Rebound-Effekt

LED Lampen

Fiese Falle

Rebound-Effekt

Der frisch gedämmte Altbau spart doch nicht so viel Heizenergie, wie ursprünglich kalkuliert. Die Stromrechnung sinkt kaum, obwohl alle Glühbirnen gegen LED-Lampen ausgetauscht wurden. Und wenn man die gesammelten Tank-Quittungen des Jahres addiert, ist das neue Auto längst nicht so sparsam, wie es nach den Verbrauchswerten aus dem Bordcomputer eigentlich sein müsste. Das liegt aber nicht daran, dass Energie-Sparen an sich unsinnig ist. Sondern kann auch eine Folge des Rebound-Effektes.

Der Rebound-Effekt – ganz theoretisch

Wir sind umgeben von Technologie, die verspricht Energie und Ressourcen zu sparen. Aber wer dieses Versprechen überprüft, wird entdecken, dass es längst nicht in jedem Fall gehalten wird. Schuld daran ist der Rebound-Effekt. Die Theorie dazu besagt, dass auf jede technische Effizienzsteigerung sofort auch eine Steigerung der Nachfrage folgt. Es wird mehr konsumiert und so der mögliche Einspareffekt, zumindest teilweise, wieder zunichte gemacht.

Wie lange gibt es den Rebound-Effekt schon?

Erstmals beschrieben wurde der Rebound-Effekt 1865 durch den englischen Ökonomen und Philosophen William Stanley Jevons. Er konnte nachweisen, dass der Kohleverbrauch in England in den zurückliegenden Jahrzehnten sprunghaft angestiegen war, obwohl James Watt in den 1760er Jahren den Energieverbrauch von Dampfmaschinen um über sechzig Prozent gesenkt hatte. Die Erklärung: Durch die neue, energiesparende Konstruktion wurde der Betrieb von Dampfmaschinen für immer mehr Unternehmen bezahlbar und der Kohleverbrauch stieg an, obwohl die einzelnen Maschinen viel weniger Brennstoff verbrauchten.

Zum Beispiel

Alltagsbeispiele für Rebound-Effekte sind leicht zu finden. Da schaltet man die gerade gekauften LED-Lampen nicht mehr aus, wenn man den Raum verlässt, weil sie ja nur noch fünf Watt Strom verbrauchen. Oder das gedämmte Haus spart so viel Heizenergie, dass der Heizungsthermostat nun immer auf 22 Grad steht, anstatt wie früher auf 20 Grad. Das neue, besonders sparsame, Auto begnügt sich mit fünf Litern Diesel auf hundert Kilometern, also wird es jetzt mehr genutzt als der alte Wagen, der doppelt so viel geschluckt hat. In all diesen Beispielen wird das Einsparpotential von LED-Lampen, Hausheizung und Neuwagen, bedingt durch den Rebound-Effekt, nicht ausgeschöpft.

Fiese Fallen

Manchmal schlägt der Rebound-Effekt sozusagen "um die Ecke" zu. Nehmen wir mal an, wir haben es mit einem mustergültigen Verbraucher zu tun. Der macht immer hinter sich das Licht aus, auch wenn eine Lampe nur noch fünf Watt verbraucht. Der Heizungsthermostat bleibt auch im top-gedämmten Haus eisern auf 20 Grad stehen und mit dem neuen, super spritsparenden Auto wird sogar noch weniger gefahren als vorher mit dem alten Wagen.

Dieser Verbraucher spart mit seinem vorbildlichen Verhalten bares Geld. Aber was tut er mit diesem Geld? – Er wird es für weiteren Konsum ausgeben. Wenn er damit jeden Monat zweimal schick essen geht, dann hat er tatsächlich Energie gespart, denn ein Restaurantbesuch ist nicht besonders ressourcenintensiv. Unser Verbraucher könnte von dem gesparten Geld aber auch im Billigflieger zu einer Städtereise nach London starten. Dann hat er sogar noch mehr Energie verbraucht als vorher.

Die Größe des Rebound-Effektes

Nach einer groben Schätzung werden etwa fünfzig Prozent des Einsparpotentials von  ressourcensparender Technik wirklich realisiert. Aber die anderen fünfzig Prozent fallen den Rebound-Effekten zum Opfer. So kommt es, dass Rechnungen zum Einsparpotential, zum Beispiel einer neuen Heizung oder einer Hausdämmung, nicht aufgehen und – global betrachtet – die Weltklimaziele wahrscheinlich nicht erreicht werden.

Ausgetrickst

Wer dem Rebound-Effekt ein Schnippchen schlagen will, muss ressourcensparende Technik sehr bewusst einsetzen und jedes Mal hinterfragen: Brauche ich das jetzt wirklich oder geht es auch anders? Oder, um bei einem einfachen Beispiel zu bleiben: ruhig sparsame LED-Lampen kaufen, die dann aber nicht doppelt so lange brennen lassen.

Stand: 19.01.2016, 00:00