So vermeiden Sie die Fallen!

Hotelbuchung im Internet

So vermeiden Sie die Fallen!

Von Tobias Spelz

Wer im Internet nach Hotels sucht, landet meistens auf einem der zahlreichen praktischen Hotelportalen. Doch denen sollte man nicht blind vertrauen. Wir zeigen Ihnen die drei gängigsten Fallen bei der Hotelbuchung im Internet.

1. Die Rabatt-Falle
Werbung mit durchgestrichenen Preisen

Viele Hotelportale werben mit unglaublichen Rabatten und Schnäppchenpreisen. Diese stellen sie gerne einem durchgestrichenen Preis gegenüber. In Stichproben überprüfte die Servicezeit diese Rabatte verschiedener Anbieter, zum Beispiel von „booking.com", „ehotel.de", „hotels.com" oder „agoda.com". Es stellte sich heraus: In den meisten Fällen gab es den rabattierten Preis exakt so auch bei dem Hotel, teilweise sogar günstiger! Von den angeblich höheren Preisen konnten wir bei unseren Stichproben auf der Hotelseite nichts lesen.

Das Bild zeigt eine Preisvergünstigung: Preis vorher und Preis nachher.

Die Rabatt-Falle: Werbung mit durchgestrichenen Preisen.

Was ist ein Standardpreis?

Einige Anbieter wie „agoda.com" oder „hotels.com" verweisen darauf, dass sich der durchgestrichene Preis auf den „Standardpreis“ beziehe oder die „Standardrate“ des Hotels sei. Das Portal „Ehotel.de" machte auf der Homepage bislang überhaupt keine Angaben, worauf sich dieser Preis bezieht. Auf Servicezeit-Anfrage ist dies nun transparenter: Auch hier wird nun der durchgestrichene zum „Standardpreis“ erklärt. „Booking.com" erläutert in einem längeren Text, dass sich der Rabatt auf den dritthöchsten Hotel-Preis innerhalb von 30 Tagen um das Anreisedatum herum bezieht.

Laut Reiserechtsexperte Hans-Josef Vogel macht die Werbung mit durchgestrichenen Preisen bei Hotels keinen Sinn, da Hotelpreise von Natur aus stark schwanken. Für den Kunden sei es oft nicht nachvollziehbar, wie ein Standardpreis zustande kommt. Denn wenn sich dieser auf einen Preis zu Messezeiten oder besonderen Events (zum Beispiel Oktoberfest in München) bezieht, ist dies „standardmäßig" teurer. Ein solcher Referenzwert biete für den Kunden schlichtweg keine sinnvolle Orientierung.

Servicezeit vom 15.09.2015

Tipp: Lassen Sie sich auf den Portalen nicht von durchgestrichenen Preisen und Rabatten blenden. Achten Sie lieber darauf, ob Ihnen die angebotenen Leistungen den zu zahlenden Preis wert sind.

2. Die Zeitdruck-Falle
Angebote zeitlich begrenzt?

Viele suchen vor der Buchung oft mehrere Seiten und Portale auf, um die Angebote vergleichen zu können. Besonders lange soll den Kunden hierfür allerdings keine Zeit gelassen werden. Gern verwenden die Portale deshalb Formulierungen wie „Rabatt heute“ oder „heutiges Schnäppchen“. Bei Stichproben der Servicezeit - unter anderem beim Anbieter „booking.com" - kam allerdings heraus, dass solche Angebote auch noch an weiteren Tagen problemlos zu buchen waren - und das „heute“ eben auch noch morgen oder nächste Woche gelten kann.

Das Bild zeigt ein Bild, auf dem in Großbuchstaben und rot hinterlegt steht: "Heute 35 Prozent Rabatt".

Die Zeitdruck-Falle, die erste: zeitlich begrenzte Angebote.

Scheinbare Verknappung

Auch die Verknappung ist ein beliebtes Marketinginstrument der Anbieter, besonders im Online-Bereich. Dies hatten Anfang September auch Recherchen vom NDR beim Online-Händler Zalando ergeben. Bei Stichproben der Servicezeit bei verschiedenen Hotelportalen war das Ergebnis ähnlich. So versehen einige Portale ihre Angebote mit dem Zusatz: „Nur noch 1 Zimmer verfügbar“. Bei einem Angebot des Portals HRS ergab sich allerdings, dass im Hotel noch 14 Zimmer telefonisch buchbar waren. HRS antwortete auf unsere Anfrage, dass im Rahmen der aktuellen Diskussion die Formulierung geändert werden solle. „Booking.com" hatte bereits vor zwei Jahren reagiert, als die bisherige Formulierung gerichtlich beanstandet wurde. Nun schreibt „booking.com": „Nur noch 1 Zimmer auf unserer Seite verfügbar“. Der Anbieter „hotel.de" verwendet weiter die intransparente Formulierung „Nur noch 1 Zimmer verfügbar“, hier läuft bereits ein Klageverfahren der Wettbewerbszentrale.

Tipp: Ruhe bewahren! Schnäppchen müssen nicht nur an dem Tag zu haben sein. Auch die Begrenzung der Zimmer bedeutet nicht zwangsläufig, dass es keine Zimmer mehr beim Hotel gibt, da sich die Begrenzungen immer nur auf das Portal beziehen.

Das Bild zeigt eine Übersicht auf einem Hotelbuchungsportal, bei dem angegebn ist, dass es nur noch zwei freie Zimmer gibt.

Die Zeitdruck-Falle, die zweite: Scheinbare Verknappung.

3. Die Ranking-Falle

Viele Online-Portale nutzen bei der Auswahl der angezeigten Angebote eine voreingestellte Trefferliste. Diese sind zum Beispiel versehen mit Vermerken wie „Empfehlung“ oder „Bestseller“. Doch wie objektiv und unabhängig sind solche Ranglisten wirklich? Einige Portale haben auf Servicezeit-Anfrage geschrieben, dass sich diese auf Algorithmen stützen, die qualitative Faktoren einbeziehen. Laut Hans-Josef Vogel kann es allerdings sein, dass einer der Faktoren auch die Höhe der Provision sein kann, die ein Hotel an das Portal zahlt. Bedeutet: Je höher die Provision, desto höher das Ranking.

Tipp: Die Trefferlisten lassen sich umstellen. Zum Beispiel auf den günstigsten Preis, oder auch auf die Gästebewertungen. Vorteil bei vielen Portalen: Man kann die Hotels nur bewerten, wenn man auch wirklich im Hotel übernachtet hat. Das macht die Bewertungen aussagekräftiger.

Stand: 15.09.2015, 09:00