Das Einmaleins der kleinen Gärten

Ansichten eines kleinen Gartens, der verändert werden soll

Das Einmaleins der kleinen Gärten

Von Sabine Krüger

Haben Sie auch einen Handtuch-Garten? Hadern Sie nicht, sondern freuen Sie sich darüber, was selbst in kleinen Gärten alles möglich ist! Denn gut geplant, werden aus kleinen Gärten große Erlebnisräume. Wir zeigen, wie.

Planung – Kleine Gärten vergrößern

WDR 4 Drinnen und Draußen | 20.05.2016 | 03:25 Min.

Download

Das kennen sicher viele: Direkt nach dem anstrengenden Hausbau hat Familie Hansemann in Troisdorf schnell den ca. 90 qm kleinen Garten angelegt. Rasen, ein paar Blühpflanzen und Hecken als Sichtschutz. Doch die Hecken wuchsen nicht und der Rasen wurde nicht genutzt. Frustriert entschieden sie sich, den Garten komplett neu anzulegen. Diesmal aber mithilfe der Biologin und Gartenplanerin Ulrike Aufderheide.

Weg vom Rasen-mit-Borte-Konzept

"In einem kleinen Garten ist es besonders wichtig, von dem Rasen-mit-Borte-Konzept abzukommen", rät Ulrike Aufderheide. In solchen Gärten wandere der Blick immer über den Rasen hinweg zur Grenze. Deswegen wirkten solche Gärten immer klein, egal ob sie 30, 300 oder 3000 qm groß seien. Wenn sie dann ihre Kunden frage, wozu der Rasen eigentlich gut sei, komme häufig die ernüchternde Erkenntnis: "zum Rasenmähen".

Erlebnisse, gestaltet im persönlichen Stil

Die erste Frage von Ulrike Aufderheide ist deshalb immer: "Was möchten Sie in ihrem Garten erleben?" Für den 12-jährigen Sohn Jonathan war klar: Wasser, Feuer und Tiere! Seine Zwillingsschwester Manon wollte ernten. Ein Naturerlebnisgarten mit Nutzaspekten sollte es also werden. Alle wollten Privatsphäre im engbebauten Wohngebiet. "Das sollte man dann in dem Stil gestalten, der einem am besten gefällt", so Ulrike Aufderheide. Mutter Katja wünschte sich organische Formen statt gerader Linien.

Den Blick im Garten halten

"Ganz wichtig bei der Gestaltung kleiner Gärten ist, dass ich den Blick im Garten halte", betont Ulrike Aufderheide. Und zwar mit etwas, was das eigene Herz erfreue. "Dann muss ich mich gar nicht mehr mit den Grenzen befassen". Im Garten der Hansemanns verfängt sich das Auge direkt im Teich. Man versinkt förmlich darin. Durch die Spiegelung weitet die Wasserfläche aber auch den Blick. Eine wunderbare Möglichkeit, einen kleinen Garten zu vergrößern!

Gut geplant, werden aus kleinen Gärten große Erlebnisräume

Mit Hilfe einer Gartenplanerin wird der kleine Garten eine Oase und Erholungsort.

Ansichten eines kleinen Gartens, der verändert werden soll

Gartenplanerin Ulrike Aufderheide (rechts) berät Katja Hansemann und Tochter Manon (links)

Gartenplanerin Ulrike Aufderheide (rechts) berät Katja Hansemann und Tochter Manon (links)

Der Weidenzaun soll die Blicke vom Nachbarhaus und der Straße abschirmen

Diese Triebe werden den Sichtschutz blickdicht machen

Die Trockenmauer mit Kräuterhochbeet begrenzt die Terrasse zur anderen Seite

Um den Teich sind Beerensträucher, Apfelbäume und eine Erdbeerwiese gepflanzt

Die Spiralform der Natursteinterrasse mündet in diagonalen Trittsteinen über den Teich

Eine Feuerschale als Ergänzung zum Wasser im Teich

Das Gartentor zum Zwei-Meter-Seitenstreifen mit Naturerlebnis-Sitzplatz

Bald blüht alles so schön wie der Thymian auf dem Kräuterhochbeet

Sichtschutz nah an den Sitzplatz holen

Zur linken Seite wirken die Fenster des Nachbarhauses wie Augen. Dazwischen die Zufahrt zur Wendeplatte. Sichtschutz muss her! Die Lösung: ein seitlicher, nach vorne offener Weidenzaun an der Terrasse. So bleibt der Blick zum Teich offen, zu Nachbarhaus und Straße aber abgeschirmt. "Der Trick ist, sich den Sichtschutz nah an den Sitzplatz zu holen", so Ulrike Aufderheide. Um zu entscheiden, wie hoch der Zaun werden muss, setzt man sich auf den Stuhl und schaut, ab welcher Höhe Fenster aus dem Blickfeld verschwinden.

Optische Tricks

Kleine Gärten werden größer, wenn man Diagonalen betont. Hier sind das die Trittsteine über den Teich. Sie setzen die Spirale der Naturstein-Terrasse organisch fort. Oder man arbeitet mit Tricks von der Theaterbühne: Abstände zwischen Trittsteinen hinten kleiner machen als vorne. Oder hinten kleinere Steine verwenden als vorne. Dasselbe mit Blüten: vorne Märzenbecher pflanzen, hinten Schneeglöckchen. Vorne satte Blütenfarben, hinten Pastell. "Das funktioniert allerdings nur in eine Richtung", warnt Ulrike Aufderheide.

Geduld haben

"Es hat sich gelohnt, wenn ich auch Geduld brauche", so Katja Hansemann. Der Garten wurde letztes Jahr angelegt und muss noch einwachsen. Der Weidenzaun treibt zwar schon aus, ist aber noch lange nicht blickdicht. Tochter Manon freut sich, wenn sie in ein paar Jahren von Erdbeerwiese, Beerensträuchern und Apfelbäumen ernten kann. Bei Rosmarin, Thymian und Schnittlauch vom Kräuterhochbeet kann man sich jetzt schon bedienen. "Und es sind auch schon mehr Vögel im Garten", freut sich Sohn Jonathan.

Literaturtipps


Kleine Gärten, große Wirkung
John Brookes
DK Verlag, 2016
19,95 Euro

Soforthelfer Kleine Gärten
Martin Staffler
Kosmos Verlag, 2015
14,99 Euro

Große Ideen für kleine Gärten
Victoria Wegner und Marion Nickig
Callwey Verlag, 2015
29,95 Euro

Kleine Gärten vergrößern
Tanja Minardo, Marianne Majerus:
Becker Joest Volk Verlag, 2015
39,90 Euro

Stand: 20.05.2016, 00:00