Strom wird 2016 für viele Verbraucher teurer

Stromzähler

Netzentgelte und EEG-Umlage steigen

Strom wird 2016 für viele Verbraucher teurer

Die Kilowattstunde Strom wird für die meisten Haushalte im kommenden Jahr vermutlich teurer. Grund sind höhere Umlagen und steigenden Netzentgelte. Was Kunden der NRW-Konzerne E.ON und RWE erwartet, ist noch unklar.

Viele Haushalte müssen im kommenden Jahr wieder mehr Geld für Strom aufbringen, der Großteil der Versorger hat Tariferhöhungen angekündigt. Zum Stichtag im November haben laut dem Verbraucherportal "Verivox" 121 Versorger ihre Kunden über steigende Strompreise informiert. Preisänderungen müssen sechs Wochen vor Inkrafttreten den Kunden mittgeteilt werden. Im Durchschnitt kostet die Kilowattstunde künftig 2,8 Prozent mehr. Für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 4.000 kWh hat Verivox eine jährliche Mehrbelastung von 32 Euro ermittelt. Zugleich wollen 38 Versorger ihre Preise um durchschnittlich 2,3 Prozent senken.

RWE und E.ON im Auge behalten

Wer wissen will, ob er betroffen ist, muss die Post des Anbieters genau studieren. Manche Tariferhöhung sieht auf den ersten Blick wie eine normale Werbung aus. Und: Laut der Verbraucherzentrale NRW haben E.ON und RWE als Großanbieter in NRW bislang noch keine höheren Preise angekündigt. "Aber in den vergangenen zwei Jahren haben die beiden immer zum Jahreswechsel die Tarife beibehalten und erst im März geändert", sagt Udo Sieverding, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale NRW. Sollten E.ON und RWE diese Strategie beibehalten, müssten sie Mitte Januar ihren Kunden Tarifänderungen ankündigen.

Sinkende Beschaffungskosten

Damit müssen Verbraucher erneut mehr Geld für Energie aufbringen, obwohl die Beschaffungspreise an den Börsen weiter fallen. Der Handelspreis hat sich seit 2011 halbiert, weil immer mehr geförderter Ökostrom auf den Markt drängt. Gelegentlich fällt der Kurs für die Kilowattstunde sogar schon unter die Schallmauer von drei Cent. Der Verbraucher hat davon bislang wenig gespürt. Grund: Der Beschaffungspreis macht gerade einmal ein Viertel des Endpreises für den Kunden aus. Außerdem geben die Anbieter die fallenden Preise kaum an den Endkunden weiter.

Staatliche Umlagen steigen

Mehr als die Hälfte des Strompreises hat der Staat zu verantworten, weil das Geld in Umlagen und Steuern fließt: Die EEG-Umlage, die alle Stromkunden für die Finanzierung der Energiewende bezahlen müssen, steigt 2016 auf ein Rekordniveau. Sie wird von derzeit 6,170 Cent auf 6,354 Cent pro Kilowattstunde angehoben. Außerdem klettert die Offshore-Haftungsumlage, die Umlage für die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung sowie die NEV-Umlage, mit der Großverbraucher entlastet werden. Insgesamt dürften das nach Berechnungen von Verivox eine Familie rund 25 Euro im Jahr mehr kosten.

Netzentgelte werden teurer

Strom

Netzentgelte steigen

Außerdem steigt in der Stromrechnung der Posten für Netzentgelte. Ausbau und Betrieb der Stromnetze machen ein Viertel des Strom-Endpreises aus. Diese Netzentgelte verteuern sich laut Verivox im Bundesschnitt um fast vier Prozent mit sehr starken regionalen Unterschieden und Ausschlägen um teils bis zu 15 Prozent. So sind die Kosten für ländliche Regionen oft höher, weil dort der Ausbau auf weniger Haushalte verteilt werden kann.

Das Problem: Vielfach bleiben die Erhöhungen weitgehend intransparent, beklagt Verbraucherschützer Sieverding. Alle möglichen Zusatzkosten von der umstrittenen Braunkohlereserve bis zu den teuren Erdkabeln in Bayern und anderswo verschwänden unter dem Posten Netzentgelte. "Da die Berechnung aber so intransparent ist, kursieren immer Vermutungen, dass die Entgelte zu hoch sind", erklärt Sieverding.

Stromsparen und Anbieterwechsel

Das meinen auch die Grünen. Sie kritisieren, dass die Stromversorger mittlerweile die Gewinne im Netzbereich einfahren würden. "Das Gesetz lässt den Netzbetreibern größere Abrechnungsspielräume zum Schummeln, und die kontrollierende Bundesnetzagentur hat Probleme, hier hinterherzukommen", kritisiert Grünen-Politikerin Bärbel Höhn. Die Verbraucher haben auf die komplexe Preisbildung für die Netzentgelte keinen Einfluss. Sie können höheren Strompreisen nur mit den bekannten Strategien begegnen: Stromsparen und Anbieterwechseln.

Stand: 28.12.2015, 06:00