Ärger mit Rabatt-Reisegutscheinen

Die Gutschein-Falle

Ärger mit Rabatt-Reisegutscheinen

Von Tobias Spelz

Es klingt verlockend: für den nächsten Urlaub verschenkt der Reiseanbieter Geld. Gutscheine sind auch bei Urlaubsreisen ein beliebtes Mittel, um Kunden zu werben und sie durch den Preisvorteil zur Buchung zu bewegen. Nicht immer funktioniert die Auszahlung allerdings reibungslos.

Seit über einem Jahr melden sich verzweifelte und verärgerte Servicezeit-Zuschauer bei uns in der Redaktion. Der Grund: die Gutschein-Auszahlungspraxis des Reiseanbieters „ab-in-den-urlaub.de“, der zu Unister gehört. Zahlreiche Kunden warten auf das Geld der Gutscheine teilweise monatelang.

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Was kann man tun?

Ist der Gutschein online eingelöst und die Bankverbindung hinterlegt (Achtung: sehr genau auf die korrekten Angaben achten!), sollte der Auszahlung nichts im Wege stehen. Wenn das Geld nach einiger Zeit – entweder die Zahlungsfrist, die auf dem Gutschein vermerkt ist oder ansonsten eine Frist von etwa drei Wochen – nicht auf dem Konto ist, sollte der Kunde schriftlich mahnen und hierbei für die Zahlung eine genaue Frist setzen. Zwei-Wochen-Frist nach Versendung des Schreibens sind genug. Das kann jeder selber machen ohne einen Anwalt einschalten zu müssen, sagt Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel.

Reisegutschein mit Mausefalle

Führt zu Verärgerungen: Die Gutschein-Auszahlungspraxis dieses Reiseanbieters

Die Mahnung sollte, damit man später einen Beweis in der Hand hat, unbedingt per Brief erfolgen und am besten per Einschreiben mit Rückschein oder Einwurfeinschreiben versandt werden. Leider kostet das Geld, weshalb die meisten davor zurückschrecken. Ist dann die Zahlung immer noch nicht auf dem Konto, kann unter www.online-mahnantrag.de ein Mahnbescheid beantragt werden. Den fertigen Mahnbescheid ausdrucken, unterschreiben und per Post an das zuständige Mahngericht verschicken (wird automatisch eingefügt).

Nachdem der Mahnbescheid zugestellt ist, kann der Gegner entweder Widerspruch einlegen. Nach Ablauf von 14 Tagen ab der Zustellung kann der Verbraucher einen Vollstreckungsbescheid beantragen. Das hierfür benötigte Formular erhält der Antragsteller zusammen mit der Nachricht über die erfolgte Zustellung des Mahnbescheids. Auch jetzt kann Einspruch innerhalb einer zweiwöchigen Frist eingelegt werden und der Anspruch ist schriftlich zu begründen. Zur Begründung muss nur auf die angetretene Reise und den Einlöseversuch des Gutscheins, am besten mit Beleg durch Screenshots oder Ähnliches verwiesen werden.

Möglich ist es auch, direkt zu klagen. Die Klage muss dann an das zuständige Amtsgericht gerichtet werden und zwar gegen denjenigen, der den Gutschein ausgestellt hat. Insoweit bedarf es auch hier noch nicht einmal eines Anwalts, weil der Sachverhalt einfach ist. Der Kunde muss nur in die Klage schreiben, gegen wen sie sich richtet, wer Kläger ist und dass er die Zahlung des Gutscheinbetrages, den er genau benennen sollte, verlangt. Er sollte auch beantragen, dass der Anbieter die Kosten des Verfahrens tragen muss.

Zur Begründung muss hier erneut nur auf die angetretene Reise, den Einlöseversuch des Gutscheins, am besten mit Beleg durch Screenshots oder Ähnliches verwiesen werden. Außerdem müssen Gerichtskosten eingezahlt werden. Dies kann man am Einfachsten durch Scheck oder durch Überweisung an das zuständige Amtsgericht vornehmen. Das Amtsgericht verschickt dann eine Gerichtskostenrechnung. Gewinnt der Kunde das Verfahren, muss der Anbieter diese Kosten übernehmen. Die Gerichtskosten, die vorauszuzahlen sind, belaufen sich bei einem Streitwert von EUR 100,00 auf EUR 105,00.

Stand: 04.01.2016, 11:52