Echte und vermeintliche Schnäppchen

Winterschlussverkauf

Echte und vermeintliche Schnäppchen

Von Anke Fricke

Offiziell gibt es den Winterschlussverkauf nicht mehr, inoffiziell beginnt er Ende Januar - aber schon jetzt werben die meisten Geschäfte mit Rabatten. Wo lässt sich wirklich sparen? Und: Wo tricksen die Händler oft?

Eines vorneweg: Auch wenn auf den Schaufenstern nun überall rote Prozentzeichen locken. Das meiste Geld spart man, wenn man angesichts der vermeintlichen Rabatte einen kühlen Kopf bewahrt. Deshalb sollte vor jedem Kauf die Frage stehen: "Braucht man die Jacke, den Gemüsehobel oder die CD wirklich?" Oder gefällt nur die Vorstellung, etwas extrem günstig erworben zu haben?

Schaufensterpuppen mit Schlussverkauf-Schildern

Im Winterschlussverkauf lassen sich zurzeit viele Schnäppchen machen.

Erhöhter Referenzwert für Rabatte

Auf keinen Fall sollte man sich von den versprochenen 30, 50 oder gar 70 Prozent locken lassen. Mancher Einzelhändler rechnet die Rabatte schön, weiß Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW: "Da werden Mondpreise für die Reduzierung zugrunde gelegt, die zuvor nie genommen worden sind." So wird manchmal die unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) des Herstellers als Ausgangbasis für die Rabattschlacht zugrunde gelegt. Das ist aber nur der Preis, den Hersteller oder Großhändler als Weiterverkaufspreis an den Kunden empfehlen. Oft werden Kleidung, Fernsehen oder Haushaltsgeräte sowieso unter diesem UVP angeboten. Legt man für den nun beworbenen Abschlag den letzten tatsächlichen Verkaufspreis zugrunde, schrumpft der Preisnachlass. Da können aus 50 Prozent magere 20 Prozent werden.

Tipp: Preise vergleichen. Bei Kleidung ist dies oft nur bei Markenware möglich. Suchportale im Internet sind dabei eine gute Hilfe. "Aber bitte immer mindestens zwei Preismaschinen zurate ziehen, denn auch diese haben Fehler und Mängel", rät Tryba.

Statt Schnäppchen schlechtere Qualität

Manchmal verbirgt sich hinter dem vermeintlichen Angebot auch qualitativ minderwertigere Ware oder eine bestimmte Funktion fehlt. Das ist etwa bei sogenannter B-Ware der Fall. Kleidungsstücken haben hier oft kleine Fehler, die oft selbst behoben werden können oder aber nicht stören. Bei technischen Geräten gibt es häufiger verschiedene Ausführungen, die auf den ersten Blick aber gleich erscheinen. Das ist beispielsweise bei der vorhandenen Speicherkapazität eines Geräts möglich oder bei der Ladefähigkeit des Akkus denkbar. Auch hier gilt es, die angebotene Ware genau zu überprüfen und die Preise vergleichen.

Überholte Modelle im Angebot

Ski aus der vergangenen Saison machen für die meisten Wintersportler wahrscheinlich keinen Unterschied. Anders ist das bei Kleidung, deren Schnitte und Farben sich häufig ändern. Möglicherweise ist die ehemals sehr teure Markenjeans nur so stark reduziert, weil der Schnitt längst überholt ist. Da sollte genau abgewogen werden, ob man auf die Marke setzt oder möglicherweise auf aktuellere Modelle eines nicht so teuren Labels. Oft bleiben auch Modelle in ausgefallenen Farben übrig. Daher sollte die Kaufentscheidung genau bedacht werden.

Problem Umtauschrecht

Denn ein gesetzliches Umtauschrecht haben Kunden nur im Internet. Hier kann die Ware innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt zurückgeschickt werden, der Kunde erhält sein Geld zurück. Allerdings trägt unter Umständen der Käufer die Kosten für die Rücksendung. Daher vor dem Klicken prüfen, wie teuer ein möglicher Umtausch werden kann.

"Viele Kunden haben aber fälschlicherweise die 14-tägige Umtauschfrist aus dem Netz auch für den stationären Handel im Kopf", sagt Tryba. Da ist ein Umtausch jedoch reine reine Kulanz des Händlers. Die Handhabung ist sehr unterschiedlich: Einige Geschäfte nehmen reduzierte Ware nicht zurück, andere nur gegen Gutschein oder zahlen sogar Geld aus. Aber: Die normalen Gewährleistungsrechte des Käufers gelten auch für reduzierte Ware.

Tipp: Vor dem Kauf im Geschäft abklären, ob und zu welchen Konditionen das vermeintliche Schnäppchen wieder zurückgegeben werden kann.

Sicher shoppen im Internet

Auch im Netz finden sich immer wieder verlockende Angebote. Vorsicht ist bei extremen Preisnachlässen geboten, dahinter könnte sich auch ein Betrugsversuch verbergen. "Wir haben immer wieder Verbraucher, die vergeblich auf ihre Ware warten", weiß Verbraucherschützer Tryba aus Erfahrung. Sein Rat: Im Internet nur über gesicherte Systeme bezahlen. Dazu zählt die Verbraucherzentrale den Kauf gegen Rechnung, Lastschrift, Paypal oder Amazon Payments. So bekommt der Käufer sein Geld zurück, falls die Ware nicht geliefert wird. "Niemals gegen Vorkasse kaufen", mahnt Tryba. Und auch beim Einkauf mit Kreditkarte bekommt man bei Nichtlieferung sein Geld nur über den Weg der Klage zurück.

Risiken des antizyklischen Einkaufs

Für Verbraucherschützer Tryba ist der Winterschlussverkauf lediglich ein Marketinginstrument. "Gute Preise lassen sich das ganze Jahr über finden." Statt sich von satten Rabatten locken lassen, lieber genau den Bedarf studieren und die Risiken bedenken. Denn Kleidung und Schuhe für die kommende Wintersaison brauchen Lagerplatz. Und wer weiß, ob der enge Pulli im kommenden Jahr noch gefällt.

Daher sollten sich Verbraucher nicht unter Druck setzen und stattdessen bei größeren Anschaffungen Zeit in die Informationsbeschaffung investieren. "Manchmal machen hohe Folgekosten einen günstigen Anschaffungspreis teuer", warnt Tryba. Beispielsweise, weil elektronische Geräte hohen Strom verbrauchen. Wenn man sich für eine Sache entschieden hat, dann sollte man die Preise vergleichen. Möglicherweise findet man noch einen Rabattgutschein im Netz. "Aber niemals nur kaufen, weil man einen 20-Prozent-Coupon vom Händler hat", mahnt Verbraucherschützer Tryba.

Stand: 14.01.2016, 00:00