So teuer ist eine OP

So teuer ist eine OP

Lungentransplantation: mehr als 100.000 Euro. Neues Knie: rund 12.000 Euro. Kaiserschnitt: knapp 3.000 Euro. Wie werden Preise für eine Behandlung im Krankenhaus eigentlich festgelegt?

Wer ein Auto kauft, hat in der Regel eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, was es kostet. Dass eine Sonderlackierung, ein Multifunktionslenkrad oder eine Klimaanlage ordentlich auf den Basispreis aufschlagen können, ist dem Verbraucher ebenfalls bewusst.

Ärzte bei Operation

Bei den Kosten einer OP ist das anders. Bei Kassenpatienten rechnen die Krankenhäuser die Kosten für die Behandlung im Krankenhaus direkt mit der Kasse ab. Und so hat ein gesetzlich Versicherter in der Regel keine Ahnung, was der Klinik-Aufenthalt gekostet hat. Um wie viel teurer wird ein Routine-Eingriff, wenn es dabei zu Komplikationen kommt? Oder wenn die OP aus bestimmten Gründen aufwendiger und komplizierter war als üblich? Oder wenn der Patient anstatt der durchschnittlichen drei Tage eine ganze Woche auf der Station verbringt? Wer bestimmt eigentlich die Preise? Und wodurch werden sie beeinflusst? Die wichtigsten Schritte im Überblick:

Vergütungen von OPs nach DRG (Beispiele):

  • Blinddarmentfernung (ohne Komplikationen bei über 13-Jährigen): ca. 2.800 Euro
  • Versteifung von Wirbeln an der Wirbelsäule: ca. 15.000 Euro
  • Entfernung der Prostata: ca. 2300 Euro
  • normale Geburt (ohne Komplikationen): ca. 1900 Euro
  • Kaiserschnitt (ohne Komplikationen): ca. 2.900 Euro
  • Einsatz eines künstlichen Kniegelenks: ca. 10.800 Euro
  • Einsatz von künstlichen Hüftgelenken (beidseitig): ca. 11.700 Euro
  • Lungentransplantation (mit Beatmung): ca. 101.000 Euro
  • Lungentransplantation (ohne Beatmung): ca. 53.400 Euro
  • Einsetzen eines Herzschrittmachers (Zweikammersystem, ohne Komplikationen): ca. 5.200 Euro
  • Arthroskopie am Kniegelenk: ca. 2.300 Euro

Die genannten Kosten sind nur Durchschnittswerte für alle Bundesländer, basierend auf dem mittleren LBFW. Zudem geben sie nur eine ungefähre Größenordnung an. Die tatsächlichen OP-Kosten werden für jeden Einzelfall nach dem tatsächlichen Aufwand gemäß DRG-Kodierungsrichtlinien ermittelt.

Schritt 1:

Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) erstellt jedes Jahr den sogenannten Fallpauschalen-Katalog. Von "Lebertransplantation mit Beatmung > 179 Stunden oder kombinierter Dünndarmtransplantation", bis hin zu "Andere mäßig komplexe Eingriffe an der Wirbelsäule" oder "Prothesenwechsel am Hüftgelenk mit äußerst schweren CC (Komplikationen, Anm.d.R.) oder Eingriff an mehreren Lokalisationen": Rund 1200 verschiedener Fallgruppen dieser Art sind in diesem Katalog aufgelistet und einem speziellen DRG-Code zugeordnet.

Schritt 2:

Damit ein Krankenhaus jeden Behandlungsfall zu einer Fallgruppe nach DRG zuordnen kann, müssen sämtliche Eingriffe, die zu der Behandlung dazuzählen, sowie die gestellte Hauptdiagnose mit einbezogen werden. Eingriffe sind wiederum nach dem sogenannten OPS Operationen- und Prozedurenschlüssel, die Diagnosen nach ICD-10 mit speziellen Kürzeln versehen, den so genannten Codes.

Sämtliche bei der Klinik-Behandlung protokollierten OPS-Codes sowie der Code der Hauptdiagnose und weitere Faktoren wie etwa Beatmungsstunden, Verweildauer in der Klinik oder Mehrfacheingriffe fließen in die Bestimmung der DRG-Fallgruppe mit ein: Eine spezielle Software sucht anhand sämtlicher eingegebener Parameter und nach einem festen Algorithmus die dazugehörige DRG-Fallgruppe.

Insgesamt ist die DRG-Kodierung anhand der Kodierrichtlinien ein hochkomplexer und sehr zeitaufwändiger Prozess, für den Ärzte eigens geschult werden. Das Problem: Die Kodierung erfolgt in der Regel im Routinebetrieb - Fehler lassen sich dabei kaum vollständig ausschließen.

Schritt 3:

Jeder Fallgruppe nach DRG wird schließlich ein Faktor (Relativgewicht) zugeordnet. Dieser ist von verschiedenen Kriterien abhängig - etwa durchschnittliche Liegezeit der Patienten, Alter des Patienten, medizinischer und technischer Aufwand sowie Einsatz von Personen und Material. So wird beispielsweise der Blinddarmentfernung eines Patienten, der jünger als zehn Jahre ist und bei der Komplikationen auftraten, ein höherer Faktor zugeordnet als der Blinddarmentfernung eines Erwachsenen, die ohne Komplikationen verlief. Dieser Faktor wird mit dem sogenannten Landesbasisfallwert (LBFW) multipliziert. Die Höhe des LBFW verhandeln die Landesverbände der Krankenkassen und die Landeskrankenhausgesellschaften jedes Jahr. Grundlage ist dabei der Bundesbasisfallwert, der wiederum auf Bundesebene festgelegt wird. Zudem spielen Faktoren wie Klinik-Gehälter und Lebenshaltungskosten im jeweiligen Bundesland eine Rolle bei der Festlegung des LBFW.

In Bayern etwa liegt dieses Jahr der LBFW bei 3.365,00 Euro, in Sachsen bei 3341,67 Euro, in Rheinland-Pfalz bei 3530,50 Euro. Eine komplikationslose Entfernung des Blinddarms wird deshalb in Bayern mit 2816 Euro, in Sachsen 2797 Euro und in Rheinland-Pfalz rund 2955 Euro vergütet. Grundsätzlich gilt: Je mehr Behandlungen in den Krankenhäusern durchgeführt werden, desto weniger setzen die Krankenkassen für die Kosten an. Am teuersten sind Klinikaufenthalte in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

cib | Stand: 19.06.2017, 10:00