Nachhaltiges Reisen

Radfahren in Bali, Indonesien.

Besser für die Umwelt

Nachhaltiges Reisen

Von Ildiko Holderer

Überfüllte All-Inclusive-Hotels und vermüllte Strände machen wenig Lust auf Urlaub. Immer mehr Reiseveranstalter bieten inzwischen nachhaltige Reisen an.

Das Motto ist einfach: "Hinterlasse nichts als einen Fußabdruck". Nachhaltiger Tourismus soll die Umwelt schonen und die Kultur vor Ort möglichst nicht verändern. In einer Studie des Bundesumweltministeriums erklärte ein Drittel von knapp 8000 Befragten, sie hätten Interesse daran, nachhaltiger zu reisen. Vor allem die Kosten schreckten aber ab. Dabei müsse nachhaltiger Tourismus nicht immer teurer sein, sagt Dirk Reiser, Professor für nachhaltiges Tourismusmanagement an der Fachhochschule Rhein-Waal, zum Beispiel, wenn man mit der Bahn anreise, statt mit dem Auto. Generell seien Reisegruppen im nachhaltigen Tourismus aber kleiner. "Um das wirtschaftlich zu machen, muss man oft mehr verlangen", so Reiser.

Fremdzertifikate glaubwürdiger

Eine weitere Hürde ist laut der Befragung des Umweltministeriums der Mangel an Orientierung: Viele Urlauber suchen klare Siegel- oder Gütezeichen. Manche Anbieter verleihen sie sich gleich selbst: Der Reisekonzern TUI zum Beispiel zeichnet seine Hotels entsprechend aus. Generell sind Dirk Reiser zufolge Fremdzertifikate aber glaubwürdiger als Eigenzertifizierungen. Verbreitet ist etwa das "CSR"-Zertifikat der Zertifizierungsgesellschaft TourCert, das Tourismusunternehmen auszeichnet. 

Erhalten hat es zum Beispiel der Veranstalter SKR Reisen aus Köln. Das Familienunternehmen bietet seit 1978 sozialverträgliche Reisen an, vor allem nach Asien, in den Orient, Afrika und Südamerika. Der Schwerpunkt liegt hier in der sozialen Nachhaltigkeit: Gruppen von maximal zwölf Urlaubern werden in kleinen, oft familiengeführten Hotels untergebracht, auf dem Programm steht der Austausch mit Einheimischen, statt Aerobic am Pool. Neben dem kulturellen Austausch seien faire Arbeitsbedingungen vor Ort wichtig, sagt SKR-Geschäftsführer Thomas Müller.

Labelflut und guter Wille

Obwohl sein Unternehmen selbst zertifiziert ist, sieht Müller die Labels im nachhaltigen Tourismus eher kritisch. Vor allem die Flut von Labels sei ein Problem: "Da verliert der Kunde einfach schnell den Durchblick", sagt Müller. "Mein zweiter Kritikpunkt ist, dass die meisten Labels in der Touristik Prozesszertifizierungen beinhalten."

Mandalay, Myanmar.

Das heißt: Die Zertifizierungsgesellschaft prüft nur, ob sich ein Unternehmen um Nachhaltigkeit bemüht, – nicht, ob die Reise dann auch wirklich nachhaltig ist. Kunden sollten deshalb bei der Buchung im Reisebüro oder beim Veranstalter nachfragen, was genau das Unternehmen unter der beworbenen Nachhaltigkeit versteht.  Und selbst wer den All-Inclusive-Urlaub auf Mallorca buchen möchte, hat Möglichkeiten, nachhaltiger zu reisen.

Tipps für Reisen mit gutem Gewissen

  • Längere Reisen buchen, statt Wochenendtrips. Oder über Internet-Initiativen wie Atmosfair Flugemissionen mit einer Spende an Klimaschutzprojekte kompensieren.
  • Im Urlaub möglichst wenig Müll produzieren, Energie und Wasser verbrauchen.
  • Mit Einheimischen, zum Beispiel Hotelangestellten, auf Augenhöhe umgehen – auch das gehört zur Nachhaltigkeit.
  • Wenn auffällt, dass das gebuchte Hotel sich nicht ökologisch verhält, etwa ausschließlich Einweg-Shampoo anbietet und alle Handtücher täglich wäscht, beim Reiseveranstalter beschweren. Denn der ist auf zufriedene Kunden angewiesen.

Stand: 28.12.2015, 14:03