Nachhaltige Mode aus Holz, Algen oder Ananas

Nachhaltige Mode aus Holz, Algen oder Ananas

Kleidung, die nur eine kurze Saison lang getragen wird, ist "Fast Fashion", Wegwerf-Mode. Es gibt aber auch Mode, die nachhaltig sein will, teilweise aus neuartigen Materialien wie Holz oder Algen. Entwickelt wird die Kleidung auch in Wuppertal, Köln und Münster.

Garnspinnerei in Indien

Für das Herstellen von Garnen werden Rohfasern gesponnen. Rohfasern für die Textilindustrie sind pflanzliche Fasern wie Baumwolle, tierische Fasern wie Wolle und Chemiefasern wie Polyester auf Erdöl-Basis. Die verwendeten Stoffe und Zusätze sind zum Teil schwer abbaubar und können sehr schädlich für Natur und Menschen sein. Die Suche nach nachhaltigeren Materialen und umweltfreundlicheren Herstellungsprozessen wird immer wichtiger.

Für das Herstellen von Garnen werden Rohfasern gesponnen. Rohfasern für die Textilindustrie sind pflanzliche Fasern wie Baumwolle, tierische Fasern wie Wolle und Chemiefasern wie Polyester auf Erdöl-Basis. Die verwendeten Stoffe und Zusätze sind zum Teil schwer abbaubar und können sehr schädlich für Natur und Menschen sein. Die Suche nach nachhaltigeren Materialen und umweltfreundlicheren Herstellungsprozessen wird immer wichtiger.

Gefragt ist zum Beispiel Mode mit Holzfaseranteil. Dieses Holz sollte aber nicht von irgendwo stammen, sondern aus zertifizierter Waldbewirtschaftung. Um diese zu garantieren, gibt es ein Siegel namens PEFC – eine Art weltweiter "Wald-TÜV". Trägt ein Produkt aus Holz dieses Siegel heißt das, dass die gesamte Produktherstellung vom Rohstoff bis zum gebrauchsfertigen Endprodukt zertifiziert ist und durch unabhängige Gutachter kontrolliert wurde.

Das Wuppertaler Label "Wijld" verkauft seit knapp einem Jahr Holz-T-Shirts mit PEFC-zertifiziertem Material. Die "Woodshirts" bestehen zu 67 Prozent aus Holzfasern, die aus einer unscheinbaren Holzmasse hergestellt werden. Der Rest ist Bio-Baumwolle. Aus einem Kilo Holz werden vier T-Shirts gemacht. Dafür werde 20 Mal weniger Wasser verbraucht als bei der Produktion von reinen Baumwoll-Shirts. Das Holz wird in Österreich zu Holzwolle und in Portugal unter fairen Bedingungen zu Garn verarbeitet.

Holzshirts können ein Schritt in die richtige Richtung sein. Aber es geht um das große Ganze: Welche Farben werden zum Einfärben und Bedrucken genutzt? Wie groß sind die Überproduktion und damit der Müllberg? Wie werden online bestellte Shirts verschickt? Gibt es dazu eine Rechnung aus Papier oder zum Beispiel per E-Mail? Zudem zählt auch hier vor allem das Konsumverhalten der Verbraucher.

Ein weiteres alternatives Material zur herkömmlichen Baumwolle sind Algen. Aus Braunalgen von den Fjorden Islands stellt die Firma "SmartFiber AG" eine Faser namens "SeaCell" her. Schon kurz nach der Gründung wurde sie dafür mit dem Deutschen Innovationspreis ausgezeichnet.

Die Braunalgen werden alle vier Jahre in den Fjorden Islands abgeerntet. Da sie über der Wurzel geschnitten werden, können sie wieder nachwachsen. Das geht bei Algen zehn bis 30 Mal schneller als bei Landpflanzen. Die Ernte wird getrocknet und verarbeitet. Auch die TU Berlin, andere Textilforscher und Designer arbeiten mittlerweile mit Material aus Algen, die ebenfalls aus der Nordsee und der Karibik stammen können.

In einem speziellen Verfahren werden die Braunalgen getrocknet und zerkleinert. Zu diesem Zeitpunkt riecht man noch die Herkunft aus dem Meer. Die zerkleinerten Algen werden fein gemahlen und später zu Garn gesponnen. Die fertigen T-Shirts riechen nicht mehr nach Algen und fühlen sich deutlich weicher an als Baumwoll-Shirts. Zudem sollen sie hautpflegend wirken.

Eine höhere Nachfrage an alternativen Materialien kann große Modemarken zum Umdenken zwingen. Kleinere Labels machen das längst. So wie "Funktion | Schnitt" aus Köln. Modedesigner Simon Hariman verkauft dort Shirts aus "SeaCell", weil die Shirts langlebiger sein sollen als Billigware und sie eine einmalige Qualität haben. Das Deutsche Modeinstitut sieht höhere Preise durchaus als Vorteil, denn wer mehr ausgibt, entsorgt die Ware meist nicht so schnell.

Eine weitere spannende Entwicklung ist Mode aus Papier. Hier unterscheidet man zwei Varianten. Eine ist, ein fertiges Blatt Papier zu nutzen und daraus Kleidungsstücke zu falten, zu schneiden und zu kleben. An der Hochschule Niederrhein machen Studierende und Textilwissenschaftler daraus wahre Kunst, so wie Anna Koch, Anna Droemont und Theresa Hofmann mit ihren Werken aus Papier.

Eine zweite Variante sind Textilien aus Papiergarn. Das kann man so wie Literaturwissenschaftlerin Ulrike Hagel aus Münster selbst herstellen. Im Internet zeigt sie Anleitungen und fertige Produkte aus Zeitungspapier, Teefiltern und Brottüten, die alle ganz eigene Fühl- und Hörergebnisse bieten.

Auch aus Blättern von Obst lässt sich Kleidung herstellen. Die britische Firma Ananas Anam stellt zum Beispiel einen Stoff namens Piñatex aus Ananasblättern her, als Alternative zu tierischem Leder. Dafür werden die bei der Ernte übrig bleibenden Blätter gepresst und weiterverarbeitet. Die Biomasse wird als Dünger oder Biogas genutzt, die Fasern werden zum Textil.

Jedes Jahr werden Billionen Tonnen von Blättern großer Obstplantagen entsorgt. Durch die Weiterverarbeitung zu Textilfasern kann eine nachhaltige Herstellung von Mode stattfinden. Doch auch dabei entsteht ein ökologischer Fußabdruck. Aus Sicht des Deutschen Modeinstitut Köln kann Mode nur nachhaltig sein, wenn der gesamte Kreislauf vom Anbau der Rohstoffe bis hin zum Verkauf es ist. Am Ende kommt es vor allem auf das Konsumverhalten aller an. Und das muss sich parallel zur Entwicklung nachhaltiger Textilien ändern.

Stand: 25.09.2017, 14:46 Uhr