Fit für den Marathon durch Aspirin und Co.?

Schmerzmittel im Freizeitsport

Fit für den Marathon durch Aspirin und Co.?

Von Patricia Metz

Aus dem Freizeitsport sind Schmerzmittel kaum mehr wegzudenken, zum Beispiel bei Marathonläufern. Doch können sie wirklich die Leistung steigern? Und wie sieht es mit Nebenwirkungen aus?

Unter Läufern weit verbreitet

Jeder zweite Marathonteilnehmer schluckt vor dem Start Schmerzmittel – zumeist, um eventuell auftretende Belastungsschmerzen zu vermeiden. Das hat der Bonner Schmerzmediziner Dr. Michael Küster in einer gemeinsamen Fragebogenaktion mit Professor Kay Brune von der Universität Erlangen herausgefunden. Rund 1.000 Marathonläufer hatten 2009 im Rahmen des Bonn-Marathons an der Umfrage teilgenommen. Dabei waren Männer mit 563 Nutzern deutlich häufiger geneigt, vor dem Lauf Schmerzmittel zu nehmen, als Frauen (461).

2010 wurde die Umfrage nochmals mit knapp 4.000 Probanden wiederholt und die Ergebnisse wurden bestätigt. Diclofenac (44 Prozent) und Ibuprofen (36 Prozent) waren die am häufigsten eingenommen Wirkstoffe gefolgt von Acetylsalicylsäure (6 Prozent) bekannt unter dem Markennamen „Aspirin“.

Zwischen Nutzen und Gefahr

„Aspirin“ wird von Sportlern häufig verwendet, um das Blut flüssiger zu machen. Dahinter steckt der Gedanke, dass die Organe dann besser durchblutet sind.

In Wirklichkeit ist Acetylsalicylsäure aber ein Gerinnungshemmer. Kommt es während des Laufs zu Verletzungen oder ist plötzlich eine Operation erforderlich, sind Komplikationen durch die Gerinnungshemmung programmiert. Dr. Michael Küster: „Wenn jemand Muskelfaserrisse hat, beispielsweise, und vorher ein Aspirin genommen hat, kann es zu massiven Blutergüssen kommen. Das kann zu erheblichen Problemen führen, bis hin zu tödlichen Komplikationen."

„Ganz allgemein kann man sagen, dass alle Schmerzmedikamente, die in Zusammenhang mit Sport und solchen Maximalbelastungen eingenommen werden, mit erheblichem Risiko für die Organe verbunden sind, sogar schon in sehr niedrigen Dosen, die vermeintlich harmlos sind,“ erläutert Schmerzmediziner Michael Küster die Gefahr der vorbeugenden Anwendung von Schmerzmitteln beim Sport. „In unseren Studien haben wir herausgefunden, dass die Leistung von Usern nicht besser ist und dass die Komplikationsrate teilweise sechs- bis achtfach erhöht ist."

Durch den Flüssigkeitsverlust des Körpers beim Sport nimmt das Risiko ernsthafter Komplikationen noch zu. In der Gruppe der Nutzer traten Gesundheitsprobleme wie Magen-Darm-Krämpfe und -blutungen, Herz-Kreislauf- und Nierenfunktionsstörungen zwei- bis sechsmal häufiger auf als bei Sportlern, die keine Schmerzmittel genommen hatten. Besonders gefährliche Komplikationen wie Nierenversagen ereigneten sich ausschließlich in der Nutzer-Gruppe.

Dr. Küster: „Wir haben Probanden registriert mit akutem Nierenversagen, mit Magengeschwüren, mit Herzinfarkten teilweise in den ersten 24 Stunden nach einem Marathon, aber ausschließlich in der Gruppe von Leuten, die Schmerzmittel genommen haben. Die Veranstalter sagen ja im Regelfall immer, es ist während des Marathons nichts Ernsthaftes passiert, aber es kommt relativ häufig vor, dass ernsthafte Komplikationen teilweise noch bis zu 24 Stunden später auftreten können, also teilweise der Beobachtung nach dem Marathon entgehen."

Grafik von den Nebenwirkungen der Medikamente Diclofenac und Ibuprofen.

Durch die Einnahme der Schmerzmittel Diclofenac und Ibuprofen steigt das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko.

Fazit

Laut Dr. Michael Küster nutzen Schmerzmittel vor einem Marathon wenig und schaden dauerhaft: „Wer schon vor dem Marathon Schmerzen hat, sollte das unbedingt vorher beim Arzt abklären lassen und nicht leichtsinnig Schmerzmittel nehmen. Im Zweifelsfalle oder bei entsprechender Diagnose ist es besser, ganz auf den Start zu verzichten."

Und: „Dass eine Maximalbelastung wie ein Marathon nachher zu Schmerzen führen kann, ist vollkommen normal. Falls nach dem Lauf ein Schmerzmittel genommen wird, sind allerdings zwei Dinge unbedingt zu beachten: Zunächst reichlich (etwa ein bis zwei Liter) mineralstoffreiches Wasser trinken, dann den Kreislauf in Ruhe bringen und erst danach, also frühestens eine halbe Stunde bis Stunde nach dem Lauf in niedrigen Dosen geeignete Schmerzmittel einnehmen. Wer das beherzigt, profitiert von der Wirkung des Schmerzmittels und vermeidet Komplikationen."

Stand: 29.01.2016, 09:00