Kaufen! Kaufen! Wirklich Kaufen?

Online-Preisschlacht

Kaufen! Kaufen! Wirklich Kaufen?

Von Marco Müller

Eigentlich beginnt der inoffizielle Winterschlussverkauf erst am 25. Januar, aber gefühlt schon seit Wochen scheint es an jeder Ecke Rabatte zu geben – auch im Internet. Ist jetzt die Zeit für Online-Schnäppchen?

Alles muss raus! Drastisch reduziert! Sale! 30 Prozent! 50 Prozent! 70 Prozent! Schilder mit diesen oder ähnlichen Aufschriften schreien uns aktuell an vielen Orten an – nicht nur in der Stadt, auch im Netz. Und das, obwohl der Winterschlussverkauf erst am 25. Januar beginnt. Und wenn man es genau nimmt, gibt es auch den nicht mehr. Denn der Winterschlussverkauf – kurz WSV – wurde 2004 offiziell abgeschafft. Seitdem können Händler so viele Saisonverkäufe durchführen, wie sie wollen.

Wieso gibt es denn dann einen inoffiziellen Winterschlussverkauf? Die Antwort ist ebenso kurz wie einleuchtend: Weil er sich für die Händler lohnt. Schließlich haben sich die Kunden schon lange daran gewöhnt und sie wissen, oder glauben, dass es dann besonders günstig ist.

Jetzt auch online zuschlagen?

Und wer gerne online einkauft, muss er nun jetzt zuschlagen, wo alle mit "Sale" und "Ausverkauf" werben? Nein, muss er nicht. Denn: "Sale ist im Internet das ganze Jahr", sagen Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und Handelsexperte Professor Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein übereinstimmend. Man kann im Internet sehr schnell die Preise von vielen Anbietern vergleichen. Dies erhöht den Druck der Anbieter, immer günstig zu sein. Wer günstig im Internet einkaufen möchte, der sollte Produkte über Preissuchmaschinen vergleichen. Am besten: Zwei bis drei Preissuchmaschinen parallel benutzen, da es nicht die eine perfekte gibt.

Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW

Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW

Verbraucherschützer Tryba weist auf zwei Dinge hin, die man bei Preissuchmaschinen beachten sollte. Zum einen aktualisieren sie die Preise oft nicht so schnell wie der Online-Händler. Man bekommt also beispielsweise einen günstigen Preis angezeigt und geht auf die Seite des Händlers. Dort ist das Produkt nun aber deutlich teurer. Man kann dann auch nicht den günstigeren Preis fordern, denn der Kaufvertrag wird zwischen Verbraucher und Händler, nicht zwischen Verbraucher und Suchmaschine geschlossen. Zum anderen kämen Preissuchmaschinen mit sogenannten "Daily Deals" oft nicht klar. Dabei macht ein Internetshop ein Produkt nur an einem Tag billiger.

Online versus Offline

Wenn im Netz das ganze Jahr über Schnäppchenzeit ist, kann sich dann überhaupt ein Einkauf im stationären Handel, also in den Geschäften in der Stadt, lohnen? "Ja", sind sich Handelsexperte und Verbraucherschützer einig. Denn der stationäre Handel ist nicht immer teurer. Für den Verbraucher ist es nur schwerer, den günstigsten Laden herauszufinden. Wer im Laden steht, der kann in Sekundenschnelle über das Smartphone Dutzende Internethändler miteinander vergleichen. Das funktioniert aber nur in eine Richtung. Wer umgekehrt den Preis eines Produkts von einem Internethändler kennt und will diesen mit den Preisen von Geschäften vergleichen, der wäre tagelang unterwegs.

Einkaufswagen-Symbol eines Onlinekaufhauses, davor zwei Figuren mit Einkaufswagen

Man muss nicht immer den virtuellen Einkaufswagen füllen. Manchmal ist der reale günstiger.

Wie bei Internethändlern gibt es auch bei stationären Händlern größere Preisunterschiede. Hinzu kommt, dass man beim Laden vor Ort oft auch nachverhandeln kann. Beim Internethändler geht das in der Regel nicht. So kann man durchaus Produkte offline günstiger erwerben als online.

Ist das neu?

Professor Gerrit Heinemann

Handelsexperte Professor Gerrit Heinemann

Wer viel online bestellt, dürfte das kennen: Manchmal wirkt das als neu gekaufte Produkt, als wäre es schon benutzt worden. Das liegt daran, dass Kunden bestellte Ware teilweise ausprobieren und bei Nichtgefallen wieder zurückschicken. Der nächste Kunde bekommt dann diese Ware. Handelsexperte Gerrit Heinemann sagt, dass die Retourenquote bei Damenbekleidung mit Abstand am höchsten sei. Sie läge bei rund 60 Prozent – mutmaßlich weil die Kleidergrößen, zum Teil um Kundinnen zu schmeicheln, nicht ganz stimmten. "Bei Herrenbekleidung liegt die Retourenquote immerhin bei rund 30 Prozent", so Heinemann. Zum Vergleich: Bei den meisten anderen Produkten – Elektroartikel zum Beispiel – seien es weniger als zehn Prozent.

Die hohe Retourenquote, die dazu führt, dass Online-Kunden zum Teil Getragenes nach Hause geliefert bekommen, sieht Heinemann allerdings nicht als Problem. Schließlich probiert man im Laden auch Kleider an und hängt sie wieder auf den Bügel. Unbenutzt sind sie auch dort oft nicht. Zudem gibt es beim Online-Kauf ein 14-tägiges Rückgaberecht. Auch wenn es einige Geschäfte machen – beim stationären Handel kann man sich nicht darauf berufen.

Stand: 20.01.2016, 11:08