Blumenwiesen in die Gärten!

Blumenrasen mit Margeriten

Blumenwiesen in die Gärten!

Von Sabine Krüger

Immer Ärger mit dem Rasen? Blumenrasen und Blumenwiesen im Garten machen weniger Arbeit! Und sie sind wichtiger Lebensraum für Käfer, Hummeln und Wildbienen. Wir geben Tipps für Aussaat und Pflege.

Drinnen und Draußen: Blumenwiesen in die Gärten!

WDR 4 Drinnen und Draußen | 27.05.2017 | 02:21 Min.

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Von Blumenwiesen, Blumenrasen und Blumenschotterrasen

Die Blumenwiese ist bekannt. Aber haben Sie schon vom Blumenrasen und dem Blumenschotterrasen gehört? Wir stellen sie vor und zeigen, wie wertvoll sie für den Garten und das öffentlichen Grün sind.

Ulrike Aufderheide kniet auf einer Blumenwiese

Ulrike Aufderheide ist Diplom-Biologin, Naturgartenplanerin und aktiv im Arbeitskreis "Naturnahe Gärten in Wachtberg". Von diesem Arbeitskreis ging die Initiative für den Schaugarten am Rathaus in Wachtberg-Berkum aus. Seit 2002 soll er Bürgerinnen und Bürger dazu animieren, ihre Gärten naturnah zu gestalten. Der violettblühende Wiesen-Salbei ist beispielsweise ein wichtiger Nektarspender für Hummeln.

Ulrike Aufderheide ist Diplom-Biologin, Naturgartenplanerin und aktiv im Arbeitskreis "Naturnahe Gärten in Wachtberg". Von diesem Arbeitskreis ging die Initiative für den Schaugarten am Rathaus in Wachtberg-Berkum aus. Seit 2002 soll er Bürgerinnen und Bürger dazu animieren, ihre Gärten naturnah zu gestalten. Der violettblühende Wiesen-Salbei ist beispielsweise ein wichtiger Nektarspender für Hummeln.

Der Wiesensalbei steht am Rand des Blumenschotterrasens. "Das ist unsere Zukunft", erzählt Ulrike Aufderheide begeistert. "Hier könnte sogar ein kleiner LKW parken". Dazu wurden 50 cm Schotter ausgebracht und verdichtet. Darauf nur hauchdünn Grünkompost gestreut und mit Wildgräsern und Wildblumen eingesät. Der asphaltierte Parkplatz dahinter könnte komplett durch solch einen blühenden Schotterrasen ersetzt werden.

Was für ein schmucker Parkplatz: Der violette Wiesensalbei kontrastiert wunderbar mit der gelblich-grünen Zypressen-Wolfsmilch. "In Zeiten des Klimawandels ist der Blumenschotterrasen ein Tausendsassa: Er kühlt die Atmosphäre, verhindert Überschwemmungen, und das versickernde Regenwasser speist unsere Grundwasserspeicher", schwärmt Ulrike Aufderheide.

Der wilde Thymian im Blumenschotterrasen sorgt zudem noch für angenehme Düfte. Ein Ehepaar, das sich von der Naturgartenplanerin beraten ließ, war sich uneins darüber, ob es den Blumenschotterrasen haben wollte. Also schauten sie sich die Fläche hier in Wachtberg-Berkum an. Als es nach kurzer Zeit "nach provencalischen Hühnchen roch", war sofort die Entscheidung für den Blumenschotterrasen gefallen.

Dieses filigrane Gras, der Schaf-Schwingel, wächst ideal im Blumenschotterrasen. Mit dieser Methode können neben Parkplätzen auch Terrassen, Wege, Schulhöfe und Kindergärten gestaltet werden. Die Bepflanzung wird automatisch durch die Benutzung kurzgehalten. Bei starker Nutzung wirkt der Blumenschotterrasen wie ein Feldweg.

Am anderen Ende des Schaugartens in Wachtberg-Berkum kann man sich einen Blumenrasen ansehen. Dem fehlt, im Vergleich zum Blumenschotterrasen der Schottergrund, weshalb er weniger belastbar ist. Er kann aber, wenn man ihn betreten möchte, mehrmals im Jahr gemäht werden. Zum Beispiel, wenn man Bäume beernten oder ein Fest feiern möchte. Im Moment dominieren im Blumenrasen die Margeriten als Blühpflanzen.

Ebenfalls im Blumenrasen wächst die Zaunwicke. Im Staudenbeet ist sie ungeliebt, wegen ihres starken Ausbreitungsdrangs. Aber den Blumenrasen zieren ihre zartlila Blüten ungemein. Die Farbtupfer machen sich gut im frischen Grün. Zudem bietet dieses Wiesenkraut Nahrung für Wildbienen und ist somit ökologisch besonders wertvoll.

Ebenfalls im Blumenrasen wächst der Mittel-Wegerich. Er ist eine Zeigerpflanze für einen nährstoffarmen Boden. "Wenn Biologen ihn entdecken, machen sie Luftsprünge", so Aufderheide. "Diese Pflanzen sehen wir in der freien Natur fast nur noch in Naturschutzgebieten. Weil es in unseren intensiv genutzten Landschaften kaum mehr nährstoffarme Flächen gibt."

Das löwenzahnähnliche gelbe Ferkelkraut wächst sowohl im Blumenrasen als auch in der Blumenwiese. Hier sammelt die Gehörnte Mauerbiene Nektar auf dem Ferkelkraut. Sie ist eine solitäre Wildbiene, also eine Art, die einzeln lebt und keine Völker bildet wie Hummeln, Bienen oder Wespen. Der Lebensraum der Wildbienen schwindet. Blumenrasen oder Blumenwiesen im Garten sind also wichtige Lebensräume für sie.

Hier zeigt sich das Taubenkropf-Leimkraut in voller Blüte. Es wirkt sehr zart, mit der rötlichen Äderung auf den aufgeblasenen weißen Blüten. Es ist eine wilde Nelke. Nur Falter und Bienen mit langen Rüsseln erreichen den Nektar unten im Kelch. Nachtfalter werden von dem Duft angelockt, den die Blüten nur nachts aussenden. Manche Nachtfalter-Raupen ernähren sich vom Taubenkropf-Leimkraut. Wer Nachtfalterblumen im Garten hat, erhöht die Chance, in der Dämmerung Fledermäuse zu beobachten.

Ganz typisch für die Blumenwiese sind hochwachsende Gräser, wie der Glatthafer. Er wird bis zu 1,50 Meter hoch. Auch die windbestäubten Gräser werden von vielen Tieren genutzt. Es leben beispielsweise Schmetterlingsraupen auf ihnen. Beim Glatthafer sind das folgende Arten: das Waldbrettspiel, der Schachbrettfalter, sowie verschiedene Dickkopf- und Augenfalter.

Schön fürs Auge und für Insekten: Blumenwiese

Die Biologin und Naturgartenplanerin bedauert, dass es kaum noch Blumenwiesen in der freien Natur gibt. "Und wir haben die Blumenwiesen sogar aus unserem Gedächtnis verloren. Wenn Sie den Begriff in eine Suchmaschine eingeben, dann sind die wenigsten Bilder tatsächlich von Blumenwiesen. Die meisten sind Einsaaten von Ackerwildblumen, wie der Kornblume, oder Einsaaten von exotischen Wildblumen." Deshalb sei es so wichtig, die Erinnerung an Blumenwiesen wachzuhalten. "Im Garten sind Blumenwiesen Flächen, die ich der Natur und meinem Naturgenuss zur Verfügung stelle", so Aufderheide.

Träumen inmitten von Wildblumen: Blumenrasen

Der Blumenrasen ist im Garten vielseitiger nutzbar. Während die Blumenwiese nur zwei- bis dreimal im Jahr gemäht und nicht betreten werden darf, ist das beim Blumenrasen schon möglich. Man mäht ihn, wenn man ihn braucht. Eventuell auch nur Teile davon. Beispielsweise als Liegefläche. Dann kann man sich auf den Boden in die Sonne legen und beobachten, wie sich die Gräser und Wildblumen um einen herum im Wind wiegen. Und wie Hummeln, Honig- und Wildbienen eifrig Nektar sammeln.

Der robuste Tausendsassa: Blumenschotterrasen

Der Liebling von Ulrike Aufderheide ist aber der Blumenschotterrasen. Der hat eine robuste Schotter-Grundierung und ist daher stark belastbar. Er kommt zum Einsatz als Parkplatz, Terrasse, Schulhof, Spielfläche im Kindergarten oder als Weg. In Zeiten des Klimawandels bieten solche nicht-versiegelten Flächen viele Vorteile: Sie kühlen ab, verhindern Überschwemmungen und speisen unsere Grundwasserspeicher. "Der Blumenschotterrasen ist der Tausendsassa", schwärmt Ulrike Aufderheide, inmitten violett-blühenden Wiesen-Salbeis und intensiv duftendem Wild-Thymian.

Preisgünstig gestalten mit Blumenwiese und -rasen

Der Blumenschotterrasen ist wegen seines Schotter-Fundaments aufwendig und entschieden teurer als Blumenwiese und Blumenrasen. Aber den Schotterrasen muss man, von den Kosten her, auch eher mit dem asphaltierten Parkplatz vergleichen als mit dem Staudenbeet. Eine Blumenwiese wiederum ist viel günstiger als ein Staudenbeet. "Sie kostet einschließlich Bodenvorbereitung unter zehn Euro pro Quadratmeter. Und wenn es nur um das Saatgut geht, ich also alles andere selbst mache, dann liegt der Preis so bei 50 Cent pro Quadratmeter", bilanziert die Gartenplanerin.

Boden vorbereiten und Säen

Blumenmischung kaufen und aussäen – damit ist es nicht getan. Zunächst muss die Fläche, auf der Blumenwiese oder -rasen entstehen sollen, gefräst, von Unkraut befreit und gelockert werden. Hat man ein feinkrümeliges Saatbett vorbereitet, lässt man den Boden zwei Wochen lang absinken. Danach sät man die Fläche zweimal kreuzweise ein und geht mit der Rasenwalze drüber. Wildkräuter sind Lichtkeimer, ihre Samen dürfen also nicht tief im Boden vergraben werden. "Wildblumen-Saatgut kauft man am besten in Betrieben, die darauf spezialisiert sind", rät Ulrike Aufderheide.

Mähen und Heu machen

Eine Blumenwiese mäht man zwei- bis dreimal im Jahr, einen Blumenrasen öfters. Kleine Flächen kann man mit der Sichel bearbeiten. Für größere nimmt man am besten die Sense. "Die schädigt Insekten am wenigsten. Etwas mehr Insektenopfer fordert der Balkenmäher, noch mehr der Kreiselmäher", erklärt die Biologin. Zudem sollte man nicht mittags mähen oder wenn die Sonne scheint, weil da am meisten Insekten unterwegs sind. Das Schnittgut wird auf der Fläche getrocknet, dort auch gewendet und erst nach dem Trocknen entfernt. "Zum Beispiel an Kaninchen oder Pferde verfüttert. Dieses Wiesenheu ist sehr begehrt", so Ulrike Aufderheide.

Lesetipps

Ulrike Aufderheide
Rasen und Wiesen im naturnahen Garten
pala Verlag, 2011
14 Euro

Bruno P. Kremer
Hecken, Gartenweg und Blumenwiese
Haupt Verlag, 2017
29,90 Euro

Dr. Reinhard Witt
Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten
Verlag Naturgarten, 2015
49,95 Euro

Stand: 27.05.2017, 00:00