Rosen – Audienz bei der Königin

Rosarium in Dortmund

Rosen – Audienz bei der Königin

Von Sabine Krüger

Wächst eine Rose im Beet, ist klar, wer darin regiert. Da sie alle Blicke auf sich ziehen, sind Rosen besonders sorgfältig auszuwählen. Wem das schwerfällt, dem empfehlen wir einen Besuch im Dortmunder Rosarium.

Drinnen und Draußen: Rosen - Audienz bei der Königin

WDR 4 Drinnen und Draußen | 01.07.2017 | 02:29 Min.

Download

Rosen – Wer ist die Schönste im ganzen Land?

30.000 Rosenarten und –Sorten gibt es schätzungsweise weltweit. Immerhin knapp 3.000 sind im Rosarium in Dortmund zu sehen, dem zweitgrößten in Deutschland. Achtung Rosenliebhaber: Zeit mitbringen!

"Christine Helene", eine gelblich-weiß-blühende Kletterrose

Thomas Lolling ist der Gärtnerische Leiter des Westfalenparks in Dortmund. Seine zweistündige Führung entlang des Rosenwegs endet im Rosengarten im Kaiserhain mit zahlreichen Rosenbögen. An diesem präsentiert sich "Christine Helene", eine gelblich-weiß-blühende Kletterrose. "Interessant ist das wechselnde Farbspiel: Wenn die Knospen sich öffnen, blüht sie intensiv gelb und wird später immer heller bis hin zu Weiß", erklärt Thomas Lolling.

Thomas Lolling ist der Gärtnerische Leiter des Westfalenparks in Dortmund. Seine zweistündige Führung entlang des Rosenwegs endet im Rosengarten im Kaiserhain mit zahlreichen Rosenbögen. An diesem präsentiert sich "Christine Helene", eine gelblich-weiß-blühende Kletterrose. "Interessant ist das wechselnde Farbspiel: Wenn die Knospen sich öffnen, blüht sie intensiv gelb und wird später immer heller bis hin zu Weiß", erklärt Thomas Lolling.

Gestartet war die zehnköpfige Gruppe um Thomas Lolling am anderen Ende des zwei Kilometer langen Rosenweges: im mittelalterlichen Garten. In dessen Zentrum strahlt in Pink mit gelben Staubgefäßen die Apothekerrose. Hier wird sie begleitet von einer weiß-blühenden Sterndolde.

Neben der Apothekerrose blüht in Zartrosa eine halb-gefüllte Damaszener-Rose. Sie wirkt etwas zarter und edler als die Apothekerrose. Ihr Duft ist traumhaft und wurde bereits in Märchen aus 1001 Nacht beschrieben. Denn die Damaszener-Rosen waren schon 1000 v.Chr. auf der Insel Samos bekannt. "Diese historischen Rosen blühen leider nur einmal im Jahr", dämpft Thomas Lolling die allgemeine Begeisterung etwas.

Der Bürgergarten, ein Senkgarten, beeindruckt mit einer Rosenlaube und Rosengirlanden, die die geometrische Gestaltung mit dem viereckigen Wasserbecken in der Mitte auflockern. Eingefasst ist er von Hainbuchen- und Eibenhecken. Dieser historische Garten ist Motiven der Gründerzeit, also der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachempfunden.

Hier werden vier Rambler-Rosen präsentiert: "Alberic Barbier", eine weiß-blühende mit cremefarbener Blütenmitte. "Albertine" mit korallenfarbenen Knospen, die kräftig Rosa aufblühen und dann verblassen. "Paul Noel", eine stark gefüllte lachsrosafarbene mit kräftigem Duft und "Francois Jiraunville", allesamt französische Züchtungen aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Kombiniert sind sie mit Storchenschnabel und Küchenschellen, "die auch verblüht schön aussehen, deshalb dürfen sie stehenbleiben", so Lolling.

Der Duftgarten ist ein Arrangement von acht quadratisch angelegten Beeten. Als Gerüst sind Strauchrosen gepflanzt und um sie herum Duftstauden gruppiert. Bei manchen duften die Blüten, bei anderen die Blätter, wie beim Cola-Strauch. Besonders angenehm: die Blüten der panaschierten Duft-Iris. Nach Knoblauch riecht der gelbe Goldlauch. Und im Bild blüht der Schnittlauch mit der "Rose de Resht" um die Wette.

Später schlängelt sich der Rosenweg vorbei an einer Reihe moderner Moschusrosen des belgischen Züchters Louis Lens und seiner Nachfolgerin Ann Velle. Diese meist einfachen oder halb-gefüllten Sorten eignen sich besonders für naturnahe Gärten. Sie sind umschwärmt von Bienen und Hummeln, wie hier die Kletterrose "Guirlande d’Amour". Übrigens eine Lieblingssorte von Thomas Lolling, deren Hagebutten im Herbst ein Fest für Vögel sind.

Nichts anfangen können Insekten dagegen mit den stark gefüllten Sorten des britischen Züchters David Austin. Dafür wirken sie wahrhaft königlich. "Austin hat Mitte des 20. Jahrhunderts historische Rosen mit modernen Rosen gekreuzt. Herausgekommen sind moderne Rosen im Stil der historischen. Sie brauchen volle Sonne und nährstoffreichen Boden. Im Frühjahr am besten um zwei Drittel zurückschneiden", empfiehlt Thomas Lolling. Im Bild zu sehen ist die gelbe Kletterrose "Teasing Georgia".

Im Rosengarten am Kaiserhain präsentiert sich die rote Floribunda-Rose "Evelin" mit Woll-Ziest im Vordergrund und lila-blühender Katzenminze im Hintergrund. Thomas Lolling ist erleichtert darüber, dass die zu Kugeln getrimmten Buchsbaumpflanzen bis jetzt von Zünsler und Pilz verschont geblieben sind. Seitlich eingerahmt wird das Bild von weiß- und rosa-blühenden Hochstamm-Rosen.

Besonders beeindruckend ist der unermüdliche Rambler der Sorte "Rosa Filipes Kiftsgate". Hier ist er in eine Kiefer geklettert. Diese Rose kann bis zu acht Meter hoch wachsen und macht Jahrestriebe von bis zu drei Metern. Der reiche rahmweiße Blütenflor zeigt sich leider nur einmal im Jahr. Und zwar ab dem zweiten Standjahr. Die Blüten verströmen einen intensiven Duft.

Bei knapp 3.000 verschiedenen Rosenarten und -Sorten stehen immer wieder andere in Blüte. Den Anfang machen die Wildrosen Ende Mai. Im Juni blühen die Rambler an den zahlreichen Bögen und Pergolen, zudem die Englischen und die Historischen Rosen. Bis in den November hinein zeigen sich die dauerblühenden Rosen und im September leuchten die Hagebutten der Wildrosen.

Rosarium Dortmund: Ableger im Westen

Gegründet wurde das Rosarium im Westfalenpark Dortmund, angeregt vom Verein deutscher Rosenfreunde im Jahr 1969. Und zwar vor dem Hintergrund, dass die eigentliche gesamtdeutsche Rosensammlung in der ehemaligen DDR lag: in Sangerhausen, Sachsen-Anhalt. Man wollte im Westen Deutschlands ein eigenes Rosarium einrichten. Wegen der guten Kontakte des damaligen Leiters des Botanischen Gartens in Dortmund und dem Präsidenten des Vereins deutscher Rosenfreunde fiel die Entscheidung für Dortmund. 1972 feierte man die Eröffnung.

Königin mit Hofstaat

Das Rosarium in Sangerhausen ist die größte Rosensammlung der Welt mit circa 9.000 Sorten und Arten. Von der Fläche her ist es aber um einiges kleiner als das Dortmunder. Denn hier verteilen sich die Rosenpflanzungen der knapp 3.000 verschiedenen Sorten und Arten fast auf den gesamten Park von 60 Hektar Fläche. Zudem verfolgt man in Dortmund ein anderes Konzept: "Wir versuchen die Rosen mit Begleitpflanzen zu präsentieren, in Verbindung mit Stauden, Gräsern und Gehölzen. Also so, wie sie auch im Garten eingesetzt werden", erläutert der Gärtnerische Leiter des Westfalenparks Thomas Lolling. Keine Königin also ohne Hofstaat!

Lavendel ist kein idealer Begleiter!

Immer wieder höre oder lese man die Empfehlung, Rosen mit Lavendel zu kombinieren. Das passe aber von den Standortbedingungen her nicht, erklärt Thomas Lolling. "Rosen brauchen nährstoffreiche Böden und Lavendel karge. Pflanzt man den Lavendel direkt neben die Rose und düngt dann womöglich noch, besteht die Gefahr, dass der Lavendel schnell vergreist", so Lolling. Wolle man unbedingt beides nebeneinander setzen, solle man zumindest etwas Abstand zwischen den Pflanzen lassen und in den Boden unter dem Lavendel Sand oder Splitt mischen. Den Lavendel sollte man im Frühjahr zusammen mit den Rosen zurückschneiden.

Besser: Steinquendel und Katzenminze

Ein von der Optik her naheliegender Ersatz für den Lavendel ist die Katzenminze. "Die ist bezüglich des Bodens toleranter als der Lavendel", meint Lolling. Eine weitere Empfehlung des Fachmanns: der Steinquendel. Er blüht ab Ende Juni bis zum Frost durch und bildet rosafarbene bis zart-violette Blüten. Der Steinquendel duftet nach Minze und ist zudem eine ausgezeichnete Bienenweide. Sehr interessant ist auch die Kombination von Rosen mit dem Woll-Ziest. Sein eher fleischig wirkendes, silbrig-grünes Blatt bildet einen schönen Kontrast zu den filigranen Rosen.

ADR – ein Qualitätssiegel für Rosen

Thomas Lolling gehört auch der Jury an, die Rosen das Qualitätssiegel "ADR" verleiht. Das Kürzel steht für die "Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung". Neue Züchtungen werden dabei drei Jahre lang in elf bundesweiten Sichtungsgärten geprüft. Nur wenn sich mindestens sieben der elf Tester dafür aussprechen, einer Rose das Siegel zu erteilen, erhält sie es. Geprüft werden beispielsweise Aussehen und Duft, vor allem aber die Gesundheit der Pflanze. Während der drei Testjahre dürfen keinerlei Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. "Denn der Hobbygärtner sollte Freude haben an seiner Rose, ohne ständig spritzen zu müssen", so Thomas Lolling.

So klappt es mit der Rose

Daher ist der wichtigste Rat des Rosenkenners, sich vor dem Kauf darüber zu informieren, welche Sorten widerstandsfähig sind gegen Sternrußtau und Mehltau. Der zweite ist der richtige Platz im Garten: "Rosen sind sonnenhungrig. Sie sollten keinesfalls in den Schatten, unter Bäume oder Dachüberstände gepflanzt werden. Am besten in tiefgründigen, lockeren, ausreichend humosen Lehmboden. Sandböden sind nicht geeignet und Staunässe schadet ebenfalls. Im Frühjahr sollte man Rosen zurückschneiden. Und da sie stark zehrende Pflanzen sind, brauchen sie viele Nährstoffe. Andererseits erhöht zu viel Stickstoff die Anfälligkeit für Krankheiten. Da das richtige Maß zu finden, ist manchmal gar nicht so leicht", gibt der Fachmann zu. 

Lesetipps

David Austin
Die Rose. Vom Zauber einer Königin
Kosmos Verlag, 2017
68 Euro

Heiko Hübscher
Rosen schneiden. Schnitt für Schnitt
Ulmer Verlag, 2016
9,90 Euro

Silke Kluth
Rosen pflegen. Schritt für Schritt zum Rosenparadies
GU Verlag, 2016
12,99 Euro

Marion Lagoda
Rosen sind Leidenschaft. Die Geheimnisse echter Rosenkenner
blv Verlag, 2014
39,99 Euro

Stand: 01.07.2017, 00:00