Lohnt sich die professionelle Zahnreinigung?

Lohnt sich die professionelle Zahnreinigung?

Von Patricia Metz

Die Professionelle Zahnreinigung gehört zu den beliebtesten Selbstzahlerleistungen beim Zahnarzt. Doch seit 2012 steht sie in der Kritik: Der IGeL-Monitor der gesetzlichen Krankenkassen hat den Nutzen der regelmäßigen Entfernung von harten und weichen Zahnbelägen infrage gestellt. Sind Millionen Behandlungen für die Katz?

IGeL-Monitor – Bewertungsinstanz der gesetzlichen Krankenkassen für IGeL-Leistungen

Weil Versicherte immer wieder bei ihren Krankenkassen um Kostenerstattung von IGeL-Leistungen bitten, hat der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen den IGeL-Monitor eingeführt. Anhand verfügbarer Studiendaten wird ermittelt, ob eine Selbstzahlerleistung sinnvoll ist oder nicht. Dabei werden nur die Studien berücksichtigt, die aufgrund ihrer Probandenzahl und ihrer Methodik belastbar sind. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine objektive Analyse des Nutzens von verschiedenen individuellen Gesundheitsleistungen.

PZR-Bewertung fußt nur auf einer einzigen Studie

So kann es – wie im Falle der PZR - sein, dass die Bewertung anhand von nur einer einzigen Studie erfolgt. „Wir haben eine Studie gefunden zur PZR, die zeigt, dass das Wichtigste die gute Zahnpflege ist. Die PZR oben drauf bringt nach dieser Studie keinen weiteren Nutzen,“ erläutert Dr. Christian Weymayr das Fazit des IGeL-Monitors zur PZR.

Unterm Strich werden vom IGeL-Monitor der potentielle Nutzen und der potentielle Schaden „gegeneinander aufgerechnet“. Bei der PZR heißt es: „Sie nutzt nicht, aber sie schadet auch nicht.“ Daraus wird die Bewertung „unklar“ abgeleitet. Die einmal jährliche Zahnsteinentfernung durch den Zahnarzt kombiniert mit guter Zahnpflege reiche vollkommen aus, um einen guten gesunden Status im Mund zu erhalten.

Viele Kassen erstatten einmal jährlich die Kosten

2016 und 2017 hat die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung bei den gesetzlichen Krankenkassen Erhebungen zur PZR durchgeführt. Ergebnis: Trotz der Bewertung des IGeL-Monitors erstatten inzwischen weit mehr als die Hälfte aller Kassen wenigstens einmal pro Jahr einen Teil oder auch die gesamten Kosten für die Behandlung.

Grafik Parodontalerkrankung

Eine Parodontalerkrankung kann die allgemeine Gesundheit empfindlich beeinträchtigen.

Ein Grund dafür könnte sein, dass die Kassen trotz der IGeL-Bewertung vom Nutzen der PZR überzeugt sind und die enormen Folgekosten von Parodontitisbehandlungen vermeiden wollen. Doch Dr. Christian Weymayr, Wissenschaftsjournalist und Autor des IGeL-Monitors, hat für dieses Phänomen eine andere plausible Erklärung: „Kassen übernehmen Leistungen, wenn sie den Eindruck haben, dass ihre Versicherten diese Leistungen auch wirklich nachfragen und sie damit bei den Versicherten Punkte gutmachen können. Die Evidenz für den Nutzen steht dabei nicht im Vordergrund.“

So funktioniert die PZR

Professionelle Zahnreinigung ist weitaus mehr als Zahnsteinentfernung. Zunächst kontrolliert eine ausgebildete Fachkraft den Zustand der Zähne und des Zahnfleischs. Längst nicht alle Beläge können vom Patienten selbständig entfernt werden. Bei der PZR werden daher sämtliche Bereiche des Gebisses gründlich gereinigt: Auch die, an die der Patient selbst nicht gut herankommt. Eine Dentalhygienikerin entfernt die harten und weichen Zahnbeläge mit Ultraschall- und Handinstrumenten. Anschließend wird die Zahnoberfläche poliert. Denn an glatten Zähnen können Bakterien schlecht haften. Danach werden die Zähne zumeist mit Fluorid versiegelt, um Karies vorzubeugen. Abschließend erfolgt eine Aufklärung wie Lebensstil und individuelle Mundhygiene mit Zahnbürste, Zahnseide und Interdentalbürsten verändert werden müssen, um gesund zu bleiben.

Diese Aufklärung und die bei nachfolgenden Behandlungen immer wieder stattfindenden Kontrollen und Feedbacks und Motivation zur Zahnpflege und zum Zahnfleischstatus sind ganz entscheidende Faktoren für die langfristige Mundgesundheit des Patienten. Eine Professionelle Zahnreinigung dauert zwischen 40 und 60 Minuten und kostet zwischen 60 und 130 Euro.

Volkskrankheit Zahnfleischentzündung

Umfragen zufolge werden hierzulande durchschnittlich 48 Sekunden auf die abendliche Mundhygiene verwendet. Kein Wunder also, dass die Zahnfleischentzündung eine Volkskrankheit ist, denn die Ursache ist zumeist mangelnde Mundhygiene. Experten empfehlen daher mindestens zweimal täglich zwei Minuten Zahnpflege. Patienten mit hohem Risiko müssen sogar noch gründlicher reinigen und mehr als zwei Minuten einplanen.

Grafik Parodontalerkrankung

Mehr als die Hälfte der über 35-jährigen leidet unter Zahnfleischerkrankungen.

Fakt ist: Mehr als die Hälfte der über 35-Jährigen leidet unter Zahnfleischerkrankungen. Bei den über 65-Jährigen sind es sogar zwei von drei Patienten. Wenn aus einer einfachen Zahnfleischentzündung erst einmal eine Parodontalerkrankung wird, kann das auch die allgemeine Gesundheit empfindlich beeinträchtigen.

Wissenschaftler befürworten die regelmäßige PZR noch aus einem anderen wichtigen Grund. Studien haben gezeigt: Parodontitis steigert das Risiko für Diabetes, Gefäßerkrankungen und Schlaganfälle. „Es geht nicht darum, sich vom Profi regelmäßig die Zähne putzen zu lassen. Es geht vielmehr darum, den Patienten zu vermitteln, wie sie es selber effektiver tun können zuhause und es geht darum, die Patienten regelmäßig zu kontrollieren und auch zu motivieren, zu einem gesunden Verhalten.“

Im Herbst soll eine Leitlinie zur PZR erarbeitet werden. Unter der zahnärztlichen Fachwelt herrscht über den Nutzen der PZR globales Einvernehmen.

Stand: 25.09.2017, 16:41