Was ist erlaubt, was hilft wirklich?

Eine Situation aus einem Selbstverteidigungskurs.

Selbstverteidigung

Was ist erlaubt, was hilft wirklich?

Von Michael Westerhoff

Nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln gibt es einen Ansturm auf Selbstverteidigungskurse und Waffenläden. Hier die wichtigsten Tipps wie man sich am besten schützen kann.

Selbstverteidigungskurse

Fitness- und Kampfsportstudios in NRW bieten im Moment wegen der großen Nachfrage vermehrt Selbstverteidigungskurse an. Auch Polizeisportvereine haben solche Seminare im Angebot. Die Teilnehmer lernen beispielsweise, dass eine körperliche Auseinandersetzung mit dem Täter das letzte Mittel ist. Vorher sollte man versuchen wegzulaufen oder sich zu verstecken. Für extreme Notfälle werden in den Kursen gezielte Schläge auf die Luftröhre und Tritte in die Genitalien gelehrt. Die Trainer erklären ihren Teilnehmern zudem wie sie einen Kugelschreiber oder einen Regenschirm als Waffe verwenden können, wenn sie angegriffen werden.

Alarm-Geräte

Wer besonders laut Krach macht, kann Täter damit in die Flucht schlagen oder andere Passanten auf die eigene Notlage aufmerksam machen. Das einfachste Mittel: Eine Trillerpfeife. Es gibt aber auch modernere Varianten, beispielsweise ein Pieper, der sich an der Handtasche oder am Schlüsselbund befestigen lässt. Nachteil: Diese Geräte benötigen in der Regel Batterien, man sollte also regelmäßig überprüfen, ob die Batterien noch voll sind. Eine Alternative sind Fläschchen, die sich "Schrillalarm" nennen. Wer auf die Flasche drückt, erzeugt einen ohrenbetäubenden Pfeifton, der so laut und schrill ist, dass der Täter für ein paar Sekunden nichts hört. Das gibt eventuell Zeit, um aus der unangenehmen Situation zu fliehen.

Pfefferspray

Viele kaufen sich im Moment Pfefferspray. Waffenhändler warnen jedoch vor dem unsachgemäßen Umgang. Es besteht die Gefahr, sich selbst zu verletzen. Zudem könnte der Täter das Spray erbeuten und dann gegen sein Opfer richten. Wer sich trotzdem für Spray oder alternativ Pfeffer-Gel entscheidet, sollte es nicht irgendwo in der (Hand-)Tasche verstecken, sondern an gefährlichen Orten griffbereit halten. Dabei sollte die Käufer auf die Größe der Flasche achten. Kleine Flaschen sind nach zwei, drei Sekunden leer. Die helfen nicht. Zum richtigen Umgang mit Pfefferspray bieten zahlreiche Studios für Kampfsport Kurse an. Pfefferspray darf offiziell nur gegen Tiere eingesetzt werden. Ein Angriff mit Pfefferspray gilt als gefährliche Körperverletzung, weil es beim Angreifer Gesundheitsschäden verursachen kann. Die Verwendung in einer Notwehrsituation ist nicht strafbar.

CS-Gas
Die Alternative zum Pfefferspray. Sorgt auch für tränende Augen beim Angreifer, deshalb ist es auch unter dem Namen "Tränengas" bekannt. CS-Gas ist nicht ganz so stark wie Pfefferspray, das sich stärker auf die Atemweg auswirkt. Grundsätzlich gilt aber dieselbe Warnung: Wer CS-Gas verwendet, sollte wissen wie er damit umgeht.

Jemand hält eine Spühdose mit Pfefferspray in der Hand

Abwehrsprays mit der Kennzeichnung „Tierabwehrspray” dürfen in Deutschland von jedem erworben, besessen und auch geführt werden.

Gaspistole

Für eine Gaspistole ist ein so genannter "kleiner Waffenschein", den jede Polizeidienststelle ausstellt, notwendig. Wer ihn beantragt, muss nachweisen, dass er verantwortungsvoll mit einer Waffe umgehen kann. Der Antragsteller darf beispielsweise nicht vorbestraft sein. Polizei und einige Waffenhändler raten jedoch vom Kauf einer Gaspistole ab. Wer nicht mit der Waffe umgehen kann, könnte Opfer seiner eigenen Pistole werden. Es besteht die Gefahr, sich selbst zu verletzten. Zudem könnte der Täter die Waffe entwenden. Hat der Täter selbst eine Waffe, kann dies leicht zur Eskalation führen. Wer sich trotzdem für den Kauf einer Gaspistole entscheidet, kann beim örtlichen Schützenverein oder bei einem Sportschützen-Club fragen, ob er auf deren Anlage den Umgang mit der Waffe trainieren kann.

Waffe kein Mittel gegen Gewalt

Sich bewaffnet in der Öffentlichkeit zu bewegen, ist allerdings kein Garant dafür, nicht angegriffen zu werden, gibt Dortmunds Polizeisprecherin Nina Vogt zu bedenken. Gerade in einer Stresssituation sei die Reaktion des Gegenübers schwer einzuschätzen. "Und niemand weiß, ob die andere Person nicht eine scharfe Waffe dabei hat", sagte Vogt. Solche Situationen könnten schnell eskalieren. Die Polizei Dortmund warnt daher davor, in Aktionismus zu verfallen. Der Kleine Waffenschein sei kein Allheilmittel.

Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Hans Scholzen, Waffenrechtsexperte und Präsident des Verbands Deutscher Sportschützen, sieht das wachsende Interesse am Kleinen Waffenschein ebenfalls kritisch. "Schießen darf man damit - außer im Falle der Notwehr - in der Öffentlichkeit ohnehin nicht", sagte er. Dies sei nur in Schießstätten, in der eigenen Wohnung oder in den eigenen Geschäftsräumen gestattet. Auch bei öffentlichen Veranstaltungen wie Fußballspielen oder im Theater dürfe die Waffe nicht mitgeführt werden. Diese Regel gelte auch an Silvester.

Stand: 21.01.2016, 00:00