Schönheitschirurg: "Lehne 30 Prozent der Behandlungswünsche ab"

Schönheitschirurg: "Lehne 30 Prozent der Behandlungswünsche ab"

Schönheits-Operationen sind beliebter denn je, sagt Massut Hosseini, Düsseldorfer Facharzt für plastisch-ästhetische Chirurgie. Im Interview spricht er über Nutzen und Risiken dieser Eingriffe.

WDR.de: Was sind die Vorteile ästhetischer Eingriffe?

Schönheits-Chirurg Dr. Massud Hosseini

Schönheits-Chirurg Dr. Massud Hosseini

Massud Hosseini: Die Patienten, die zu uns kommen, fühlen sich aufgrund irgendeiner Vorgeschichte nicht mehr wohl in ihrer Haut. Zum Beispiel Patienten, die viel Gewicht verloren haben und dann entsprechend die Haut an Bauch und Armen hängt. Oder junge Frauen, die für ihren zierlichen Körper einfach zu viel Busen haben. Das führt dann zu Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Haltungsbeschwerden. Vorteile für die Patienten sind insofern vorhanden, dass sie sich nach einer Operation in ihrer Haut wohler fühlen. Dem Patienten verhilft es zu größerem Selbstbewusstsein, weil unsere Gesellschaft sehr leistungsorientiert ist. Man unterstellt den Menschen, dass sie gesund sind, wenn sie gut aussehen und auch ihren Job gut machen.

WDR.de: Was sind Nachteile, wo liegen Risiken?

Hosseini: Es muss eine OP durchgeführt werden und da bestehen Risiken. Wenn zum Beispiel ein Implantat bei einer Brustvergrößerung eingesetzt wird, ist das ein Fremdkörper und das kann sich entzünden. Außerdem streben viele heutzutage Perfektion an, aber die gibt es nicht. Die Gefahr besteht, dass tatsächlich eine gewisse Sucht entsteht, weil eine Patientin mit der ersten Brust-OP nicht zufrieden ist und dann immer wieder eine OP macht. Ich bin nicht nur Chirurg, sondern ich muss auch immer mehr mit Patienten reden und zuhören, warum sich jemand operieren lassen will. Allgemein kann man sagen, dass die OP-Risiken prozentual im einstelligen Bereich liegen.

Undurchsichtige Lockangebote

WDR.de: Mit einem entsprechenden Zertifikat können auch Kosmetikerinnen zum Beispiel Falten unterspritzen. Eine medizinische Ausbildung haben sie aber nicht. Birgt das nicht auch ein Risiko?

Hosseini: Absolut. Es kommt oft vor, dass sich junge Menschen mit geringen finanziellen Mitteln auf Lockangebote auf eine Operation einlassen. Das kann zum Beispiel eine Brust-OP für 2.500 Euro sein, oder eine Unterspritzung für 80 oder 90 Euro., Man weiß nicht, an wen man gerät, denn solche Angebote sind oftmals undurchsichtig.

WDR.de: Es kommen auch Patienten zu Ihnen, die misslungene Operationen korrigieren lassen wollen. Was ist das schlimmste, was Sie in dieser Richtung schon erlebt haben?

Hosseini: Vor kurzem war eine Frau bei mir, die sich Fett an den Oberschenkeln und im Hüftbereich hat absaugen lassen. Da hat man so viel Fett entnommen, dass ihre Haut danach wie eine kraterartige Mondlandschaft aussah. Sie hatte kein Geld mehr für eine Folgeoperation. Sie muss jetzt erstmal fünf bis sieben Kilo zunehmen, damit wieder genügend Fettmasse da ist, die transplantiert werden kann. Ich habe in den letzten Jahren viel gesehen: Patienten, bei denen das halbe Implantat aus der Brust schaut, Gesichtsverbrennungen durch Laseroperationen. Am einen Tag denkt man, es kann nicht schlimmer werden, aber schon am nächsten Tag kommt ein neuer Fall, der noch einmal alles übertrifft.

Ein Eingriff darf nicht Mittel zum Zweck sein

WDR.de: Wie ist in ihren Augen die Meinung der Gesellschaft über Schönheitsoperationen?

Hosseini: Grundsätzlich ist die deutsche Bevölkerung nicht schönheitssüchtig. Die Anzahl der Schönheitseingriffe nimmt kontinuierlich, aber langsam zu. Von Jahr zu Jahr schätzungsweise fünf bis zehn Prozent. Das liegt wohl auch daran, dass das Angebot größer geworden ist. Zum Beispiel durch Billiganbieter, oder auch durch Angebote aus dem Ausland. Viele der Patienten haben eine gute Einstellung und informieren sich auch vorher über die mögliche Behandlung.

WDR.de: Welchen Menschen raten Sie von einem Eingriff ab?

Hosseini: All denjenigen, die eine falsche Vorstellung von einer Schönheitsoperation haben und nicht reif genug sind. Minderjährige kommen sowieso nicht in Frage. Ebenso Menschen mit ernsthaften Erkrankungen, sei es körperlicher oder psychischer Natur. Ein solcher Eingriff darf nicht Mittel zum Zweck sein. Ich lehne bei bis zu 30 Prozent meiner Patienten die Behandlung ab.

Massoud Hosseini ist Facharzt für plastische Chirurgie in Düsseldorf.

Das Gespräch führte Kevin Barth.

Stand: 09.09.2017, 06:00