E-Transporter made in Aachen

Der weiße DHL - Streetscooter Work

E-Transporter made in Aachen

Von Nina Magoley

Alternative Antriebstechniken stehen bei der diesjährigen Internationalen Autoausstellung im Mittelpunkt. Als Erfolgsmodell made in NRW gilt längst der DHL-Streetscooter aus Aachen - den es jetzt auch als Version für private Käufer gibt.

Als leises, umweltfreundliches Elektromobil des Paketdienstes DHL kurvt der Streetscooter bereits seit drei Jahren durch verschiedene Städte. Im August stellte der Hersteller den "Streetscooter Work" vor: Nicht mehr gelb, sondern in weiß oder orange kommt der emissionsfrei fahrende Elektro-Transporter daher und ist nun auch für private Käufer erhältlich.

Privater Transporter schafft mehr als 100 Kilometer

Wahlweise als Pickup mit Ladefläche oder als Kastenwagen schafft der Kleinlaster 85 Stundenkilometer. Abhängig vom Ladegewicht reicht eine Batterieladung nach Herstellerangaben für etwa 80 Kilometer. "Das sind die Erfahrungswerte bei DHL", sagt DHL-Pressesprecher Dieter Pietruck, "unsere Autos halten allerdings rund 300 Mal pro Tag an und starten wieder neu". Handwerksbetriebe beispielsweise, die den Motor nur wenige Male am Tag neu starten, kämen höchstwahrscheinlich auch mindestens 100 Kilometer weit.

Karosserieteile werden einfach angeschraubt

Die kleinen E-Transporter seien deutlich wartungsärmer als Diesel- oder Benzinautos und der Verschleiß geringer: Die Karosserie der Autos besteht aus angeschraubten Kunststoffteilen - um Gewicht zu sparen und so die Batterien leistungsfähiger zu machen. Bei einem Unfall oder Schaden müssen daher nur die betroffenen Teile abgeschraubt und durch neue ersetzt werden, erklärt der Sprecher - "Ausbeulen oder Lackieren ist also nicht nötig".

Nordrhein-westfälische Erfolgsgeschichte

DHL Streetscooter in Bochum

"Könnt ihr uns ein einfaches Auto bauen?"

Die Entstehung des Streetscooters ist eine nordrhein-westfälische Erfolgsgeschichte: Im Jahr 2009 habe DHL bei der RWTH Aachen angefragt: "Könnt ihr uns ein einfaches, verlässliches Elektroauto für den Stadtverkehr bauen?", erzählt Sprecher Dieter Pietruck. Mehrere Autohersteller hätten zuvor bereits abgewunken. Unter der Leitung von Uni-Professor Achim Kampker machte sich eine kleine Abteilung an der Aachener Uni an die Arbeit. "Groß denken, klein anfangen" sei die Philosophie dabei gewesen, erzählt Pietruck.

Produktion soll sich im nächsten Jahr verdoppeln

Zwei Jahre später war der erste Prototyp für einen Elektrotransporter fertig, 2014 startete die Serienproduktion für DHL. Im selben Jahr kaufte DHL die kleine Startup-Firma um Uni-Professor Kampker, die sich mittlerweile "Streetscooter GmbH" nannte. Kampker blieb Geschäftsführer.

Die Nachfrage steige seitdem ständig, so der Sprecher. Bis Ende des Jahres will DHL 10.000 Fahrzeuge produziert haben, etwa die Hälfte davon für private Käufer. Im nächsten Jahr soll die Produktion auf 20.000 Autos verdoppelt werden. DHL plane die Eröffnung eines zweiten Werks.

Gefragt sei das Fahrzeug bisher besonders bei Handwerksbetrieben und Lieferdiensten. In Düsseldorf liefere eine Bäckerei ihre Ware mit dem Streetscooter aus, in Bonn fahren die Stadtwerke die kleinen E-Mobile - hier in orange - auch am Köln/Bonner Flughafen ist der Transporter im Einsatz. Ab 32.000 Euro aufwärts koste ein "Streetscooter Work" - je nach Ausstattung - abzüglich der Prämie von 4.000 Euro, die die Bundesregierung derzeit beim Kauf von Elektroautos noch zahlt.

Zweites Auto made in Aachen in Vorbereitung

Insgesamt läuft der Verkauf von Elektroautos in Deutschland allerdings schleppend - zumindest im PKW-Bereich: So waren nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts unter den insgesamt 3,4 Millionen neu zugelassenen PKW im Jahr 2016 gerade mal knapp 11.500 elektrogetrieben. Immerhin knapp 48.000 waren Hybridfahrzeuge.

Vielleicht ändert sich dieser Trend, wenn einer der Streetscooter-Erfinder, Günther Schuh, demnächst ein weiteres Zukunftsprodukt auf den Markt bringt - ebenfalls made in Aachen: Mit der Firma "e.go" entwickelt die gleichnamige Firma ein Mini-E-Auto für die Stadt, das im nächsten Jahr käuflich sein soll.

Stand: 14.09.2017, 06:00