Dolden – Schirmherrschaft im Garten

Dolden – Schirmherrschaft im Garten

Dolden – Schirmherrschaft im Garten

Von Sabine Krüger

Wenn das Blüten-Feuerwerk verglüht, bekommen die Strukturpflanzen ihren großen Auftritt. Dann treten im Garten die Doldenblütler ihre "Schirmherrschaft" an. Gartengestalter Peter Janke weiß, welche sich besonders für unsere Gärten eignen.

Dolden – Schirmherrschaft im Garten

WDR 4 Drinnen und Draußen | 02.09.2017 | 02:42 Min.

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Dolden sind die Pauken im Garten

Wie aufgespannte Schirmchen tanzen Doldengewächse im Garten über niedrigeren Pflanzungen. Der Hildener Gartendesigner Peter Janke zeigt, wie wertvoll Fenchel, Dill und Co. auch für die Gartengestaltung sind.

Dolden – Schirmherrschaft im Garten

Peter Janke ist ein Vertreter des "New German Style", der für natürliche Gartenbilder steht. Dabei spielen Doldengewächse eine große Rolle. Hier im sonnenbeschienenen Feuchtgarten, zwischen Teich und Waldgarten, hat er sie mit einem dunkelrosa blühenden Riesen-Wasserdost kombiniert.

Peter Janke ist ein Vertreter des "New German Style", der für natürliche Gartenbilder steht. Dabei spielen Doldengewächse eine große Rolle. Hier im sonnenbeschienenen Feuchtgarten, zwischen Teich und Waldgarten, hat er sie mit einem dunkelrosa blühenden Riesen-Wasserdost kombiniert.

Charakteristisch für die Doldengewächse ist der schirmförmige Aufbau ihrer Blüte. Deshalb heißen sie auch Schirmblütler. "Vom Blütenstiel gehen strahlenförmig die Blüten und später die Fruchtstände ab", erklärt Peter Janke. Das gibt ihnen einen sehr grafischen Ausdruck, der im Garten für Struktur und Spannung sorgt.

Die Waldengelwurz gibt es auch in dieser rotblühenden und später rotfruchtenden Variante. Peter Janke mag sie deshalb besonders gern, weil auch ihre Stiele dunkel getönt sind. "In der Natur kommen Waldengelwurz in verschiedenen Tönungen vor. Wir haben die schönsten ausgewählt und vermehren sie durch Samen", so Janke.

Der Gartengestalter kombiniert Doldengewächse am liebsten mit Gräsern, hier ein Pfeifengras. Treffend findet er das Bild, das der Staudenzüchter Karl Foerster geprägt hat: Dolden und Gräser seien wie Pauke und Harfe. Der Doldenblütler ist die Pauke, das feine Gras die Harfe. Karl Foerster (1874-1970) war ein Gärtner und Staudenzüchter in Potsdam, dessen Wohnhaus und Garten besichtigt werden können.

Auch ein schönes Paar: die Waldengelwurz (Angelica silvestris) mit dem weißen Kerzenknöterich (Persicaria amplexicaula alba). "Das ist eine sehr frische Kombination spät im Jahr für halbschattige Standorte", empfiehlt der Gartendesigner. Er achtet bei seinen Pflanzen darauf, dass sie sich nicht zu sehr ausbreiten. Das gilt auch für diese beiden.

Etwas aus der Art schlägt dieses Doldengewächs. Es wächst eben nicht kerzengerade nach oben, sondern flächig und gerade einmal knöchelhoch. Es handelt sich um den Weißbunten Haarstrang (Peucedanum ostruthium Daphnis). Er besticht mit seinen weißgeränderten Blättern als Blattschmuckstaude. Auch wenn die Blattform an den Giersch erinnert: Der Haarstrang hat nicht dessen Verbreitungsdrang.

Fast nicht zu glauben: Das ist auch ein Haarstrang (Peucedanum officinale). Er wird bis 1,70 Meter hoch und seine fein gefiederten Blätter sehen aus wie Haare, daher der Name. Die Farbe von Stielen und Blüten erinnert an das eigentümliche Gelb-Grün der Wolfsmilch. Der Haarstrang lockt Insekten an, wie hier die Krabbenspinne, die ihre Farbe an die der Pflanzen anpasst, auf denen sie lebt.

Eine sehr farbenfrohe Kombination ist dieser Fenchel mit der einjährigen leuch-tend orangefarbenen Emilia coccinea. "Ein wahrer Sommerschmaus", schwärmt Peter Janke. Sie wächst im sonnigen formalen Garten von Peter Janke. Die orangefarbene Emilie wird bis zu 50 Zentimeter hoch, kommt ursprünglich aus dem tropischen Afrika und blüht von Juni bis September.

Ebenfalls im mediterranen formalen Garten findet sich diese Kombination aus einem ganz anderen Farbspektrum: Der Echte Bergfenchel (Seseli montanum) mit der gitterartig vernetzten Verbena officinalis, dem Echten Eisenkraut. Die Farben der beiden harmonieren, die Formen kontrastieren: kugelige Dolden und grafische Linien.

Doldengewächse eignen sich auch als Schnittblumen. Hier der Beweis: ein ausgefallenes Arrangement mit Gräsern, Blättern und Hortensien. Vor den Vasen liegen die charakteristischen verblühten Fruchtstände der Wilden Möhre, die aussehen wie Vogelnester. Vom 7. bis 10. September veranstaltet Peter Janke in Hilden seine Gräsertage. Dann kann man sich von seinem Garten inspirieren lassen – auch zu Doldengewächsen!

Doldenblütler sind nicht zwangsläufig kurzlebig

"Viele denken Doldengewächse seien nichts Dauerhaftes. Das ist so nicht richtig", sagt der Hildener Gartengestalter Peter Janke. Der Dill, den einige im Nutzbeet haben, die Wilde Möhre, die manche vom Wegrand kennen oder die Engelwurz vom Waldspaziergang gehören zwar zur Gruppe der ein- und zweijährigen Pflanzen. Aber es gibt unter den Doldenblütlern (auch Schirmblütler genannt) ebenso wiederkehrende Stauden. Der Fenchel zählt beispielsweise dazu. Der eignet sich nicht nur zum Würzen, sondern gibt auch im Staudenbeet eine gute Figur ab.

Stauden für die Sonne

Fenchel liebt Sonne. Laut Peter Janke eignen sich für den Garten am besten der Echte Bergfenchel (Seseli montanum), der Zarte Bergfenchel (Seseli gracile), der Meerfenchel (Crithmum maritimum) und der Riesenfenchel (Ferula communis). Letzterer kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und kann bis zu drei Meter hoch werden. Dem Fenchel sehr ähnlich ist der Echte Haarstrang (Peucedanum officinale). Auch er fällt durch die gelb-grünen Stängel und Blüten auf und mag vollsonnige Plätze im Garten.

Stauden für den Halbschatten

Kaum zu glauben, dass der Weißbunte Haarstrang (Peucedanum ostruthium Daphnis) zur gleichen Gattung gehört wie der Echte Haarstrang. Der Weißbunte wird gerade mal knöchelhoch und hat ein ganz anderes Blatt. Es ist ähnlich geformt wie beim Giersch, hat aber einen weißen Rand. Das zweifarbige Blatt macht die Pflanze zur interessanten Blattschmuckstaude. Weitere Empfehlungen von Peter Janke für den Halbschatten: Sibirische Engelwurz (Angelica dahurica), Baltische Petersilie (Cenolophium denudatum), Kashmirdolde (Selinum wallichianum), Rotlaubige Japanpetersilie, Glänzende Mutterwurz, Rosablütiger Kälberkropf und Große Bibernelle.

Stauden für den Schatten

Die Süßdolde und der Weißbunte Haarstrang fühlen sich sowohl im Halbschatten als auch im Schatten wohl. Die Blätter der Süßdolde schmecken nach Anis und können unter den Salat gemischt werden. Die unreifen grünen Samen kann man wie Lakritzbonbons direkt von der Pflanze naschen. Die Süßdolde wächst buschig und dicht und braucht nährstoffreichen, feuchten Boden. Auch unter den Schirmblütlern ist also die Auswahl von Stauden groß: Es findet sich für jeden Standort etwas.

Leichtigkeit, Harmonie und Spannung

Viele verschiedene Standortbedingungen bietet auch der 1,4 ha große Privatgarten von Peter Janke in Hilden mit angeschlossener Gärtnerei. Doldengewächse und Gräser, eine seiner liebsten Pflanzkombinationen, finden sich in jedem Gartenraum. Im trockenen, mageren Kies- und Silbergarten genauso wie im halbschattigen Waldsaum, im Feuchtgarten am Teich und im Waldgarten. Die Übergänge fließen, sicherlich auch wegen des Leitmotivs, das Gräser und Dolden vorgeben. Während der Gräsertage im September führt der Gartengestalter durch seinen Garten und macht die Wirkung von Doldengewächsen erlebbar.

Lesetipps

Meine Vision wird Garten. Ganzjährig attraktiv mit nachhaltigen Pflanzkonzepten für jeden Standort
Autoren: Peter Janke, Jürgen Becker
Becker Joest Volk Verlag, 2012
39,90 €

Der Garten meines Vaters Karl Foerster
Autorin: Marianne Foerster
DVA, 2005
29,90 €

Kalender "Gräser im Garten 2018"
Fotograf: Jürgen Becker
DuMont Kalender-Verlag, 2017
25,00 €

Stand: 02.09.2017, 00:00