Handwerker-Stichprobe: Was tun, wenn der Durchlauferhitzer streikt

Handwerker-Stichprobe: Was tun, wenn der Durchlauferhitzer streikt

Von Marco Jankowski

Wenn das Wasser in Bad oder Küche plötzlich kalt bleibt, dann ist das Problem oft der Durchlauferhitzer. Wenn er nicht mehr richtig funktioniert, muss ein Handwerker helfen - doch wie gut arbeiten die? Wir haben es mit versteckter Kamera getestet.

Die Testanordnung

Unser Testgerät ist ein hydraulisch gesteuerter Standard-Durchlauferhitzer, sieben Jahre alt, gut in Schuss –  ein Austausch lohnt noch nicht. Dennis Meisen, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Sanitärhandwerk, hat einen mechanischen Defekt eingebaut, wie er bei häufiger Bewegung des Heizschalters auftreten kann: Die Arretierung im Gerät ist hinten herausgesprungen. Der Kunde kann also warm schalten, so viel er möchte – der Durchlauferhitzer arbeitet immer nur auf der niedrigsten Stufe. Die Folge: Lauwarmes Wasser. Für das Handwaschbecken ausreichend – für die morgendliche Dusche oder das Bad am Abend aber viel zu kalt. Wir beauftragen drei vermeintliche Fachfirmen, die den Fehler beheben sollen.

Fazit

Das Ergebnis ist vernichtend: Gerade eine der drei Firmen beschäftigt sich wirklich mit dem Fehler, identifiziert ihn nach wenigen Minuten und behebt ihn vor Ort. Kostenfaktor: rund 50 Euro netto. Ein fairer Preis. Die anderen beiden Firmen allerdings zeigen ein anderes Bild: Kaum ist die Kundin aus dem Sichtfeld und der Handwerker alleine, wird klar, dass hier keiner ein Interesse an einer Reparatur hat. Nach wenigen Minuten kommen sie zu dem Schluss: Das Gerät muss raus. Komplettaustausch! Kosten von 400 bis 500 Euro für einen simplen Fehler. Besonders dreist: Einer der Handwerker hat „zufällig“ auch schon ein Austauschgerät dabei.

Durchlauferhitzer-Test

In der Klappe oder unter dem Durchlauferhitzer steht das Typenschild, anhand der Hersteller einschätzen kann ob eine Reparatur oder ein Austausch sinnvoll ist.

Wie findet man einen guten Handwerker?

Wer keinen „Handwerker des Vertrauens“ hat und sich nicht wirklich mit dem eigenen Durchlauferhitzer auskennt, ist Installateuren trotzdem nicht hilflos ausgeliefert. Als erster Schritt  hilft ein Anruf beim Hersteller des Geräts weiter. Dazu braucht man das sogenannte "Typenschild", das in der Regel unterhalb des Geräts oder in einer der Klappen eingeklebt ist. Dort findet man eine "Typennummer", die man dem Hersteller durchgibt. Anhand dieser Nummer kann er prüfen: Wie alt ist das Gerät, welche Produktionsreihe, sind Ersatzteile noch lieferbar, macht ein Komplettaustausch Sinn oder arbeitet das Gerät noch energieeffizient?

Mit ein wenig Eigenrecherche kann man sich als Kunde ein Grundwissen zum Gerät aneignen. Das schafft Sicherheit und verhindert, dass der Handwerker einen vor Ort mit Falschinformationen überrumpeln kann. Lassen Sie den Handwerker nicht sofort wissen, dass Sie bereits vorab informiert sind – so können Sie testen, ob der Installateur von sich aus ehrlich und kundenfreundlich vorgeht, oder nur etwas aufschwatzen will.

Handwerker

Meist kann der Durchlauferhitzer repariert werden ohne ihn gleich teuer zu ersetzen.

Finger weg von „Vermittlungs-Services“

In unserer Stichprobe sind wir auf ein kurioses Geschäftsmodell gestoßen: Callcenter-Nummern, die sich als „kompetentes Handwerker-Netzwerk“ präsentieren, deren einzige Arbeit lediglich darin besteht, den Kunden für die Handwerkervermittelung abzukassieren. Ein sehr fragwürdiges Modell, findet unser Experte, denn hier hat der Kunde nun wirklich keinerlei Transparenz, was das für Betriebe sind, die dann vermittelt werden sollen. Es gibt keine einsehbaren Qualitätskriterien, nach denen diese Firmen Handwerksbetriebe aussuchen. Ob dann wirklich ein Fachbetrieb auf der Matte steht oder nur irgendein Allround-Hausmeisterservice oder ähnliches, ist am Ende reines Glücksspiel.

Dazu ein teures: In unserem Fall wurden für die Vermittlung alleine 65 Euro als Gebühr aufgerufen. Darin enthalten sind weder die Handwerkerrechnung selbst, noch deren Anfahrtskosten oder ähnliches. Kurzum: Man zahlt doppelt. Und zwar nur dafür, dass irgendein Callcenter Ihnen die Arbeit abnimmt, das Telefonbuch oder die Internetsuche zu bemühen.

Stand: 03.02.2016, 09:43