So wird aus Husten keine Bronchitis

Hausmittel gegen Husten

So wird aus Husten keine Bronchitis

Von Friederike Nehrkorn

Das Schmuddelwetter draußen und überhitzte Räume drinnen stellen unser Immunsystem zurzeit auf eine harte Probe. Egal ob im Büro, in der Bahn oder im Supermarkt – überall wird gehustet. Wir geben Tipps, wie aus dem harmlosen Husten keine massive Bronchitis wird.

„Wegen so einem bisschen Husten werde ich doch nicht Zuhause bleiben“, denken viele. Dabei ist der Husten nicht immer nur Anzeichen für eine harmlose Erkältung, sondern oft auch für eine viel gefährlichere Bronchitis. „Ein bis zweimal im Jahr hat jeder Erwachsene eine akute Bronchitis", schätzt Andreas Hellmann, Vorsitzender des Bundesverbands der Pneumologen (BdP) in Heidenheim. Damit ist die akute Bronchitis die häufigste Atemwegserkrankung in Deutschland, in der kalten Jahreszeit erkranken  rund 160 von 100.000 Menschen pro Woche.

Tipps bei und gegen Erkältung

Schuld ist oft das schlechte Wetter, denn bei niedrigen Temperaturen bekämpft unser Abwehrsystem Krankheitserreger langsamer und der Wechsel zwischen kalter, feuchter Luft im Freien und trockener, warmer Luft in geheizten Räumen, setzt den Schleimhäuten zu. Die häufigsten Beschwerden bei akuter Bronchitis, sind Husten und ein zähflüssiger Auswurf, manchmal kommt es auch zu Fieber und Bruststechen. Werden die Symtome auf die leichte Schulter genommen, besteht die Gefahr einer Lungenentzündung, die im schlimmsten Fall tödlich verlaufen kann.

Servicezeit vom 06.01.2016

Eine Frau putzt sich die Nase.

Bronchitis ist die häufigste Atemwegserkrankung.

Bronchitis ist nicht gleich Bronchitis

Wir unterscheiden zwischen zwei Arten von Bronchitis: die virale und die chronischen Bronchitis. Bei beiden Erkrankungsformen handelt es sich um eine Entzündung der unteren Atemwege, zu der die Bronchien gehören. Die Bronchien beginnen mit zwei Hauptästen und zweigen sich in den Lungen immer weiter auf. In den Bronchien wird die Luft erwärmt, angefeuchtet und gereinigt. Die Bronchialschleimhäute sind mit vielen Flimmerhärchen ausgestattet und mit einem schleimigen Film überzogen. Sie reinigen die Bronchien von Schmutzpartikeln und Krankheitserregern. Befallen nun Bronchitiserreger die Schleimhaut der Atemwege, können Verunreinigungen nicht mehr ausreichend entfernt werden. Die Folge: die Schleimhäute schwellen an und entzünden sich. Der Erkrankte hustet viel, erst trocken, dann mit Auswurf. Begleitet wird der Husten einer akuten Bronchitis oft durch ein Brennen hinter dem Brustbein, Fieber, Gliederschmerzen, Schnupfen und Heiserkeit.

Virale Bronchitis

Die unkomplizierte oder auch virale Bronchitis klingt normalerweise nach 8-14  Tagen ab. Der Patient sollte viel trinken (3-4 Liter), mit Kamille, Kochsalzlösung oder schleimlösenden Mitteln inhalieren - Brustwickel und Schwitzkuren fördern die Genesung. Aber vor allem muss sich der Erkrankte schonen. Ein gesunder Organismus schafft es dann, die Viren ohne Hilfsmittel loszuwerden. Nimmt man eine virale Bronchitis auf die leichte Schulter und kuriert sich nicht richtig aus, kann es zu einer Superinfektion kommen. Dann kommen Bakterien mit ins Spiel. Sie setzen sich auf die durch Viren geschwächten Schleimhäute der Bronchien. Gelblicher oder grüner Auswurf ist ein sicheres Zeichen für eine bakterielle Bronchitis, die mit Antibiotikum behandelt werden muss. Anhand eines Nasen- und Rachenabstrichs kann der Arzt erkennen, um welches Bakterium es sich genau handelt und gezielt ein Antibiotikum einsetzen.

Chronische Bronchitis

Von einer chronischen Bronchitis spricht man nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO, wenn man in zwei aufeinander folgenden Jahren mindestens drei Monate hindurch hustet und dabei Auswurf produziert, der aus einem weißen oder gelblichen, zähen Schleim besteht. Durch die dauerhafte Entzündung der Bronchien schwellen die Verästelungen an, die Atemwege verengen sich, und die Luft kann immer schwerer eingeatmet und auch wieder ausgeatmet werden. Das schädigt nicht nur die Bronchien, sondern in weiterer Folge auch das Gewebe der Lunge. Sie kann nicht mehr richtig arbeiten, und es kommt zu einem Sauerstoffmangel, der wiederum das Herz in den Krankheitsprozess mit einbezieht. 90 Prozent der Erkrankten an chronischer Bronchitis sind Raucher. Sie müssen mit dem Rauchen aufhören, wenn sie ihre Bronchitis loswerden wollen.

Wie kann man sich schützen?

Die Viren, die eine Bronchitis verursachen, werden per Tröpfcheninfektion oder Schmierinfektion leicht verbreitet, beispielsweise beim Händeschütteln mit einem Erkrankten. Prävention ist dabei gar nicht so schwer.Wer sich mehrmals täglich gründlich die Hände wäscht, bleibt von vielen Viren verschont.

Trockene Luft, zum Beispiel in beheizten oder klimatisierten Räumen, reizt die Atemwege und trocknet die Schleimhäute aus. Das wiederum kann das Risiko für Atemwegsinfekte erhöhen. Deswegen sollten Sie im Winter immer für ein gutes Raumklima sorgen und zwischendurch stoßlüften oder ein Gefäß mit Wasser auf die Heizung stellen, was für eine feuchtere Luft sorgt. Aber auch Kälte kann sich ungünstig auf die Bronchien auswirken. Denn kalte Luft ist trockener und so verengen sich auch hier die Bronchien. Ein dünner Schal vor Mund und Nase kann Abhilfe schaffen und atmen Sie unbedingt durch die Nase ein, damit die Luft vorgewärmt wird.

Was tun, wenn es mich erwischt hat?

Greifen Sie bei einer akuten Bronchitis nicht gleich zu Medikamenten. Es sei denn, Sie können vor lauter Husten kein Auge zu machen, dann sind Hustenstiller schon mal angebracht. Die sind aber nur nachts zu empfehlen, damit Sie tagsüber den Schleim abhusten können. Und auf keinen Fall sollten sie Hustenlöser und Hustenstiller zusammen einnehmen.

Obwohl Erkältungen meist durch Viren ausgelöst werden, verschreiben Ärzte noch immer häufig chemische Antibiotika. Doch diese wirken nur gegen Bakterien. Fordern Sie daher nicht die Verschreibung ein oder und fragen Sie kritisch nach, wenn Sie dennoch ein Antibiotikum verordnet bekommen. 

Eine Tablette wird aus einer Packung raus gedrückt.

Antibiotiker haben zahlreiche Nebenwirkungen.

Denn: Antibiotika haben zahlreiche Nebenwirkungen, sie schädigen beispielsweise die Darmflora - und damit das Immunsystem. Nehmen Sie zu oft Antibiotika ein, besteht zudem die Gefahr dass Sie Resistenzen entwickeln  – im Notfall wirken die Antibiotika dann nicht mehr.

Bei Erkältungskrankheiten ist daher der Einsatz von entzündungshemmenden pflanzlichen Medikamenten sinnvoll.

Wirksame Hausmittel

1. Senfwickel

Da Senf eine ableitende Wirkung hat, werden aufgrund der Anregung des Kreislaufs und der Atmung Entzündungsprodukte aus dem Körper ausgeschieden. Senfmehl wirkt zudem schmerzstillend und krampflösend.

Um den Senfwickel vorzubereiten, können Sie entweder schon fertiges Senfmehl aus der Apotheke besorgen oder selbst 100 g schwarze Senfkörner in einem Mixer oder einer Mühle zermahlen. Anschließend mit warmen Wasser aufgießen, zu einem Brei verrühren und kurz ziehen lassen. Den Brei nun auf ein Tuch aufstreichen. Alternativ können Sie das Senfmehl auch in das mittlere Drittel des Tuchs streuen, die Ränder darüber einschlagen und das Tuch vorsichtig in etwa 50°C warmes Wasser tauchen.

Den Wickel nur wenige Minuten auf der Haut liegen lassen. Er entwickelt schnell eine wohltuende Wärme, kann aber auch, wenn er zu lange wirkt, zu Verbrennungen führen. Aufgrund der reizenden Wirkung sollten Senfwickel nicht bei Kindern oder Schwangeren angewendet werden.

2. Quarkwickel

Ein Quarkumschlag als Medikament ist nicht nur billig, sondern auch leicht zuzubereiten. Dabei löst Quark den Hustenschleim und lindert Hustenkrämpfe.

Der Quark wird erwärmt und auf die Haut gelegt, mit einer Küchenfolie und anschließend mit einem Handtuch eingewickelt. Wenn der Quark in seiner Substanz nach einiger Zeit bröckelig geworden ist, wird der Umschlag wieder abgenommen. Aufgrund seiner hohen Wärmekapazität fördert ein Quarkumschlag die Durchblutung ungemein.

3. Kartoffelwickel

Kartoffeln sind hocheffektive Wärmespeicher. Sie übertragen Feuchtigkeit und Wärme auf die Haut und üben über Reflexwege einen intensiven Wärmereiz auf den Bronchialbereich aus. Ein einfaches Hausmittel sind feucht-heiße Auflagen von pürierten Kartoffeln auf die Brust. Mit einem feuchten und darüber einem trockenen Handtuch abdecken.

4. Kapuzinerkresse

Noch eine weitere Pflanze verspricht bei Bronchitis Linderung: die Kapuzinerkresse. Ihre Blätter enthalten Benzyl-Senföle, die gegen Krankheitserreger helfen. Die Kresse zu Salaten hinzuzugeben und unbedingt roh genießen. Für einen therapeutischen Effekt täglich etwa 40 Gramm verzehren. Wem das zu viel ist: Kapuzinerkresse gibt es als Fertigarzneimittel in Form von Filmtabletten.

5. Inhalieren

Das Inhalieren mit Kochsalzlösung oder Kamillenblütenhat sich bei Bronchitis als heilsam bewährt. Der Wasserdampf löst hartnäckige Krusten, sorgt für eine Befeuchtung der Schleimhäute und verbessert den Abtransport von Schleim und lassen Sie wieder befreit Durchatmen.

Tipps für richtiges Inhalieren:

1) Immer mit dem Mund ein- und durch die Nase wieder ausatmen! Ansonsten führt der 80°C heiße Wasserdampf dazu, dass die Nase komplett zuschwillt und der Schleim mitsamt den Erregern in die Bronchien gelangt. Beim Einatmen durch den Mund kühlt sich der Wasserdampf auf seinem Weg durch die Lunge bis zur Nase wieder ab, die ätherischen Öle können ihre Wirksamkeit entfalten und der Schleim wird heraus transportiert.

2) Wenn es der Tagesablauf zulässt, eignen sich als Zeitpunkt für das Inhalieren bei Bronchitis der Morgen, um Verkrustungen in den Atemwegen abzubauen, und der Abend, um mit befreiten Atemwegen besser einschlafen zu können.

Salzgrotte

Entspannung für Körper und Seele: in vielen deutschen Städten gibt es mittlerweile künstlich angelegte Salzgrotten -  mit einem ganz besonderen Mikroklima, das der salzigen Meeresgischt nachempfunden ist. Durch das Einatmen des mineralhaltigen Nebels, der 5 bis 10% Salz enthält, werden die Schleimhäute besser durchblutet. So verbessert sich wie beim Inhalieren der Abtransport des Schleims. Die Wirkung der Salzgrotten ist wissenschaftlich nicht belegt. Doch berichten Patienten immer wieder, dass es ihnen nach einem Aufenthalt im Salzraum wesentlich besser geht.

Liegen in einer Salzgrotte

Das besondere Mikroklima in der Salzgrotte ist der salzigen Meeresgischt nachempfunden.

Mit einer dicken Erkältung hat man hier allerdings nichts verloren, aber zur Erholung und Vorbeugung eignet sich die Salzgrotte perfekt.

Bettruhe

Am besten helfen bei einer Bronchitis Geduld, Bettruhe bzw. Schonung und vor allem ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Viel Trinken, vor allem Mineralwasser und Tee sind wichtig, um den Schleim zu lösen.Hält der Husten länger als zwei Wochen anhält, unbedingt zum Arzt.

Wichtige Adressen und Links

Deutsche Atemwegsliga

Die Atemwegsliga publiziert aktuelle Empfehlungen zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, und hat Tipps zum richtigen Inhalieren:
Deutsche Atemwegsliga e.V. – Geschäftsstelle
Burgstr. 12
33175 Bad Lippspringe
E-Mail: kontakt@atemwegsliga.de 
http://www.atemwegsliga.de/richtig-inhalieren.html

Deutsche Lungenstiftung

Die Lungenstiftung ist auf Initiative von Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie 1994 gegründet worden und bietet vielfältige Informationen für Patienten zum Herunterladen oder Bestellen sowie praktische Tipps für den Alltag.
Deutsche Lungenstiftung
Herrenhäuser Kirchweg 5
30167 Hannover

Telefon: 0 511 / 21 55 110
Telefax: 0 511 / 21 55 113

E-Mail: deutsche.lungenstiftung@t-online.de
Internet: www.lungenstiftung.de 
Zum Herunterladen der Faltblätter: http://lungenstiftung.de/index.php?id=43

Kinderärzte-im-Netz

Wer sich genauer über die spezielle Behandlung von Kindern mit akuter Bronchitis interessiert, findet ausführliche, fachlich fundierte und doch laienverständliche Auskunft auf der Internetseite des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V.(BVKJ)

www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/bronchitis/

Stand: 06.01.2016, 10:09