Service Garten - Abgedreht – jetzt werden Äpfel geerntet

Olaf Schriever mit Apfel in der Hand

Service Garten - Abgedreht – jetzt werden Äpfel geerntet

Herbstzeit ist Apfelzeit. Überall in den Gärten hängen die reifen Früchte an den Bäumen. Im Landgarten von Olaf Schriever im oberbergischen Nümbrecht wachsen vor allem alte, heimische Apfelsorten.

Rotgrün gestreift ist das 'Seidenhemdchen', eine Apfelsorte, die um das Jahr 1900 aus Aachen ins Bergische Land gekommen ist. Olaf Schriever dreht vorsichtig eine Frucht aus der mit Äpfeln üppig gefüllten Krone. Mit einem Taschenmesser teilt er die Frucht. Die Kerne sind braun, der Apfel ist reif und kann gegessen werden.

Alte Sorten
Süßsäuerlich schmeckt das ‚Seidenhemdchen‘, erklärt der Gärtner, der auch als Pomologe (Apfelexperte) in der Biologischen Station Oberberg arbeitet. In seinem Garten am Haus und auf der angeschlossenen Obstwiese stehen rund 30 Apfelbäume. Vor allem alte Sorten haben es ihm angetan – von 'Ananasrenette' über 'Jakob Fischer', 'Luxemburgs Triumph‘, ‚Fießers Erstling‘ bis hin zu Signe Tillisch'. Grüngelb mit leicht roten Bäckchen hängen diese Früchte an den Ästen. Um 1860 ist 'Signe Tillisch' nachweislich gezüchtet worden. Noch heute bestechen die saftigen Äpfel durch ihr weinsäuerliches Aroma. Eine Lieblingssorte des Gärtners ist der ‚Weiße Winterglockenapfel‘ mit glockenförmigen, grüngelben Früchten mit roten Streifen und weißem Fruchtfleisch. Bis April lässt er sich lagern. Jede der alten Sorten schmecke anders, schwärmt der Apfelkenner. Sie hätten eine große Vielfalt an Geschmacksvariationen – viel mehr als die Äpfel aus dem Supermarkt..

Pflanzung und Schnitt
Apfelbäume können im Herbst in den Garten gesetzt werden. Sie dürfen nicht zu tief in den Boden. Die Veredelungsstelle am Stamm muss über der Erde liegen. In den ersten Jahren ist der richtige Schnitt wichtig, damit sich die Krone gut entwickelt. Im Winter werden die Äste regelmäßig zurückgeschnitten, damit sich die Krone schön verzweigt. Nach zwei, drei Jahren – je nach Sorte - trägt der Baum erste Früchte. Der Apfelgärtner geht dann im Sommer mit der Schere durch die Kronen, um das Wachstum zu bremsen und um die Früchte zu belichten. Die Sonne kommt besser an sie ran, sie lagern mehr Zucker ein und bekommen mehr Aroma. Das Auslichten der Krone hilft auch gegen möglichen Schorfpilzbefall. Nach einem Regen sollten Blätter und Früchte schnell abtrocknen können. Ärgerlicher als Schorf war in diesem Jahr der starke Frost zur Apfelblüte. Viele Blüten sind erfroren und konnten keine Früchte ansetzen. Ein weiteres Problem ist der Apfelwickler, der sich in einigen Früchten breitgemacht hat. Auf die Würmer im Apfel würde der Gärtner gern verzichten. Bei seinen Apfelbäumen hat er aber immer noch genug zu pflücken. Einige Äpfel werden sofort gegessen, andere kühl und trocken gelagert, ein Teil wird zu Apfelsaft gepresst. 

Obstwiesenfest
Im 'Freilichtmuseum Lindlar' dreht sich am Sonntag (1.10.17) von 10 bis 18 Uhr alles ums Obst. Das Museum zeigt eine Obstsortenschau mit traditionellen Apfelsorten aus der Region: Unterheiligenhoven 5 / 51789 Lindlar / 02266 – 90100

Buchtipps
Altbewährte Apfel- und Birnensorten / Obst- U. Gartenbauverlag, 2017 / 4,50 €
Keppel, Pieber, Weiß / 550 alte Apfel- & Birnensorten / Stocker, 2017 / 49,90 €

Autor: Gereon Reymann
Redaktion: Detlef Reepen

Service Garten ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort freitags zwischen 10.05 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.