Gerangel um die Sommerferien

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Gerangel um die Sommerferien

Besonders in vielen Familien mit schulpflichtigen Kindern wird jetzt schon der Sommerurlaub geplant. Dabei stellt sich oft die Frage: Habe ich ein Anrecht auf drei Wochen Urlaub in den Sommerferien? Und: Bis wann müssen Urlaubstage genommen werden, die noch aus dem Jahr 2015 "übrig" sind?

Wie viel Urlaub steht einem Arbeitnehmer zu?

Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt bei einer 5-Tage-Woche 20 Arbeitstage. Der Urlaub steht jedem Arbeitnehmer zu, der länger als 6 Monate beim Unternehmen beschäftigt ist, auch Teilzeitbeschäftigten und Aushilfen. Wer weniger arbeitet – zum Beispiel in Teilzeit oder einen Minijob hat – der hat aber nur Anspruch auf entsprechend weniger Urlaubstage. So schrumpft der gesetzliche Urlaubsanspruch bei Arbeitnehmern, die nur zwei Tage in der Woche arbeiten, auf acht Tage im Jahr. Allerdings gehen die meisten Arbeits- und Tarifverträge über diesen gesetzlichen Urlaubsanspruch hinaus.

Wer entscheidet, wann wer Urlaub nehmen darf?

Das letzte Wort hat der Chef oder die Chefin. Wenn in der Firma dringende betriebliche Belange dagegen sprechen (zum Beispiel ein Personalengpass), kann der Urlaubswunsch auch abgelehnt werden. In einem Saisonbetrieb kann der Urlaubswunsch während der Saison ebenso verweigert werden wie außerhalb von Betriebsferien. Bei der Entscheidung, welcher Mitarbeiter wann in Urlaub darf, muss der Chef soziale Gesichtspunkte berücksichtigen. Wer zum Beispiel Kinder im schulpflichtigen Alter hat, darf bevorzugt in den Schulferien wegfahren. Hat der Chef den Urlaub einmal festgelegt bzw. genehmigt, ist er daran gebunden. Er kann den Arbeitnehmer nicht zwingen, den Urlaub abzubrechen oder zwischendurch zurückzukommen. Eine Änderung der zeitlichen Festlegung ist nur unter besonderen Voraussetzungen möglich, etwa in Notfällen.

Darf der Arbeitnehmer seinen Urlaub auch für das nächste Jahr aufsparen?

Nein, der Urlaub muss bis zum 31.12. des Jahres oder spätestens bis zum 31.03.des Folgejahres genommen werden. Anderenfalls verfällt er. Eine Übertragung des Urlaubs auf das Folgejahr bis zum 31.03. kommt nur in Betracht, wenn der Urlaub während des Jahres aus dringenden betrieblichen Gründen nicht genommen werden konnte. Oder wenn der Arbeitnehmer bis Ende des Kalenderjahres erkrankt war. Wird er vor dem 31.12. des Kalenderjahres wieder gesund, muss er den Urlaub in der verbleibenden Zeit nehmen. Soweit das Gesetz.

Was gilt bei einer langen Krankheit?

Kann ein Arbeitnehmer den Urlaub nicht nehmen, weil er lange krank war und das Arbeitsverhältnis noch während der Krankheit beendet wurde, muss der Urlaub bis zu einer gewissen Grenze (18 Monate) ausbezahlt werden. So hat das Bundesarbeitsgericht entschieden. Die Begründung: Urlaubsansprüche erlöschen nicht durch Krankheit. Auch wenn der Mitarbeiter deshalb den Urlaub nicht bis Ende März nehmen kann oder seine Arbeitsstelle ganz verliert.

Verfällt der Urlaubsanspruch bei einer Kündigung?

Scheidet ein Arbeitnehmer im laufenden Urlaubsjahr aus dem Arbeitsverhältnis aus, gilt folgendes: Bei Ausscheiden vor Erfüllung der Wartezeit (6 Monate) oder in der ersten Jahreshälfte erhält der Arbeitnehmer Teilurlaub in Höhe eines Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat, den er in dem Betrieb beschäftigt war. Scheidet der Arbeitnehmer nach erfüllter Wartezeit in der zweiten Jahreshälfte aus, behält er seinen vollen (gesetzlichen) Urlaubsanspruch. Das gilt aber nur für die Berufsgruppen, für die es keinen Tarifvertrag gibt. Tarifverträge können hier abweichende Regelungen vorsehen.

Stand: 12.01.2016, 00:00