LED-Lampen: Schwierige Lichtverhältnisse

LED-Lampen: Schwierige Lichtverhältnisse

Von Martin Rapp

Die Zeiten der Glühbirne sind vorbei, in Zukunft machen LEDs das Licht. Doch Leuchtdiode ist nicht gleich Leuchtdiode. Auch hier gibt es Unterschiede in der Qualität. Die liegen vor allem in der Haltbarkeit.

Eines hat sich durch den Ersatz von Glühbirnen durch lichtemittierende Dioden (LED) mindestens verändert: Die Frage der richtigen Beleuchtung ist deutlich komplexer geworden. War früher nur wichtig, welche Wattzahl die Birne hatte und ob sie in die richtige Fassung passt, sind jetzt ganz andere Parameter von Bedeutung. Und die bestimmen über die Qualität der angebotenen Lampen.

Die Art des Lichts

Wie stark die LED leuchtet, gibt der Lumen-Wert an. Je größer der Wert, desto heller die Lampe. Eine LED mit rund 700 Lumen strahlt so stark wie eine 60-Watt-Glühbirne. Die Farbtemperatur wird in Kelvin angegeben. Hier gilt: Je höher der Wert, desto kühler wirkt das Licht. Viele Menschen wünschen sich warmweißes Licht, wie es die Glühbirnen erzeugt haben. Das wird bei 2.700 bis 3.000 Kelvin erreicht. Daneben ist auch der Abstrahlwinkel der Lampe wichtig. Er gibt an, in welchem Winkel der Lichtkegel mindestens die Hälfte der maximalen Lichtstärke erreicht. Je nach Einsatzzweck können Werte von 35 Grad für einen Lichtspot bis 120 Grad für eine Raumausleuchtung sinnvoll sein. Durch verstellbare Schalter lässt sich das Licht von Glühbirnen und Halogenlampen stufenlos in seiner Stärke regulieren. Diese Dimmbarkeit ist bei LEDs technisch schwieriger zu lösen. Auf der Verpackung ist daher angegeben, ob das jeweilige Modell dimmbar ist und mit welchen Schaltgeräten sich die Lichtstärke regeln lässt.

Die Haltbarkeit

Wie das Licht beschaffen ist, macht die eine Seite der Qualität einer LED aus. Die andere ist die, wie lange die LED-Lampe diese Parameter erfüllt, also wie lange sie wie angegeben leuchtet. Hier liegt neben dem deutlich niedrigeren Stromverbrauch der zweite Vorteil von LEDs gegenüber den Glühbirnen: Sie halten deutlich länger. Wenn man von einer durchschnittlichen Brenndauer von 1.000 Stunden im Jahr ausgeht, versprechen die meisten Hersteller eine Lebensdauer, die deutlich über die gesetzliche Gewährleistungsfrist von zwei Jahren hinausgeht. Üblich sind Modelle, die angeblich 10.000 bis 20.000 Stunden in Betrieb sein können, aber auch bis zu 40.000 Betriebsstunden werden auf den Verpackungen versprochen. Wenn eine LED also schon vorher ihren Geist aufgibt, dann handelt es sich entweder um übermäßige Nutzung einer weniger haltbaren Lampe oder um Fabrikationsfehler bzw. Transportschäden.

Nicht das billigste Angebot nehmen

Deshalb warnen Experten auch vor sehr billigen Angeboten. Häufig werden Restposten oder Auslaufmodelle zum Verkauf gestellt, die von der schnellen technologischen Entwicklung überholt sind. Solche Lampen nutzen die Energie weniger effizient, machen schlechteres Licht und halten weniger lang. Wirklich billig hergestellte Produkte weisen zudem Verarbeitungsmängel auf. Wenn zum Beispiel in den Lötstellen Sauerstoff eingeschlossen ist, brechen sie schneller. Auch die Frage des Wärmemanagements ist für die Haltbarkeit von Bedeutung. Denn je wärmer die Lampe im Betrieb wird, desto höher ist der Verschleiß. Einige Hersteller setzen deshalb darauf, die Lampe außen mit Rippen zu versehen, um die Hitze schneller abzugeben. Aber auch eine glatte Oberfläche muss nicht bedeuten, dass die Lampe zu schnell heiß läuft.

Lebensdauer ist nicht gleich Lebensdauer

Was gute von schlechten LEDs außerdem unterscheidet: Wie schnell und wie stark das Licht seine Stärke verliert. Die meisten LEDs werden wegen ihrer Robustheit gar nicht ausfallen, sondern ausgetauscht werden, weil sie wie jedes Leuchtmittel einfach in ihrer Leistung nachlassen. Die Herstellerangaben zu den Betriebsstunden sind allerdings schwierig zu überprüfen. Deshalb sollte man wenigstens den eigenen Anspruch des Herstellers im Datenblatt des Produkts prüfen. Während bei manchen LEDs das Erreichen der Lebensdauer nämlich bedeutet, dass die Lampen zu diesem Zeitpunkt noch 70 Prozent leisten und nur jede zehnte ausgefallen ist (L70/B10), wählen andere Hersteller die Angabe L50/B50. Da garantiert die angegebene Stundenzahl deutlich weniger: Die Lampen emittieren nach den angegebenen Stunden nur noch die Hälfte der Leuchtstärke und jede zweite ist ganz ausgefallen.

Fünf Tipps für gutes Licht

LEDs verbrauchen ein Zehntel der Energie einer klassischen Glühbirne. Man bekommt die "Licht-emittierenden Dioden" inzwischen überall und für jeden Zweck. Allerdings macht nicht jede LED wohnliches Licht. Man sollte beim Kauf deshalb einige Dinge beachten.

Leuchten in einem Wohnzimmer

Warmes Licht fürs Wohnzimmer. Je nachdem, wie das Farbspektrum einer Lampe aufgebaut ist, erscheint uns ihr Licht eher kalt und grell - oder warm und wohlig. Diese sogenannte Farbtemperatur misst man in Kelvin (K). Für die Beleuchtung des Wohnzimmers empfiehlt sich warmes Licht - idealerweise findet sich auf den Leuchtmitteln dann der Hinweis auf 2.700 bis 3.000 Kelvin oder "warm-weiß".

Warmes Licht fürs Wohnzimmer. Je nachdem, wie das Farbspektrum einer Lampe aufgebaut ist, erscheint uns ihr Licht eher kalt und grell - oder warm und wohlig. Diese sogenannte Farbtemperatur misst man in Kelvin (K). Für die Beleuchtung des Wohnzimmers empfiehlt sich warmes Licht - idealerweise findet sich auf den Leuchtmitteln dann der Hinweis auf 2.700 bis 3.000 Kelvin oder "warm-weiß".

Auf einen hohen Farbwiedergabe-Index achten. Die Lichtqualität messen Fachleute mit dem Farbwiedergabe-Index, dem sogenannten Ra-Wert. Dieser gibt an, wie brillant und farbtreu Farben im Licht einer Lampe zu sehen sind. Bei hochwertigen Produkten ist der Ra-Wert auf der Packung angegeben. Glühbirnen haben Ra-Werte von bis zu 100 Prozent. Das entspricht optimalem Licht, das dem Sonnenlicht ähnelt. LEDs sollte Ra-Werte von mindestens 80, besser noch 90 Prozent haben. Leuchtmittel mit niedrigeren Werten eigenen sich eher nicht, um Wohnräume zu beleuchten. Doch auch bei einem gutem Ra-Wert kann es Probleme geben: Bestimmte Farben, zum Beispiel sattes Rot oder die Farbe der menschlichen Haut, werden mit dem Farbwiedergabe-Index nicht erfasst. So kann es passieren, dass die Haut im Licht trotz eines guten Ra-Werts blass und fahl aussieht. Deshalb:...

Nicht zu viele LEDs auf einmal kaufen. LEDs enthalten immer aus Einzelfarben komponiertes Licht - und deshalb sind sie beleuchtungs-technisch eine Art Black Box. Denn was genau drin steckt, weiß nur der Hersteller, der das Lichtspektrum zusammenstellt. Darum: Nicht gleich fünf LEDs auf einmal kaufen, sondern erst mal einzelne Zuhause ausprobieren. Wer skeptisch ist, kann noch auf Halogen-Lampen zurückgreifen. Auch die nächste LED-Generation wird sicher noch wohnlicher leuchten - denn die Technik dafür gibt es längst. Es ist aber alles, wie so oft, eine Frage des (Herstellungs-)Preises.

Vorsicht vor Blaulicht. LEDs dürfen nicht zu viel Blaulicht-Anteil haben. Blaulicht kann die Netzhaut des Auges schädigen, den Hormonhaushalt und den Schlafrhythmus durcheinanderbringen. Problematisch sind vor allem Billigprodukte aus Fernost, die den europäischen Sicherheitsbestimmungen nicht genügen. Bei Produkten mit dem CE-Zeichen garantiert der Hersteller, dass er die EU-Normen einhält, die den Blaulichtanteil beschränken. Zusätzlich kann man auf das GS-Zeichen achten, das "Geprüfte Sicherheit" garantiert.

Bei Kompaktlampen: Umtausch einkalkulieren. Mit den LEDs ist auch eine neue Leuchten-Generation auf den Markt gekommen. In ihnen sind LEDs fest verbaut. Nachteil: Ist die LED kaputt, kann man die Leuchte im Prinzip wegschmeißen. In Tests des TÜV Rheinland zeigen zudem 10 bis 20 Prozent solcher Kompaktlampen Mängel: schlechte Isolierungen, lose Leitungen, Stromschlaggefahr. Zudem haben die TÜV-Prüfer festgestellt, dass einige Leuchten schon nach sehr kurzer Zeit ausfallen, weil meist die Elektronik versagt - dabei sollen LEDs eigentlich 20.000 bis 50.000 Stunden lang leuchten. Deshalb sollte man Lampen und Leuchten nur da kaufen, wo man im Zweifelsfall auch reklamieren kann.

Stand: 05.10.2016, 16:00