, könnte über eine Anlage zum Selbsteinbau nachdenken. Die gibt es bereits für wenige hundert Euro. Im Test schnitten sie eher schlecht ab, weil sich diverse Sicherheitslücken auftaten. Scharfschaltung trotz geöffneter Fenster, ungenügende Sicherung der Zentrale bis zum möglichen Entfernen von Sirene und Bewegungsmeldern waren da nur die schwerwiegendsten Mängel.

Tresore für das Wertvollste

Hand dreht an Kombinationsschloss

Wenn sich die Einbrecher trotz aller Widerstände bis ins Haus vorgearbeitet haben, können sie immer noch auf eine letzte Hürde stoßen. Ein Tresor bietet Schutz für die begehrteste Beute: Geld und Schmuck. Hier macht der Preis einen deutlichen Unterschied. Vier Modelle ab 275 Euro mit Sicherheitsstufe S2 erhielten bei den Warentestern die Note "gut". Die einfachen Stahlschränke, die zum Teil weniger als 100 Euro kosten, können dagegen gleich offen auf den Tisch gestellt werden. Dann machen die Einbrecher wenigstens keinen Schaden an der Wand beim Abhebeln und das Hineingreifen dauert kaum weniger lang als ein Aufbrechen.

Staatliche Förderung nutzen

Wer sich zur Aufrüstung seiner vier Wände entscheidet, kann staatliche Hilfe in Anspruch nehmen. Zum einen fördert die KfW-Bank den Einbau sicherer Türen, von Schlössern und Riegeln oder die Installation von Alarmanlagen. Wer 500 bis 1.000 Euro in derartige Maßnahmen steckt, bekommt 20 Prozent Zuschuss. Darüber hinausgehende Kosten werden mit zehn Prozent unterstützt. Diese Hilfe gibt es auch für Mieter, die aber vor dem Einbau Rücksprache mit dem Wohnungs- oder Hauseigentümer halten sollten. Zudem bietet in Nordrhein-Westfalen die NRW-Bank zinsgünstige Darlehen.

Stand: 08.11.2017, 10:39