Bitte Anfassen - Fühlpflanzen

Der Lotus-Effekt hat eine reinigende Wirkung

Bitte Anfassen - Fühlpflanzen

Von Sabine Krüger

Weich, rau, glatt, klebrig, dünn oder dick. Mit Dornen, Stacheln oder fedrig – die Oberflächen von Pflanzen sind extrem vielfältig. Und alle erfüllen sie unterschiedlichste Funktionen. Was das Aussehen von Pflanzen über sie verrät.

Bitte Anfassen - Fühlpflanzen

WDR 4 Drinnen und Draußen | 10.06.2017 | 02:29 Min.

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Die Oberflächen von Pflanzen begreifen

Was man erlebt, bleibt haften, weiß Gärtnermeisterin Kirsten Finkel vom Botanischen Garten Köln, der Flora. Ihre Führung zu den Oberflächen von Pflanzen ist daher eine sehr sinnliche. Hier kommt Begreifen von greifen, reiben, riechen und staunen.

Gärtnermeisterin Kirsten Finkel stellt den Teilnehmern die angenehm glatte Borke des Erdbeerbaums vor. Zudem ist sie auch noch sehr schön rot, orange, beige gezeichnet. Kirsten Finkel empfiehlt, bei der Gartengestaltung auch auf schöne Borken zu achten. "Die fallen im Winter total ins Auge. Hier eignen sich zum Beispiel Hartriegel". Der Erdbeerbaum aus dem östlichen Mittelmeergebiet hat unter unseren diesjährigen Spätfrösten sehr gelitten.

Gärtnermeisterin Kirsten Finkel stellt den Teilnehmern die angenehm glatte Borke des Erdbeerbaums vor. Zudem ist sie auch noch sehr schön rot, orange, beige gezeichnet. Kirsten Finkel empfiehlt, bei der Gartengestaltung auch auf schöne Borken zu achten. "Die fallen im Winter total ins Auge. Hier eignen sich zum Beispiel Hartriegel". Der Erdbeerbaum aus dem östlichen Mittelmeergebiet hat unter unseren diesjährigen Spätfrösten sehr gelitten.

Gärtnermeisterin Kirsten Finkel stellt den Teilnehmern die angenehm glatte Borke des Erdbeerbaums vor. Zudem ist sie auch noch sehr schön rot, orange, beige gezeichnet. Kirsten Finkel empfiehlt, bei der Gartengestaltung auch auf schöne Borken zu achten. "Die fallen im Winter total ins Auge. Hier eignen sich zum Beispiel Hartriegel". Der Erdbeerbaum aus dem östlichen Mittelmeergebiet hat unter unseren diesjährigen Spätfrösten sehr gelitten.

Das Gegenteil zur Erdbeerbaum-Borke ist die Korkeichen-Borke. Sie fühlt sich runzelig und hart an. "Im Alter von circa 15 Jahren werden die Korkeichen zum ersten Mal geerntet. Und dann regelmäßig alle 12 bis 15 Jahre. Dafür werden die Bäume geschält und die Borke in kochendem Wasser geschmeidiger gemacht. Bis zum Alter von 150 Jahren werden die Bäume für die Ernte geschält", erklärt Kirsten Finkel.

Tillandsien leben in regenarmen Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit, wie den Anden. Ihre weiße Färbung kommt von Schuppenhaaren auf ihrer Außenhaut. Sofort nachdem diese Haare gebildet werden, sterben sie ab und bilden Hohlräume. Darin sammelt sich Luft. Die Pflanze erscheint weiß und befindet sich im Ruhezustand (links). Sobald sie besprüht wird, füllen sich die Hohlräume mit Wasser, ihre grüne Farbe kommt zum Vorschein und sie beginnt mit der Fotosynthese (rechts).

Die Trichterbromelie wächst als Aufsitzerpflanze (auch: Epiphyt) in den Baumwipfeln des tropischen Regenwaldes und in Wüstengebieten. Wasser nimmt sie über ihre als Trichter geformten Blätter auf. Darin hat sie die gleichen Schuppenzellen wie die Tillandsie. Diese Miniteiche sind sogar Lebensräume für tropische Baumfroscharten. Auch Insekten legen darin ihre Larven ab.

Wasserabweisend ist dagegen der Lotus. Von ihm perlt sogar Flüssigklebstoff ab, wie Kirsten Finkel demonstriert. Der Klebstoff bildet, genauso wie ein Wassertropfen, eine Kugel, die dann vom Blatt runterrollt. Dieses System versucht die Industrie zu kopieren, um selbstreinigende Oberflächen herzustellen.

Diese starke Vergrößerung, die Kirsten Finkel mitgebracht hat, zeigt, wie der Lotus-Effekt funktioniert. Die Oberfläche des Lotus ist eine einzige Hügellandschaft, die alles, was darauf aufkommt, direkt ins Tal schickt, also runterrollen lässt. Das Frauenmantelblatt ist ähnlich aufgebaut.

Der Kaktus aus der Wüste hat seine Blätter zu Dornen umgewandelt. Aus ihnen kann kein Wasser mehr verdunsten und sie schützen die Pflanze davor, dass Tiere sie fressen. Botaniker sprechen von Dornen, wenn diese so festsitzen, dass man sie nicht entfernen kann. Der Kaktus hat also Dornen und die Rose Stacheln. Denn die Stacheln der Rose lassen sich abknipsen.

Schmeichelhafter wird es dann wieder draußen, im Duftgarten. Als "flaumig" bezeichnet eine Teilnehmerin des Rundgangs den gräulichen Salbei. Das kommt von kleinen Haaren auf seiner Blattoberfläche. "Haare sind eine super Anpassungsstrategie, um sich vor Sonne zu schützen. Das ist wie ein Fell", erklärt Kirsten Finkel. "Gleichzeitig halten diese Haare die Feuchtigkeit auch länger auf dem Blatt".

Der Samenstand der Waldrebe (auch: Clematis) aus dem letzten Jahr erinnert nicht von ungefähr an die Baumwolle. Beide bilden Haare aus, die der Pflanze dabei helfen, sich weiterzuverbreiten. Die Früchte mit den Haarschweifen werden vom Wind weggetragen oder verfangen sich im Fell von Tieren.

Zweimal weißer Stamm nebeneinander: Bei der Birke natürlich (links), bei der Blutbuche angepinselt (rechts). Den Anstrich haben ihr die Gärtner der Flora als Schutz verpasst. Normalerweise steht eine Buche nicht alleine auf der Wiese sondern im schattigen Wald. Ungeschützt könnten die Temperaturunterschiede zwischen Sonnen- und Schattenseite ihre Borke reißen lassen. Die weiße Farbe verhindert, dass sich der Stamm zu sehr aufheizt.

Zeig mir, was du brauchst!

Während wir uns entsprechend der Wetterlage anziehen oder in die Sonne fliegen, wenn uns das Wetter nicht passt, müssen Pflanzen mit ihrer Umgebung klarkommen. Damit das funktioniert, haben sie diverse Anpassungsstrategien entwickelt. Gärtnermeisterin Kirsten Finkel zeigt bei ihrer Führung durch den Botanischen Garten Köln, dass sich an den Oberflächen der Pflanzen oft ablesen lässt, wo diese herkommen. Dem Hobbygärtner sagt das auch, was die Pflanze braucht, damit sie gut gedeiht.

Ich lebe im feuchten Schatten

Im feuchten und schattigen Kamelien- und Farnwald fallen großflächige Blätter auf. "Kamelien kommen aus lichten Bergregionen in Asien. Farne wachsen unter Bäumen. Beides sind also Pflanzen, die auf Feuchtigkeit und Schatten spezialisiert sind". Mit den großen Blättern fangen sie Licht auf. "Die Blätter haben auch einen leichten Glanz. Das ist eine Wachsschicht, die das Wasser schnell abperlen lässt. Weil feuchte Blätter immer anfälliger sind gegen Pilzbefall als trockene", erläutert die Gärtnermeisterin.

Ich lebe in der trockenen Sonne

Eine Wachsschicht haben interessanterweise auch viele Pflanzen im Duftgarten, die mit Trockenheit klarkommen müssen. Hier schützt die Schicht vor Verdunstung. "Je dicker die Wachsschicht, desto bläulicher wirkt sie", so Kirsten Finkel. Ebenfalls zum Schutz vor Verdunstung haben diese Pflanzen kleine Blätter. "Letztendlich ist die Blattfläche immer die größte Fläche, über die die Pflanze Wasser verliert", erklärt Kirsten Finkel. Die geringste Fläche bieten Nadeln, wie beim Rosmarin.

Friss mich nicht!

Sowohl der Steinsame, eine kleine blaue Blume, als auch der Beinwell, eine Heilpflanze, haben raue Blätter. Sie gehören zu den Raublattgewächsen. Diese Rauheit entsteht durch Haare, die mit Silikat verfestigt wurden. Die raue Oberfläche schützt die Pflanzen davor, gefressen zu werden. Noch aggressiver wehren sich Rosen mit ihren Stacheln und Kakteen mit ihren Dornen. Die Dornen des in der Wüste vorkommenden Kaktus‘ sind gleichzeitig noch ein Verdunstungsschutz. Aus ihnen kann kein Wasser entweichen.

Verbreite mich!

Haare auf Blättern schützen auch vor Verdunstung. Zum Beispiel beim Salbei. Haare an Samen helfen den Pflanzen bei der Vermehrung. Die Früchte von beispielsweise Clematis und Baumwolle verbreiten sich, indem sie vom Wind weggetragen werden. Bei der Klette heften sie sich an das Fell von Tieren und können sich so in einem noch weiteren Radius verbreiten. Beim nächsten Spaziergang durch die Flora werden die Teilnehmer dieses Rundgangs nicht mehr nur auf Blüte und Duft, sondern auch auf die Oberflächen der Pflanzen achten.

Lesetipps

Stephan Anhalt, Gerd Bermbach
Die Kölner Flora: Festhaus und Botanischer Garten
J. P. Bachem Verlag, 2014
29,95 Euro

Bruno P. Kremer
88 verblüffende Pflanzen
Ulmer Verlag, 2017
19,90 Euro

Katie Scott, Kathy Willis
Das Museum der Pflanzen. Eintritt frei!
Prestel Verlag, 2016
24,99 Euro

Stand: 10.06.2017, 00:00