Fitnessstudio: Umzug ist kein Grund für Kündigung

Fitnessstudio: Umzug ist kein Grund für Kündigung

Ein berufsbedingter Umzug rechtfertigt keine außerordentliche Kündigung des Fitnessstudios. Das hat der Bundesgerichtshof heute entschieden.

Ein "bloßer Wohnsitzwechsel" rechtfertige keine Kündigung - im Gegensatz zu ernster Krankheit und Schwangerschaft, stellten die Richter klar. Ein Umzug, so heißt es in der Begründung der Entscheidung, liege aller Regel "in der Sphäre des Kunden" und sei damit auch von ihm beeinflussbar. Bei der geforderten Summe bestehe auch keine unzumutbar hohe Belastung, so dass auch der Preis keinen Grund für eine außerordentliche Kündigung darstelle.

In Karlsruhe war der Fall eines Zeitsoldaten aus Hannover verhandelt worden, der seinen Vertrag bei einem Studio zehn Monate vor Ablauf der Laufzeit kündigen wollte, weil er zunächst nach Köln und dann nach Rostock abkommandiert wurde. Das Studio verklagte den Soldaten auf Zahlung von rund 720 Euro Gebühren. Vor dem Amtsgericht hatten die Betreiber des Studios zunächst keinen Erfolg mit ihrer Klage, beim Landgericht Hannover gewannen sie. Doch der Soldat wollte nicht klein beigeben und zog nach Karlsruhe - und steckte hier erneut eine Niederlage ein.

Andere Rechtslage als bei DSL-Verträgen

"Angesichts von neun bis zehn Millionen Fitnessverträgen in Deutschland ist das eine Frage, die grundsätzlich geklärt werden muss", hatte der Anwalt des Zeitsoldaten am Mittwoch (04.05.2016) am Rande der mündlichen Verhandlung in Karlsruhe gesagt. Es sei nicht einzusehen, dass der Verbraucher bei einem Umzug für den DSL-Anschluss ein Sonderkündigungsrecht habe, der Nutzer eines Fitnessstudios aber nicht. In einem früheren Fall hatte ein anderer Senat des BGH entschieden, dass auch ein Internet-Vertrag nicht vorzeitig wegen eines Umzugs gekündigt werden könne. Hierauf hatte der Gesetzgeber aber mit einer Gesetzesreform reagiert. Diese Änderung der Gesetzeslage sei allerdings nicht auf Verträge mit Fitness-Studios übertragbar, entschied der BGH.

Der Arbeitgeberverband für die Fitness-Wirtschaft DSSV, der bundesweit jedes dritte der rund 8.300 deutschen Fitness-Studios vertritt, begrüßte die Entscheidung und sprach von Rechtssicherheit.

Kündigung von Fitnessstudio-Verträgen

"Langfristige Studio-Verträge können teuer werden", kommentierte eine Gerichtssprecherin das Urteil. Denn beim Abschluss eines Fitnessstudio-Vertrags sind Laufzeiten von sechs, zwölf oder auch 24 Monaten Laufzeit üblich. Ein Vertrag mit zweijähriger Laufzeit ist auf den ersten Blick preislich häufig günstiger als ein Ein-Jahres-Vertrag – bindet aber auch länger. Wenn die Motivation nach einigen Wochen nachlässt, bereuen viele ihre lange Mitgliedschaft - ein Blick ins Kleingedruckte lohnt sich also. Eine ordentliche Kündigung ist während der Vertragslaufzeit nicht möglich. Bei der Kündigung zum Vertragsende müssen die Küdigungsfristen beachtet werden. In der Regel liegen die zwischen 14 Tagen und drei Monaten. Achtung: Sind längere Fristen im Vertrag vereinbart, könnte eine solche Klausel unwirksam sein.

Außerordentliche Kündigungen:

In Betracht kommen aber auch außerordentliche Kündigungen - nämlich dann, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Grundsätzlich gilt: Ein solcher Grund liegt vor, wenn nach Abwägung aller Interessen eine Fortführung des Vertrags nicht zumutbar wäre.

  • Kündigung wegen Krankheit: Eine außerordentliche Kündigung ist möglich, wenn durch eine Erkrankung es dauerhaft und objektiv nicht möglich ist, die vereinbarten Leistungen des Studios zu nutzen. Das Fitnessstudio darf ein Attest verlangen.
  • Kündigung wegen Schwangerschaft: Eine Schwangerschaft kann, muss aber nicht automatisch zur außerordentlichen Kündigung berechtigen. Mit einem Attest des Arztes kann der Vertrag pausiert oder außerordentlich gekündigt werden.

Tipps, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben:

  • Vereinbaren Sie ein Probetraining, bevor Sie einen Vertrag abschließen.
  • Lesen Sie vor dem Abschluss gründlich den Vertragstext und vor allem die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB).
  • Bestehen Sie darauf, dass gegebenenfalls zusätzliche mündliche Vereinbarungen in dem Vertrag schriftlich fixiert werden.
  • Vergewissern Sie sich, ob es sich um einen Vertrag mit fester Laufzeit handelt, der automatisch endet: Meistens werden die Verträge automatisch um bis zu 12 Monaten verlängert.
  • Beachten Sie die Kündigungsfrist! Eine ordentliche Kündigung sollte meistens drei Monate vor Vertragsende eingereicht werden.
  • Tipp: Wählen Sie zunächst eine kürzere Vertragslaufzeit, auch wenn das monatlich mehr kostet. Wenn Sie sich langfristig binden, müssen Sie auch genauso lange zahlen, egal, ob sie trainieren oder nicht.

Stand: 04.05.2016, 16:39