Frechheiten im Supermarkt

Mogelpackungen richtig erkennen

Frechheiten im Supermarkt

Von Marco Müller

Wenn die Preise für Produkte im Supermarkt nicht steigen, freut sich der Kunde. Allerdings freut er sich häufig auch, obwohl die Preise der Produkte steigen. Denn er bekommt es gar nicht mit. Der Grund: Viele Hersteller sind bei der Verpackung äußerst kreativ.

Beim Einkauf noch schnell das Studentenfutter in den Wagen. Das kann man immer schön zwischendurch essen. Der Preis ist auch derselbe geblieben: 2,89 Euro. Vieles wird teurer, nicht aber das Studentenfutter. Doch wir haben uns täuschen lassen. Denn der Preis ist zwar gleich geblieben und die Packung sieht auch nahezu so aus wie immer – aber die Füllmenge hat sich geändert. Waren vorher 200 Gramm in der Tüte, sind es nun nur noch 150 Gramm. Das bedeutet eine Preissteigerung von mal eben einem Drittel – und damit mehr Profit für den Hersteller und weniger Geld in der Haushaltskasse des Verbrauchers.

Verschiedene Arten von Mogelpackungen

Die Verbraucherzentrale Hamburg unterscheidet drei Hauptvarianten von Mogelpackungen. Zunächst wären da Packungen, die abbilden, was nicht drin ist. So gibt es Lebensmittelhersteller, die zum Beispiel auf diversen Produktverpackungen Früchte abbilden, obwohl diese entweder gar nicht oder nur in kleinsten Mengen enthalten sind. Ein Blick auf die Zutatenliste gibt hier in der Regel Aufschluss.

Variante zwei sind die sogenannten Luftpackungen. Das sind Verpackungen, die viel mehr Inhalt vortäuschen als vorhanden. Normalerweise sollen Verpackungen nicht mehr als 30 Prozent Luft enthalten. Allerdings wurden bei Überprüfungen Produkte gefunden, bei denen der Luftanteil bei nahezu 70 Prozent lag. Manchmal merkt man das, wenn man eine Packung anfasst und überrascht ist, wie leicht sie ist, oder wie sehr sie sich zusammendrücken lässt. Oft steckt der Inhalt aber in einem festen Karton oder in einer Dose, die keine Kontrolle zulassen. 

Die dritte Variante ist die eingangs beschriebene versteckte Preiserhöhung. Der Preis bleibt gleich oder verändert sich kaum, die Füllmenge aber sinkt. Diese Variante führt bei der Verbraucherzentrale Hamburg zu den meisten Beschwerden. Seit mehr als zehn Jahren führt sie eine Liste, in die fortlaufend versteckte Preiserhöhungen eingetragen werden. Fast tausend Produkte des Alltagseinkaufs sind dort zu finden.  

Die Tüte mit "Twix mix" einmal von vorne und links daneben einmal mit durchsichtiger Vorderseite, so dass erkennbar ist, dass die Tüte nur etwa bis zur Hälfte gefüllt ist.

Viel Luft um Süßes. Muss die Packung bei dem Inhalt so groß sein?

Wie entdecken?

Versteckte Preiserhöhungen zu erkennen ist äußerst schwierig, da man sich nicht von allen Produkten neben den Preisen auch noch die Füllmengen merken kann. Allerdings kann man versuchen, in Zukunft verstärkt auf die mittlerweile verpflichtende Angabe des Grundpreises schauen. Auf den Preisschildern im Supermarkt steht immer, wie teuer das Produkt pro 100 Gramm oder pro Kilogramm ist. Hat man den Preis von häufig gekauften Produkten im Kopf, fallen versteckte Preiserhöhungen eher auf.

Porträt von Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg

Zum anderen sollte man bei einer neuen Verpackungsgestaltung besonders kritisch sein. Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg mahnt zur Vorsicht, wenn die Packung sich verändert hat. Hinweise auf der Packung wie etwa "Neue Füllmenge" seien ein sicheres Indiz für eine Füllmengenreudzierung. Aber auch Floskeln wie "Neue Rezeptur" oder "Jetzt mit mehr Früchten" könnten ein Anzeichen für eine Füllmengenreduzierung sein.

Was tun?

Wer bei einem gekauften Produkt feststellt, dass es sich dabei um eine Mogelpackung handelt, der kann es leider nicht umtauschen. Denn es ist kein Mangel, wenn bei einem Produkt die Füllmenge reduziert wird, solange diese auf der Packung steht und korrekt ist. Verbraucherschützer empfehlen, sich bei dem Hersteller zu beschweren und die Fälle zum Beispiel Verbraucherzentralen zu melden, damit diese die Fälle veröffentlichen können. Das erzeugt Druck auf die Hersteller.

Die Verbraucherzentrale Hamburg übt auf unterhaltsame Weise Druck aus. So kürt sie jeden Monat die Mogelpackung des Monats. Am Ende des Jahres werden dann fünf Produkte aufgelistet, die bei der Wahl zur Mogelpackung des Jahres antreten. Jeder Internetuser kann noch bis zum 22. Januar abstimmen. Am 25. Januar wird dann die Mogelpackung 2015 bekanntgeben.

Aber auch auf politischer Ebene kämpft Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg gegen Mogelpackungen. Analog zu Tankstellen-Apps, bei denen sich jeder die Preisveränderungen bei Diesel und Benzin anschauen kann, fordert er eine Plattform, auf der Hersteller Füllmengenänderungen vorab verpflichtend angeben müssen. Bis es soweit ist, wird der Kunde aber noch viele Preise und Füllmengen selber vergleichen müssen.

Stand: 12.01.2016, 10:05