Superfoods: Das steckt hinter Goji, Chia und Co.?

Superfoods: Das steckt hinter Goji, Chia und Co.?

Von Philipp Wasmund

Exotische Lebensmittel, die gegen Krankheiten helfen und uns besonders fit machen? Sogenannte Superfoods gibt es inzwischen auch in Discountern und Drogerien. Was ist dran an Chia-Samen, Açai- oder Gojibeeren?

Oxidativer Stress

Eines der großen Superfoods-Versprechen ist der Schutz vor „oxidativem Stress“. Während des Stoffwechsels bilden sich in unserem Körper freie Radikale, die unser Immunsystem unterstützen. Aber nur, solange es nicht zu viele werden. Rauchen, Alkohol, Stress oder falsche Ernährung können dazu führen, dass die freien Radikale überhand nehmen. Dies wird als oxidativer Stress bezeichnet. Die Folgen sind zum Beispiel schnellere Hautalterung und Gefäßverkalkung. 

Das Bild zeigt eine Grafik, auf der schlechte Einflüsse für den menschlichen Körper veranschaulicht sind: Zigaretten, Alkohol, Fast-Food und Stress.

Eines der großen Superfoods-Versprechen ist der Schutz vor „oxidativem Stress“.

Antioxidantien wie Vitamine oder Spurenelemente helfen, dem oxidativen Stress entgegenzuwirken. Superfoods enthalten viele Antioxidantien, welche die überzähligen freien Radikale unschädlich machen, also den oxidativen Stress bekämpfen. Doch es ist nicht eindeutig erwiesen,  wie viel der guten Stoffe im Körper wirklich ankommt. Insbesondere bei verarbeiteten Superfoods sollte man keine Wunderdinge erwarten.

Chia-Samen: Das Superprodukt der Maya?

Besonders beliebt sind derzeit Chia-Samen aus Südamerika. Sie wurden angeblich bereits von den  Maya gegessen. Tatsächlich sind sie reich an Ballaststoffen, an Omega-3-Fettsäuren und an Kalium. Da sie aufquellen und dadurch schnell sattmachen, werden sie gerne genutzt, um beim Abnehmen zu helfen, zum Beispiel als Zusatz im Müsli oder in Smoothies.

Oft wird auch suggeriert, dass sie auch gegen Gelenkschmerzen und Sodbrennen helfen und ein gesundes Hautbild schaffen. Diese Effekte sind jedoch nicht belegt und umstritten.

Laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit soll man nicht mehr als 15 Gramm Chia-Samen am Tag zu sich nehmen. Grund: Es gibt noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Erfahrungswerte und Studien, wie der Körper auf höhere Dosen, zum Beispiel durch Allergien, reagiert. Außerdem können zu große Mengen den Darm überfordern. Hält man sich an die Vorgaben, verpufft der hohe Kaliumwert aber fast wieder. Eine große Banane hat deutlich mehr Kalium als zwei Esslöffel Chia-Samen.

Das Bild zeigt einige Suoerfoods.

Sogenannte Superfoods sind in den Biomärkten schon länger im Sortiment zu finden, inzwischen ziehen auch die Discounter und Drogerien nach.

Insgesamt sind Chia-Samen ein sehr gesundes Lebensmittel. Aber Leinsamen beispielsweise stehen ihnen in Nichts nach und sind eine kostengünstige Alternative. Leinsamen kosten im Vergleich zu Chia-Samen gut zehnmal weniger.

Goji und Açaí - Superbeeren ohne Haken?

Beliebt bei den Nahrungsergänzungsmitteln sind seit geraumer Zeit auch die sogenannten Superbeeren. Das sind vor allem Goji- und Açaíbeeren.

Açaí-Beeren enthalten reichlich Mineralstoffe und relativ viel Calcium, nämlich rund 130 bis 310 Milligramm je 100 Gramm. Milch weist dagegen nur rund 125 Milligramm auf 100 Gramm auf. Die Fans und Hersteller der Beeren betonen vor allem ihre Fähigkeiten als Energielieferant bei Erschöpfung. Auch bei Herzproblemen und sogar bei einer Krebserkrankung sollen sie helfen. Die Hersteller bieten daher die Beeren in unterschiedlichsten Formen an. Man rührt sie unter anderem als Pulver in Getränke.

Das Bild zeigt eine Verpackung in der Acia-Beeren Extrakt drauf steht.

Die Fans und Hersteller der Beeren betonen vor allem ihre Fähigkeiten als Energielieferant bei Erschöpfung.

In Kapselform ist ihre Einnahme natürlich schnell und einfach. Doch der Preis ist bei wenigen Gramm sehr hoch und ein reines Naturprodukt ist es auch nicht mehr. So besteht der Inhalt der Kapseln oft nur zur Hälfte aus der Beere. Die andere Hälfte ist ein Mix aus Trennmitteln, Füllstoffen und Farbstoffen. Manche Packung „Superbeere“ besteht sogar zu nicht unwesentlichen Teil aus einfachen Traubenschalenkonzentrat.

Ein weiterer Haken: Der Boom um die Açaí-Beere führt dazu, dass sie meist zu früh gepflückt werden. Der höchste mögliche Gehalt an Antioxidantien wird damit oft gar nicht erreicht. Die langen Wege der meisten Superfoods sind auch kein besonders gutes Kriterium für die Ökobilanz der Lebensmittel. Goji-Beeren nehmen sehr leicht Pestizide auf und Kritiker sehen insbesondere Produkte aus China daher als problematisch an. Dabei kann man Goji-Beeren sogar recht gut in Deutschland selbst anbauen.

Wer gerinnungshemmende Medikamente nimmt, sollte überdies aufpassen: Goji-Beeren können negative Wechselwirkungen erzeugen. Darauf weist die Verbraucherzentrale NRW hin.

Fazit: Superfoods – nur eine gute Ergänzung

Ernährungswissenschaftler raten dazu, genau hinzuschauen, wenn man Superfoods kauft. Was ist drin und wo kommen sie her? Ungesund sind sie in der Regel nicht und bringen dem Körper durchaus positive Effekte. Als nette Abwechslung sind sie daher genau richtig. Doch mehr als von einheimischen Lebensmitteln sollte man von ihnen nicht erwarten. Und schon eine Portion Spitzkohl, angebaut in der Region, hat eine viel bessere Ökobilanz und deckt den täglichen Bedarf an Vitamin C komplett ab.

Stand: 05.07.2016, 11:00