Der Ombudsmann für Versicherungen schlichtet!

Der Ombudsmann für Versicherungen schlichtet!

Von Jens Gerke

Rechtliche Auseinandersetzungen gehen schnell ins Geld, daher gehört die Rechtsschutzversicherung zu den wichtigen Absicherungen. Natürlich gehen viele Versicherte davon aus, dass die Versicherung im Fall der Fälle dann auch sofort einspringt. Das ist häufig leider nicht der Fall.

Viel zu tun für den Ombudsmann

2.110 Kunden wandten sich im Jahr 2014 an den Versicherungsombudsmann, um ein Problem mit ihrer Rechtsschutzversicherung zu lösen. Damit nimmt die Rechtsschutzversicherung Platz zwei in der Beschwerdestatistik des Ombudsmanns ein und wird nur noch von der Lebensversicherung überholt.

Häufige Gründe für die Ablehnung

Häufigster Ablehnungsgrund: Der Rechtsbereich sei in den Versicherungsbedingungen ausgeschlossen.

Sendung vom 09.11.2015:

Am zweithäufigsten argumentieren die Unternehmen damit, der Ursprung der rechtlichen Auseinandersetzung liegt vor Beginn des Versicherungsschutzes.

Wesentlich seltener lehnen die Versicherungen wegen „mangelnder Erfolgsaussichten“ ab. Ein Rechtsstreit gilt beispielsweise nur dann als nicht erfolgversprechend, wenn das Ziel des Kunden rechtlich „absolut nicht vertretbar ist“.

Was tun bei einer Ablehnung?

Lehnt die Rechtsschutzversicherung eine Übernahme der Kosten ab und man hat Zweifel an dieser Entscheidung, kann man den Versicherungs-Ombudsmann einschalten. Das sogenannte Schlichtungsverfahren ist kostenlos. Entscheidet auch der Ombudsmann gegen eine Kostenübernahme, könnte man immer noch gegen die eigene Rechtsschutzversicherung klagen.

Allerdings kann der Ombudsmann nur bis zu einem „Beschwerdewert“ von 10.000 Euro verbindlich gegen den Versicherer entscheiden. Darin eingeschlossen sind die zu erwartenden Anwalts- und Gerichtskosten in der ersten Gerichtsinstanz. Geht der Wert darüber hinaus, kann er urteilen, die Rechtsschutzversicherung müsste sich aber nicht daran halten.

Eine weitere Möglichkeit bietet das Einschalten eines Gutachters. Dieser klärt, ob die Entscheidung der Versicherung richtig war. Dabei gibt es zwei Gutachterverfahren. Welches gilt, haben die meisten Rechtsschutzversicherungen im Vertrag geregelt. So kann entweder der Anwalt des Kunden einen Stichentscheid durchführen, oder ein externer Anwalt von der Rechtsanwaltskammer am Wohnsitz des Versicherten kann einen Schiedsentscheid herbeiführen. Während der Stichentscheid kostenlos ist, muss der Versicherte für den Schiedsentscheid bezahlen, wenn er unterliegt.

Gesetzesbücher - Mietrecht

Lehnt die Rechtsschutzversicherung eine Kostenübernahme ab, kann man zur Schlichtung den Versicherungs-Ombudsmann einschalten.

Deckungszusage wichtig

Bevor man einen Rechtsanwalt beauftragt, sollte man sich eine Kostendeckungszusage bei der Versicherung holen. Sonst kann es passieren, dass man die Rechtsanwalts- und Gerichtskosten aus eigener Tasche bezahlen muss.

Die Rechtsschutzversicherung ist im Gegensatz zu einer Haftpflichtversicherung eine reine „Kostenversicherung“. Der Anbieter übernimmt nur dann die Kosten, wenn er vorher eine sogenannte Deckungszusage abgegeben hat. Man sollte also den Versicherer rechtzeitig und vollständig über sämtliche Umstände des Rechtsschutzfalls unterrichten.

Der erste Besuch bei einem Rechtsanwalt ist meist auch ohne Deckungszusage möglich. Die sogenannte Erstberatung wird in der Regel von der Versicherung abgedeckt. Der Vorteil: Der Anwalt kann gut entscheiden, ob die Sache aussichtsreich ist und gegenüber dem Versicherer den Sachverhalt und die Erfolgsaussichten gut darstellen. Meist bekommt man erst einmal nur für den außergerichtlichen Rechtsstreit die Deckungszusage. Erst im zweiten Schritt würde dann die Übernahme einer gerichtlichen Auseinandersetzung gewährt.

Schreiben der Versicherung.

Bevor man einen Rechtsanwalt beauftragt, sollte man sich eine Kostendeckungszusage bei der Versicherung holen.

Stand: 09.11.2015, 10:00