Der kleine Balkon-Knigge

Eine Balkonfront eines Mietshauses

Der kleine Balkon-Knigge

Von Jörg Sauerwein

Sobald es wärmer wird, zieht es die Menschen wieder auf ihren Balkon. Das Gefühl von Freiheit ist allerdings trügerisch, denn längst ist nicht alles erlaubt und es kann sogar Streit geben.

FKK und Sex auf dem Balkon

In den eigenen vier Wänden stört es niemanden, wenn man sich nackt durch die Wohnung bewegt. Auf dem Balkon ist das allerdings etwas anderes. Hier ist ein nacktes Sonnenbad zwar grundsätzlich erlaubt, allerdings nur, wenn der Balkon nicht für andere leicht einsehbar ist. Andernfalls könnten sich Mieter gestört fühlen, erklärt der Bonner Fachanwalt für Mietrecht Jörg Schneider: "Eine Abmahnung für das Nacktsein und vielleicht auch noch andere Aktivitäten auf dem Balkon können dann durchaus berechtigt sein."

Der kleine Balkon-Knigge

WDR 2 Servicezeit | 02.06.2017 | 03:03 Min.

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Es kommt dabei allerdings immer auch auf den Einzelfall an. Denn im Saarland hat ein Vermieter mal einer Mieterin wegen eines nackten Sonnenbads fristlos gekündigt. Dabei hatte sich aber niemand aus demselben Haus beschwert. Deshalb urteilte das Amtsgericht Merzig, der Hausfrieden sei somit gar nicht gestört worden und wies die Kündigung des Vermieters als unberechtigt ab (Az.: 23 C 1282/04).

Sex auf dem Balkon oder der Terrasse können die Richter dagegen durchaus verbieten. Vor einigen Jahren zeigte das Amtsgericht Bonn wenig Verständnis für ein Paar, das sich auf dem Balkon hör- und sichtbar für die Nachbarn miteinander vergnügte (Az.: 8 C 209/05). In solchen Fällen droht die Abmahnung oder sogar Kündigung.

Sichtschutz und Blumen auf einem Balkon

Sichtschutz für mehr Privatsphäre

Ob nackt oder auch im Badeanzug – wer die Blicke anderer vermeiden möchte, greift deshalb oft zu einem Sichtschutz, wenn der Balkon zum Beispiel nur ein Metall- oder Glasgeländer hat. Hier ist allerdings auch nicht alles erlaubt. Grundsätzlich dürfen Sichtschutze nur bis zur Höhe der Brüstung verwendet werden. Und zwar nur solche, die einfach wieder entfernt werden können und keine größeren Eingriffe in die Bausubstanz bedeuten.

Wer mehr möchte, sollte vorher mit dem Vermieter sprechen. Das gilt auch, wenn sich der optische Gesamteindruck des Hauses durch den Sichtschutz ändern könnte. Hier kann der Vermieter durchaus das Erscheinungsbild der Immobilie als Grund anführen, den Sichtschutz zu verbieten. Deshalb empfiehlt sich zum einen der Blick in den Mietvertrag, denn manchmal werden solche Themen hier aufgeführt. Zum anderen sollte man im Idealfall schon vor dem Einzug schauen, ob zum Beispiel andere Balkone einen Sichtschutz haben oder mit dem Vermieter besprechen, ob eine Bambusmatte oder ähnliches erlaubt ist.

Grillen auf einem Balkon

Streitpunkt Grill

Sobald es warm wird, liegt der Geruch von frisch Gegrilltem in der Luft. Nachbarn müssen das ertragen und auch auf dem Balkon sei Grillen grundsätzlich zulässig, sagt der Bonner Fachanwalt für Mietrecht Jörg Schneider. Allerdings gelte hier genauso wie in vielen anderen Bereichen des Mietrechts auch immer das „Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme“. Wer also zum Beispiel mit Holzkohle regelmäßig vom Balkon aus andere Nachbarn einräuchert, darf sich nicht über eine entsprechende Unterlassungsklage wundern, die Erfolg haben kann.

Den reinen Grillgeruch von Fleisch oder Fisch aber müssen Nachbarn hinnehmen. Wer also zum Beispiel einmal im Monat den Gasgrill anwirft, kann keine Probleme bekommen. Wie häufig Grillen erlaubt ist, dazu gibt es allerdings keine einheitliche Rechtslage. Während das Landgericht München zum Beispiel in einem Urteil 16-mal Grillen in vier Monaten als durchaus noch akzeptabel sah (Az.:15 S 22735/03), haben andere Gerichte die Höchstzahl der Grillabende durchaus schon niedriger angesetzt. Auch hier lohnt wie in anderen Fällen ein Blick in den Mietvertrag oder die Hausordnung. Denn Vermieter können hier durchaus das Grillen verbieten, um den Hausfrieden zu wahren.

Tierischer Balkon-Ärger

Auf vielen Balkonen hängen spätestens im Herbst die ersten Meisenknödel, mit denen Vögel angelockt und gefüttert werden. Grundsätzlich ist das durchaus in Ordnung, genauso wie das Halten eines Vogels auf dem Balkon. Der Vogel im Käfig sollte dabei allerdings möglichst wenig Lärm machen, denn auch hier gilt wieder der Hinweis der Juristen auf die gegenseitige Rücksichtnahme. Die Tierliebe geht allerdings eindeutig zu weit, wenn auf dem Balkon auch Tauben angelockt werden. Ein Wohnungseigentümer in München sah sich im Recht, Vögel und darunter auch Tauben zu füttern. Davon fühlten sich die anderen Eigentümer gestört und klagten. Unter anderem wegen der Gesundheitsgefahren durch den Taubenkot gab ihnen das zuständige Amtsgericht Recht (Az.: 485 C 5977/15 WEG).

Genauso müssen Nachbarn es nicht hinnehmen, wenn mehr als die eine oder andere zufällige Biene auf ihren Balkon fliegt. Im Falle einer Mieterin, die in Hamburg auf ihrem Balkon ein Bienenvolk gehalten hat, entschied das Amtsgericht Hamburg-Harburg, dass die Bienen zu entfernen sind (Az.: 641 C 377/13). Zulässig sei lediglich die Haltung von kleinen Haustieren, bei denen die Beeinträchtigung der Vermieterbelange oder eine Störung anderer Hausbewohner grundsätzlich ausgeschlossen werden könne. Das sah das Gericht bei den Bienen anders, hier handele es sich nicht um einen vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache. Deshalb mussten die Bienen weg.

Balkonpflanzen

Grundsätzlich kann der Vermieter keine Vorschriften machen, was man gerne an Blumen, Kräutern oder anderen Pflanzen auf dem Balkon haben möchte. Allerdings bedürfen Eingriffe in die Gebäudesubstanz einer Erlaubnis. Wer also zum Beispiel ein Rankgitter für eine Weinrebe an der Balkonwand befestigen möchte, sollte das vorher absprechen. Noch schwieriger wird es bei Pflanzen wie Efeu, die an der Hauswand wuchern und das Mauerwerk beschädigen können – hiervon sollte man die Finger lassen, wenn der Vermieter es nicht ausdrücklich erlaubt.

Wenn Mietvertrag und Hausordnung nichts anderes sagen, sind auch Balkonkästen grundsätzlich erlaubt, solange sie nicht den optischen Gesamteindruck deutlich verändern. Außerdem sollten sie im Zweifel auf der Innenseite des Balkons angebracht werden, unter anderem, weil niemand durch eventuell herabfallende Balkonkästen gefährden werden darf.

Vorsicht bei Bäumen: In München hat ein Mieter vor Jahren einmal einen Bergahorn auf seinem Balkon über viele Jahre immer größer werden lassen. Die Vermieter wollte das beenden, da der Ahorn inzwischen über den Balkon hinaus gewuchert war. Das Amtsgericht München entschied, dass Bäume in der Regel nichts auf einem Balkon zu suchen haben (Az.: 461 C 26728/15).

Stand: 02.06.2017, 00:00