Trügerische Hoffnung

Hände halten Euroscheine über einen Lebensversicherungsordner

Lebensversicherungen

Trügerische Hoffnung

Deutschland - das Land der Lebensversicherten. Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mehr als einen Vertrag. Die Kunden wurden mit großen Versprechungen geködert, doch die erweisen sich immer öfter als haltlos.

Die gute, alte Lebensversicherung ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Heute scheint sie nur noch alt, also altersschwach geworden zu sein. Da lassen die Kräfte nach. Und die Lebensversicherung hat an Sparkraft eingebüßt. Weil die Zinsen an den internationalen Kapitalmärkten seit geraumer Zeit sehr niedrig sind, verdienen die Versicherungsunternehmen mit den Beiträgen immer weniger Geld. In der Lebensversicherung wird den Kunden deshalb nur noch maximal ein Zins von 1,25 Prozent versprochen. Viele Unternehmen preisen diese Form der Altersvorsorge deshalb gar nicht mehr offensiv an.

Geplatzte Träume

Der niedrigere Garantiezins ist allerdings ein Problem neuer Verträge. Da kann jeder beim Abschluss überlegen, ob eine andere Anlageform nicht lukrativer ist. Schwieriger ist es dagegen, wenn man bereits einen Vertrag hat, der bei der Unterschrift und in den ersten Jahren mit hohen Auszahlungsbeträgen lockte – die jetzt rapide sinken. Viele Träume fürs Alter lösen sich da schnell in Luft auf.

Die Zeitschrift "Finanztest" (Ausgabe 2/2016) hat bei einer Umfrage unter ihren Lesern 92 Antworten erhalten. Die Beispiele zeigen, dass voraussichtlich bei einigen am Vertragsende nur knapp die Hälfte von dem ausgezahlt wird, was zu Anfang versprochen wurde. Wobei "versprochen" nach Ansicht der Versicherungsunternehmen auch das falsche Wort ist. Tatsächlich haben sie nur eine Prognose für die so genannte Überschussbeteiligung abgegeben und jährlich erneuert. Im Nachhinein stellte sich die Prognose aber als zu optimistisch herausstellte.

Zur Erläuterung: Bei einer Lebensversicherung werden die Beiträge der Kunden investiert. Kommt dabei mehr heraus, als allen gemeinsam garantiert wurde oder fallen etwa weniger Kosten als angenommen an, entstehen beim Versicherungsunternehmen Überschüsse. Daran werden die Kunden beteiligt und die Unternehmen geben regelmäßig Prognosen dazu ab, wie hoch dieser Anteil ausfallen könnte.

Falsche Erwartungen

Das Problem für die Kunden: Bei ihnen wurden mit Formulierungen wie "die Überschussbeteiligung hat folgende Höhe erreicht" Hoffnungen geweckt, die sich nicht mehr erfüllen. Die Versicherungsunternehmen erwirtschaften immer weniger Überschüsse und müssen zudem größere Reserven zurückhalten, um die früher höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen durch die neuen Beiträge finanzieren zu können.

Nicht zu früh kündigen

Wer seine Überschussbeteiligung auf den jährlichen Standmitteilungen jetzt dahinschmelzen sieht, sollte aber auf keinen Fall übereilt kündigen. Gerade in den ersten Jahren eines Lebensversicherungsvertrags erhält man dann weniger zurück, als bis dahin eingezahlt wurde. Steht der Vertrag kurz vor der Auszahlung, sollten Kunden auf jeden Fall durchhalten. Wenn die Überschüsse schon geringer ausfallen als gedacht, dann sollte man auf den Schlussüberschuss jedenfalls nicht verzichten. Den gibt es aber nur am Ende der Laufzeit.

Sicher ist nur die Garantie

Eine zweite Möglichkeit ist – so Experten von "Finanztest"-, für die eingezahlten Beiträge mehr Zinsen zu bekommen. Das gelingt, wenn die monatliche Zahlungsweise auf jährlichen Rhythmus umgestellt wird. Dann werden alle Beiträge eines Jahres auf einen Schlag überwiesen – und verzinsen sich dann auch gleich dieses ganze Jahr. Sonst gehen die Teilbeiträge nur ab dem Monat der Einzahlung in die Rechnung ein – im Dezember also elf Monate weniger als bei Zahlung zu Jahresbeginn.

Was einen Vertrag auch unnötig verteuert, sind Zusatzpolicen. So wurden manchen Verträgen noch Unfallversicherungen aufgepfropft. Die sind nach Ansicht von "Finanztest" meist nicht sinnvoll und häufig nicht gerade preisgünstig.

Sinnvoll kann es aber sein, sich den Vertrag noch einmal vorzunehmen und an einigen Stellen zu optimieren. So ist zum Beispiel die dynamische Beitragserhöhung nicht in allen Fällen vorteilhaft. Hierbei werden automatische Beitragssteigerungen über die gesamte Vertragslaufzeit vereinbart. Weil die Versicherungsunternehmen aber für jede Veränderung hohe Kosten verbuchen, reicht die verbleibende Zeit eventuell nicht mehr aus, um mit den höheren Einzahlungen den Sparbetrag zu vergrößern.

Zudem können Art und Termin der Auszahlung bares Geld bedeuten. Die Auszahlung einer Rentenversicherung in Monatsraten lohnt sich erst dann wirklich, wenn der Kunde sehr alt wird. Vererbt werden kann der Rentenanspruch nicht – der auf einmal ausgezahlte Gesamtbetrag dagegen schon. Wer seine Lebenskosten mit anderen Einnahmen wie gesetzlicher Rente oder Mieteinnahmen bestreiten kann, der kann auf die gestückelte Auszahlung verzichten.

Außerdem gilt es, steuerliche Effekte zu berücksichtigen. So haben Berufstätige meist einen höheren Steuersatz als Rentner. Wer die Wahl hat und die Auszahlung nach hinten schieben kann, spart bei der Besteuerung schnell einen ordentlichen Geldbetrag. Der generelle Tipp: Und was jeder, ob am Anfang oder Ende einer Lebensversicherung, beherzigen sollte: Nur die garantierte Leistung ist sicher. Wer die Überschüsse schon im Geist ausgegeben hat, sollte diese Wünsche erst einmal zurückstellen.

Stand: 18.01.2016, 09:57