Wärmflaschen im Labortest

Blei und Cadmium in Produkten für Kinder

Wärmflaschen im Labortest

Von Klaus Brock

Wärmflaschen mit niedlichen Stoffüberzügen sollen gezielt Kinder ansprechen. Aber tun Eltern ihren Kindern einen Gefallen, wenn sie ihnen solche Wärmflaschen ins Bettchen legen? Unser Labortest brachte erschreckende Ergebnisse.

Testprodukte

  • Hugo Frosch Klassik Blau (Preis: 6,50 Euro, Füllmenge: 1,8l, Hersteller: Hugo Frosch)
  • Fashy (Preis: 9,25 Euro, Füllmenge: 2,0l, Hersteller: Fashy)
  • Sänger Naturgummi (Preis: 4,19 Euro, Füllmenge: 0,8l, Hersteller: Sänger)
  • Spiegelburg "Mein kleiner Ponyhof" (Preis: 9,95 Euro, Füllmenge: 0,5l, Hersteller: Spiegelburg)
  • Nici Pony Kapoony (Preis: 19,99 Euro, Füllmenge: 0,5l, Hersteller: NICI GmbH)

Die Alltagstauglichkeit

Wie lange bleiben die Wärmflaschen warm? Und wie gut ist die Handhabung? Dafür füllen wir in alle Flaschen Wasser mit der gleichen Temperatur. Direkt nach dem Einfüllen messen wir die Temperatur an der Oberfläche der Flaschen: Das Ergebnis schwankt zwischen 29,9 und 35,3 Grad Celsius. Der Grund: Die Plüschüberzüge bei den beiden Kinderwärmflaschen isolieren zusätzlich. Ein Pluspunkt, denn die Kinderwärmflaschen sollen ja nicht zu heiß werden.

Nach einer Stunde in der kalten Umgebung die zweite Messung: Inzwischen sind die Flaschen nur noch zwischen 16,4 und 21, 2 Grad Celsius warm. Besonders stark ist die Fashy-Flasche abgekühlt: Fast 16 Grad, das bedeutet Punktabzug.

Tipp: Wärmflaschen sollten nur etwa zu zwei Dritteln gefüllt werden. Das Wasser sollte nicht mehr kochen - Ärzte empfehlen eine Temperatur von maximal 47 Grad Celsius, bei Kindern nur 40 Grad Celsius.

Wärmemessung

Erster Test: Wie lange bleiben die Wärmflaschen warm?"

Schockierende Labor-Ergebnisse

Im Labor haben wir die Wärmflaschen auf bedenkliche Inhaltsstoffe überprüfen lassen. Das Ergebnis: Die Wärmflaschen von Fashy und Hugo Frosch sind unbedenklich. Bei der Wärmflasche von Sänger fallen dagegen sogenannte „polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe“, kurz PAK, auf.

Doch vor allem das Resultat der Kinderwärmflaschen schockiert Laborleiterin Petra Lau: In beiden hat das Labor Schadstoffe in erheblicher Menge gefunden. „Ich hätte niemals damit gerechnet, dass gerade die Kinder-Flaschen so hohe Belastungen aufweisen“, so Lau. Bei der Kinderwärmflasche von Nici hat das Labor Blei-Werte festgestellt, die über dem Grenzwert der Spielzeugverordnung liegen. Zwar gilt eine Kinderwärmflasche juristisch gesehen nicht als Spielzeug - in der Praxis dürfte ein Kleinkind aber kaum zwischen einem Medizin-Produkt und einem Spielzeug unterscheiden und die Wärmflasche möglicherweise auch in den Mund nehmen.

Spiegelburg-Flasche “nicht mehr verkehrsfähig“

Noch verheerender die Labor-Ergebnisse der anderen Kinderwärmflasche im Test: „Die Wärmflasche der Firma Spiegelburg würde ich fast als Sondermüll bezeichnen“, so Lau. Das Schwermetall Cadmium liege weit über den EU-Grenzwerten. „Die Wärmflasche von Spiegelburg enthält Schadstoffe in so einem hohen Maße, enthält auch Schadstoffe, die verboten sind in der Europäischen Gemeinschaft“, erläutert Lau. „Die müsste auf jeden Fall vom Markt gezogen werden, weil sie einfach nicht mehr verkehrsfähig ist.“

Auch PAK seien nachweisbar: „Die PAK, die im hohen Grad vorhanden sind, neigen dazu, über die Haut übertragen zu werden und sind krebserregend", so Lau. Der Überzug der Flasche biete dabei keinen Schutz, da die PAK flüchtig seien und durch den Stoff diffundierten. Sie selbst würde „die Wärmflasche nicht mal mit bloßen Händen anfassen“. Denn schon ein kurzer Hautkontakt könne gefährlich sein, meinen Experten.

Wir holen uns eine zweite Meinung und schicken die Ergebnisse der Spiegelburg-Wärmflasche dem Kinderarzt und Umweltmediziner Karl Ernst von Mühlendahl, der in Osnabrück das Informationsportal „kinderumwelt.de“ betreibt. Seine Antwort: "Aus präventivmedizinischer Sicht würde ich explizit von dieser Wärmflasche abraten."

Hersteller vom Ergebnis überrascht

Wir konfrontieren den Coppenrath-Verlag, zu dem die Marke Spiegelburg gehört, mit diesen Ergebnissen. Der zeigt sich „überzeugt, dass unser Produkt keine gesundheitsgefährdenden Stoffe enthält" – will aber trotzdem neue Produkttests in Auftrag geben.

Auch für Nici, den Hersteller der zweiten Kinderwärmflasche mit erhöhten Schadstoffwerten, sind die Ergebnisse unerklärlich. "Wir haben diese Naturkautschuk-Flasche immer noch im Programm und sie wird bei jeder neuen Order von einem unabhängigem Labor getestet", teilt das Unternehmen mit.

Ergebnisse zum Test : Wärmflaschen

Zu viele Schadstoffe: Die beiden Kinderwärmflaschen sind im Test durchgefallen.

Alternative zur Wärmflasche: Körner- oder Kernkissen

Wem mit Wasser gefüllte Wärmflaschen in der Anwendung zu umständlich sind, findet im Handel zahlreiche Alternativen. Die Anbieter setzen dabei auf Rapssamen, Dinkelspelzen, Traubenkerne oder Kirschkerne. Allerdings wärmen Kissen mit Kern- oder Körnerfüllung nicht so lange wie die mit heißem Wasser gefüllten Flaschen.

Kernkissen: Kissen mit einer Füllung aus gereinigten und getrockneten Kernen sind unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Schimmel. Beim Bezug auf nicht gefärbte Baumwolle achten, damit die Gefahr problematischer Inhaltsstoffe minimiert wird.

Körnerkissen: Passen sich gut dem menschlichen Körper an. Vorsicht beim Erhitzen in der Mikrowelle – werden die Körner zu heiß, können sie sich selbst entzünden. Außerdem sind Körnerkissen anfälliger für krankmachende Schimmelpilze. Die Kissen deshalb gut lüften und trocken halten.

Stand: 16.02.2016, 11:23