Teure Immobilienkredite: Geld sparen durch den "Widerrufs-Joker"

Teure Immobilienkredite: Geld sparen durch den "Widerrufs-Joker"

Wer einen alten Immobilienkredit zu günstigeren Konditionen umschichten will, muss seiner Bank eine Entschädigung zahlen. Es sei denn, man hat ihn über seine Widerrufsrechte nicht richtig informiert. Dann kommt man auch aus teuren Verträgen raus.

Gefangen in Altverträgen mit hohen Zinsen

Kündigt ein Kunde seinen Hauskredit vorzeitig, entgehen dem Kreditgeber Zinsgewinne. Dagegen sichern sich Banken und Sparkassen ab, indem sie eine Vorfälligkeitsentschädigung vereinbaren. Diese fallen in der Regel so üppig aus, dass sich für den Kunden ein Wechsel nicht lohnt - selbst wenn er heute ein Immobiliendarlehen zu deutlich niedrigeren Zinsen abschließen kann. Eine Möglichkeit die horrende Vorfälligkeit zu umgehen, ist der sogenannte Widerrufs-Joker, der in der aktuellen Niedrigzinsphase mehrere Tausend Euro bringen kann.

Was ist der Widerrufs-Joker?

Viele Widerrufsbelehrungen bei Immobilienkrediten aus den Jahren 2002 bis 2010 sind fehlerhaft. Die Verbraucherzentrale NRW hat mehr als 600 Vertrage geprüft und bei mehr als zwei Drittel der Darlehen festgestellt, dass die Kunden nicht korrekt belehrt wurden. Mögliche Folge: Der gesetzliche Widerruf könnte nicht nur - wie üblich - innerhalb 14 Tagen ausgeübt werden, sondern unbefristet. Damit hätte der Bankkunde die Chance, aus seinem aktuell teuren Darlehen auszusteigen und ein günstigeres abzuschließen. Der Widerrufs-Joker kann laut Verbraucherzentrale NRW in der aktuellen Niedrigzinsphase Tausende Euros bringen.

Wie prüfe ich, ob ich meinen Vertrag widerrufen kann?

Sinnvoll ist ein Widerruf nur bei Kreditverträgen, die nach dem 2. November 2002 geschlossen und noch eine längere Zinsbindung unterliegen. Bei Verträgen die nach 2010 abgeschlossen worden, sind die Erfolgsaussichten schlechter. Die Verbraucherzentralen bieten für 70 Euro eine erste Prüfung an, ob der Widerrufsbelehrung fehlerhaft ist und somit der Vertrag für einen Widerruf in Frage kommt.

Eine Grafik, die eine falsche Wiederrufsbelehrung zeigt.

Sinnvoll ist eine Prüfung bei Verträgen, die zwischen 2002 und 2010 abgeschlossen wurden.

Rechtlichen Beistand einholen

Erfahrungsgemäß akzeptieren die Banken einen Widerruf nicht so einfach. Wer sein Recht durchsetzen will, benötigt einen Anwalt und muss vor Gericht gehen. Das ist jedoch teuer. Die Verbraucherzentrale NRW beziffert die Gerichtskosten für ein Restdarlehen von 130.000 Euro mit 13.000 Euro. Oft greift die Rechtsschutzversicherung nicht, weil diese Streitigkeiten aus der Finanzierung eines Neubaus in der Regel ausschließen. Daher sollte man sich vorher genau überlegen, ob sich die Kosten für den Anwalt auch lohnen.

Problem: Anschlussfinanzierung

Wer den Widerrufs-Joker ausspielt, sollte eine Anschlussfinanzierung in der Tasche haben. Lässt sich die Bank auf den Widerruf ein, muss die ausstehende Kreditsumme innerhalb von 30 Tagen zurückgezahlt werden. Liegen die Mittel nicht vor, droht die Zwangsversteigerung von Haus oder Wohnung. Deshalb muss man sich vor dem Widerruf ein günstiges Alternativangebot sichern. Und laut Verbraucherzentrale NRW verweigern einige Kreditinstitute ein neues Darlehen, wenn sie erfahren, dass der Altvertrag durch Widerruf aufgelöst wurde. Daher sollten Kreditnehmer berücksichtigen, dass sie möglicherweise mehrere Angebote einholen müssen.

Unterschiedliche Reaktionen der Banken

Die Erfahrungen der Verbraucherzentrale zeigen, dass die Banken auf einen Widerruf sehr unterschiedlich reagieren. Von Schweigen über Widerstand bis zu Kulanz ist alles dabei. Einige Institute streben grundsätzlich einen Prozess an, andere einigen sich auf einen Vergleich mit dem Kunden und es gibt sogar Banken, die nach angedrohtem Widerruf den Kunden deutlich günstigere Konditionen für das bestehende Darlehen angeboten haben.

Vorfälligkeitsentschädigung bei abgewickelten Verträgen

Auch wer in der Vergangenheit eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung zahlen musste, kann seinem Vertrag unter Umständen noch nachträglich widersprechen - auch wenn dieser Vertrag schon längst abgewickelt ist. Ist der Widerspruch erfolgreich, dann bekommt der Kunde die gezahlten Vorfälligkeitszinsen zurück.

Gesetzgeber will Widerspruchs-Lücke schließen

Im März 2016 eilt wohl der Gesetzgeber den Banken mit dem neuen Wohnimmobilien-Kreditgesetz zur Hilfe. Demnach soll der Widerruf auch bei einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung nur noch befristet zugelassen werden. Diese Frist soll auch für Altverträge gelten.

Stand: 08.06.2016, 13:56