Gesundheitsgefahr durch Recyclingkartons

Mineralöl in Lebensmitteln

Gesundheitsgefahr durch Recyclingkartons

Von Katharina Gödde

Viele Kartons für Lebensmittelverpackungen bestehen aus Recyclingpapier. Umweltfreundlich einerseits – doch sie können auch Rückstände von Mineralöl enthalten, die in die Lebensmittel übergehen. Wir erklären, welche Auswirkungen das hat und worauf Verbraucher achten können.

Nudeln, Reis, Cornflakes und andere Lebensmittel sind oft mit gesundheitsgefährdenden Mineralölrückständen belastet: Das ist das Ergebnis einer aktuellen Laboranalyse der Verbraucherorganisation Foodwatch. Getestet wurden Produkte aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Von den 42 deutschen Produkten war jedes fünfte mit aromatischen Mineralölen belastet – diese stehen in Verdacht, krebserregend und erbgutschädigend zu sein. Das Problem ist schon länger bekannt: Bereits seit Ende 2009 weist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darauf hin, dass Mineralöle aus recycelten Verpackungen in die Lebensmittel übergehen können.

Wie gelangt Mineralöl in Lebensmittel?

Als wesentliche Quelle für solche Übertragungen gelten Druckfarben, die in Kartons aus recyceltem Papier enthalten sind. Altpapier besteht aus Zeitungen, Zeitschriften, Katalogen und anderen grafischen Papieren sowie aus Verpackungspapieren. Zum Bedrucken dieser Papiere werden in der Regel Farben verwendet, die Mineralöle enthalten. Diese können bisher im Recyclingprozess nicht ausreichend entfernt werden und gelangen so in die Kartonverpackungen. Von dort aus können sie entweder durch direkten Kontakt mit dem Lebensmittel oder aber im gasförmigen Zustand durch sogenannte Migration in das Lebensmittel übergehen.

Doch auch in frischem Papier oder Karton verpackte Lebensmittel können kontaminiert sein: Mineralöle können auch aus Umverpackungen durch die "saubere" Verpackung migrieren – beispielsweise aus den für Lagerung und Transport häufig verwendeten Wellpappekartons. Zudem können auch die direkt auf der Verpackung verwendeten Druckfarben Mineralöle enthalten, die das Lebensmittel verunreinigen.

Besonders gefährdete Produkte

Ein Löffel mit Müsli

Müsli zählt zu den besonders gefährdeten Lebensmitteln.

Der Grad der Migration hängt unter anderem davon ab, wie das Lebensmittel beschaffen ist und wie lange es gelagert wird. Besonders von Verunreinigung betroffen sind trockene, lang haltbare Produkte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht davon aus, dass vor allem bei Lebensmitteln mit einer großen Oberfläche wie etwa Mehl, Gries, Reis, Semmelbrösel oder Frühstückscerealien ein Übergang der Mineralöle aus der Verpackung auf das Lebensmittel zu erwarten ist.

Gesundheitliche Risiken

Die kritischen Mineralölbestandteile der Druckfarben setzen sich im Wesentlichen aus zwei Gruppen zusammen:

  • Die besonders bedenklichen aromatischen Kohlenwasserstoffe (MOAH) stehen unter Verdacht, schon in geringen Mengen krebserregend und erbgutverändernd zu wirken sowie das Hormonsystem zu beeinflussen.
  • Die gesättigten Kohlenwasserstoffe (MOSH) kommen deutlich häufiger und in größeren Mengen in Lebensmitteln vor. Durchschnittlich trägt jeder von uns ein Gramm dieser gesättigten Mineralöle in sich. Sie reichern sich im Körper an und können zu Schäden in der Leber und den Lymphknoten führen. Allerdings ist bisher unklar, bei welchen Dosierungen diese Effekte eintreten. Zudem sind die langfristigen Auswirkungen auf den menschlichen Körper noch nicht ausreichend erforscht.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft teilen die Auffassung, dass zum vorsorgenden Schutz der Verbraucher Mineralölgehalte in Lebensmitteln so weit wie möglich minimiert werden sollten.

So kann eine Kontamination verhindert werden

Lebensmittel können vor Verunreinigung durch Mineralöl geschützt werden, indem "funktionelle Barrieren" die Migration aus Verpackungen verhindern. Das können entweder separate Innenbeutel sein oder auch in den Karton integrierte spezielle Verpackungsschichten. Aluminium beispielsweise bietet einen wirksamen Schutz gegen das Ausgasen, ist aber aus ökologischen Gründen bedenklich. Deshalb wird zunehmend an der Entwicklung anderer Materialien geforscht.

Zudem gibt es immer mehr Verpackungshersteller, die vermehrt Frischfaser-Materialien verwenden oder auf Altpapiersorten mit einem geringen Anteil an bedruckten Zeitungspapieren setzen bzw. auf mineralölfreie Druckfarben umgestellt haben. Eine verbindliche gesetzliche Regelung oder Grenzwerte für Mineralöl in Lebensmitteln gibt es bisher jedoch nicht.

Keine gesetzliche Regelungen

Während es für Kunststoffe, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, spezifische Verordnungen auf EU-Ebene gibt, fehlen diese für Papierverpackungen. Und spezifische nationale Regulierungen in Deutschland stehen ebenfalls noch aus. Das Bundesernährungsministerium hat aber mehrere Entwürfe für zwei Verordnungen auf den Weg gebracht:
In der Mineralölverordnung sollen Grenzwerte für den Gehalt von Mineralölen in Lebensmittelverpackungen festgelegt werden. Nicht berücksichtigt wird jedoch die Migration aus Umverpackungen, die bei Transport und Lagerung zum Einsatz kommen. Die Druckfarbenverordnung soll vorsehen, dass mineralölhaltige Farben zum Bedrucken von Lebensmittelverpackungen künftig nicht mehr verwendet werden dürfen. Auf die aus dem Altpapier ins Lebensmittel migrierenden Stoffe hat diese Verordnung jedoch keinen Einfluss.

Tipps für Verbraucher: So können Sie sich schützen

  • Helle Verpackung wählen: Je dunkler der Karton, desto höher ist normalerweise der Recyclinganteil und damit häufig die Konzentration der Mineralöle. So umweltfreundlich das Recycling von Altpapier auch ist: Noch bergen recycelte Lebensmittelverpackungen Gesundheitsrisiken – jedenfalls so lange, bis die Unbedenklichkeit durch entsprechende Maßnahmen gewährleistet werden kann.
  • Vorsicht bei Wellpappe: Meiden Sie Produkte, die im Supermarkt in geöffneten Transportkartons aus Wellpappe angeboten werden.
  • Verpackung mit Innenbeutel wählen: Die Lebensmittel sind zumindest eine Zeit lang geschützt. Ein wirksames Material ist Aluminium, häufig verwendet bei Säuglingsnahrung. Da Aluminium aus ökologischen Gründen aber sehr bedenklich ist, sollten solche Beutel nur eine vorübergehende Lösung sein.
  • Lebensmittel zum Lagern umfüllen: Je länger die Lagerzeit, umso mehr Rückstände gehen in die Lebensmittel über.
  • Auftauen ohne Verpackung: Während der Lagerung in der Tiefkühltruhe findet kein Mineralölübergang statt. Zum Auftauen sollten die Lebensmittel aber aus der Recyclingverpackung genommen werden.
  • Kochen senkt das Risiko: Beim Kochen geht ein Teil des angereicherten Mineralöls mit dem Wasserdampf verloren.

Stand: 08.02.2016, 10:26