Kredite von privat zu privat

Internet-Plattformen

Kredite von privat zu privat

Internet-Plattformen machen klassischen Banken zunehmend Konkurrenz. Sie heißen Auxmoney, Smava oder Lendico und vermitteln Kredite zwischen Privatleuten. Die Geldgeber hoffen auf höhere Renditen als bei der Bank, doch es gibt auch Risiken.

Wie kann man einen Kredit beantragen?

Wer einen Kredit aufnehmen will, gibt die Höhe seines Kreditwunsches und den Zweck, also beispielsweise „neues Laptop“ oder „neues Auto“ an. Wie Banken prüfen die Plattformen anschließend die Kreditwürdigkeit anhand von Daten der Schufa und von Creditreform. Daraus ermittelt sich zum Beispiel bei Auxmoney ein "Score". Von diesem Score ist abhängig, wie hoch die Zinsen sind. In der Regel bieten die Plattformen Zinsen zwischen 2 und 16 Prozent an. Der durchschnittliche Kreditnehmer zahlt bei Auxmoney 9,65 Prozent Zinsen.

Welche Zusatzkosten kommen auf Kreditnehmer zu?

Die Zinsen gehen direkt an den privaten Geldgeber. Die Plattformen vermitteln nur zwischen Anlegern und Kreditnehmern, für diese Dienstleistung berechnen sie eine Gebühr. Bei Auxmoney liegt die Gebühr zum Beispiel bei 2,95 Prozent der Kreditsumme.

Sind die Kredite günstiger als bei einer Bank?

Die Stiftung Warentest hat solche Fälle gefunden; sie sind aber wohl eher die Ausnahme. Die Plattformen eignen sich hauptsächlich für Kreditnehmer, die kein Geld von ihrer Bank bekommen. So haben Existenzgründer, Freiberufler und Selbständige immer wieder Probleme mit Banken. Auch Menschen mit hohen Schulden nutzen die Angebote. Zudem kann ein Kredit über eine dieser Plattformen billiger sein als die Dispozinsen des Girokontos: Ein Privatkredit kann also auch genutzt werden, um das überzogene Girokonto auszugleichen.

Sind die Anbieter seriös?

Die Stiftung Warentest hat Smava und Auxmoney unter die Lupe genommen und für seriös befunden. Hinter Auxmoney stecken Investoren, die auch schon Unternehmen wie Skype und Twitter gefördert haben. Lendico gab es zum Zeitpunkt des Tests noch nicht; das Portal gehört zum Internetriesen Rocket Internet, der beispielsweise auch Zalando aufgebaut hat. Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert die teilweise undurchsichtigen Abrechnungen, aus denen die Höhe der Zinsen und Gebühren nicht hervorgehe.

Wer gibt den Plattformen Geld?

Das sind sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen. 2015 hat beispielsweise eine Versicherungsgruppe in eine der Plattformen investiert. Hintergrund sind die niedrigen Zinsen auf Einlagen, die es bei Banken gibt. Private Geldgeber erhoffen sich höhere Zinsen, wenn sie über die Portale Geld verleihen. Allerdings ist die Anlage risikoreich: Zahlt ein Schuldner seinen Kredit nicht zurück, kann das verliehene Geld weg sein.

Stand: 07.01.2016, 00:00