Bitte keinen Stuhlkreis

Selbsthilfegruppe

Selbsthilfe

Bitte keinen Stuhlkreis

Von Nicole Albers

Wenn man ein Problem hat oder eine bestimmte Erkrankung, kann man in vielen Fällen Rat und Unterstützung bei Familie und Freunden bekommen. Es gibt aber auch Probleme und Krankheiten, die man besser mit Menschen besprechen kann, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Selbsthilfegruppen sind dafür die richtige Adresse. Doch wie finde ich die Richtige?

Allein in NRW geht man von bis zu 15.000 Selbsthilfegruppen zu hunderten von Themen aus. Eine Orientierung in diesem großen Geflecht geben Kontaktstellen für Selbsthilfe. Diese sind landesweit in nahezu allen Städten und Landkreisen vertreten und haben einen guten Überblick über die bereits bestehenden Gruppen vor Ort und pflegen den Kontakt. Sie sind auch Anlaufstelle, wenn eine neue Gruppe gegründet werden soll, helfen bei der Öffentlichkeitsarbeit, kümmern sich um Räume, begleiten die ersten Treffen und helfen bei finanziellen Fragen.

Aber doch bitte kein Stuhlkreis

Selbsthilfegruppen leiden häufig unter einem klischeehaften Bild, das geprägt ist von langatmigen Problemdiskussionen und dem Baden in Selbstmitleid. Ganz im Gegenteil: Tatsächlich machen die Gruppen das, was die Teilnehmer wollen und brauchen – das können (…) auch aktive Treffen sein mit Kochen, Ausflügen und Spaziergängen. Bei bestimmten Themen ist es auch sinnvoll, eine Gruppe von Gleichaltrigen zu finden, die in ähnlichen Lebensphasen stecken, bestimmte Erfahrungen teilen können oder erst noch vor bestimmten Herausforderungen des Lebens stehen. So hat sich in den vergangenen Jahren auch eine Junge Szene der Selbsthilfe entwickelt, die mitunter auch in Internetforen und Chats miteinander kommuniziert. Daneben aber gibt es auch spezielle Gruppen für Jüngere, die ebenfalls über die Kontaktstellen für Selbsthilfe gefunden werden können.

Unabhängigkeit oberstes Gebot

Ein wichtiges Thema: die Frage nach der Einflussnahme außenstehender Personen oder Unternehmen. Grundsätzlich verpflichtet sich eine Selbsthilfegruppe zur Unabhängigkeit. Dennoch gibt es durchaus Gruppen, die von Pharmaunternehmen, Pharmazeuten, Ärzten oder Apothekern durchaus genutzt werden, um den Klientenstamm zu erweitern. Vorsicht ist angebracht, wenn

  • immer wieder zu einem bestimmten Medikament geraten wird
  • die Gruppe dominiert wird von einer Person mit einem professionellen Hintergrund wie etwa Arzt, Apotheker, Heilpraktiker etc.
  • die Gruppe nicht kostenlos ist
  • ein Monatsbeitrag fällig wird, und man dadurch bestimmte Vergünstigungen oder Leistungen bekommt.

In solchen Fällen sollte bei der Kontaktstelle darauf hingewiesen werden, die das im Zweifelsfall prüft.

Stand: 19.01.2016, 00:00