Die Daten des Statistischen Bundesamtes - Fragen und Antworten

Wellen

Die Daten des Statistischen Bundesamtes - Fragen und Antworten

Mehr als 130 Millionen Einträge zu Aufenthalten in deutschen Krankenhäusern umfassen die Daten des Statistischen Bundesamtes. Ein WDR-Journalistenteam hat gemeinsam mit dem Forschungsinstitut HITS eine Software entwickelt, um diese Datenberge zu analysieren. Doch was sagen die Daten aus - und was nicht? Der Überblick.

Die Daten des Statistischen Bundesamtes umfassen Millionen von Sätzen. Woher kommen diese Daten? Eine zugelassene Klinik ist verpflichtet, ihre Daten jedes Jahr zum 31. März an das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) zu übersenden. Das InEK wiederum muss diese Daten nach einem gesetzlich festgelegten Muster aufbereiten und bis zum 1. Juli an das Statistische Bundesamt weiterleiten. Dort hat der WDR die Daten bestellt und gemeinsam mit dem Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) eine Software für die Analyse der Daten angefertigt.

Welche Datensätze werden erfasst?

Die Daten beziehen sich auf 402 Landkreise und kreisfreie Städte. Insgesamt 23.000 Operationen und Prozeduren von etwa 1500 Krankenhäusern werden darin erfasst. Einige Kliniken sind laut Gesetz nicht meldepflichtig, etwa psychiatrische Fachkliniken. Erfassungszeitraum für Eingriffe sind die Jahre 2009 bis 2015. Dem Daten- und Rechercheteam liegen die Daten zu den Eingriffen der Jahre 2009 bis 2015 vor. Die Daten für in Krankenhäusern gestellte Diagnosen umfassen die Jahre 2009 bis 2013. Seither stellt das Statistische Bundesamt gegenüber den Jahren zuvor nur noch eingeschränkte ICD-10 Diagnose-Codes zur Verfügung.

Wie sind die Zahlen aufgeschlüsselt?

Für jeden Eingriff gibt es einen sogenannten OPS-Code. Das gesamte Verzeichnis der OPS-Codes wird im Operationen- und Prozedurenschlüssel festgelegt. Ein Arzt, der einen bestimmten Eingriff am Patienten im Krankenhaus durchführt, dokumentiert diesen anhand des OPS-Codes. Die Häufigkeitszahlen des Statistischen Bundesamtes nach OPS-Code entsprechen jedoch nicht der Patientenfallzahl, sondern der Anzahl durchgeführter Maßnahmen. Denn pro Patient sind mehrere Operationen und Prozeduren möglich. Bei komplexen Eingriffen kann es sein, dass mehrere OPS-Codes pro Patient dokumentiert werden.

Auch für jede erstellte medizinische Diagnosn gibt es jeweils einen Code: Im IDC-10 - The International Statistical Classification of Diseases and related Health Problems - werden diese verzeichnet. Sowohl die OPS- als auch die ICD-10-Codes bilden zudem die datentechnische Grundlage für die Krankenhäuser, damit sie Behandlungen bei der Krankenkasse abrechnen können.

Was bedeuten die Zahlen aus den interaktiven Deutschlandkarten?

Sucht man in der interaktiven Karte beispielsweise danach, wie häufig es Eingriffe zu Operationen an der Wirbelsäule in München gibt, erscheint eine durchschnittliche Fallzahl von 14.470 (im Zeitraum 2013 bis 2015). Diese Zahl gibt jedoch nicht an, wie viele Menschen in München am Rücken operiert wurden. Stattdessen bezieht sich die Zahl auf jene Eingriffe, die an Patienten, die in der Landeshauptstadt München mit erstem Wohnsitz gemeldet sind, durchgeführt wurden. Ein Patient aus München, der für eine Rücken-OP einen Spezialisten in Hamburg aufgesucht hat und sich dort operieren ließ, wird also ebenfalls der Landeshauptstadt München zugeordnet. Solche Fälle bilden jedoch die Ausnahme. Denn in der Regel lassen sich Menschen auch nahe ihres Wohnorts operieren.

Kann man die Zahlen aus den einzelnen Landkreisen überhaupt miteinander vergleichen?

Das Alter spielt bei den meisten Gesundheitsproblemen eine entscheidende Rolle. Wenn in einem Kreis mehr alte Menschen wohnen, wird es dort wahrscheinlich auch mehr Operationen geben. Solche Unterschiede haben wir in unseren Deutschlandkarten bereinigt. Das heißt, den Kreisen wurde eine einheitliche Altersstruktur unterlegt, und Effekte aufgrund regionaler Altersunterschiede mithilfe von standardisierten Verfahren der Versorgungsforschung herausgerechnet. Nur so lassen sich Häufigkeiten für einen OPS-Code zwischen den Kreisen vergleichen.

Wie gut sind die Daten des Statistischen Bundesamtes?

Auch die Daten der Bundesbehörde können Fehler erhalten. Auf dem Weg vom Krankenhauspersonal über das InEK bis hin zum Statistischen Bundesamt liegen gewisse Fehlerquellen, die nicht zu hundert Prozent ausgeschlossen werden können. Auch die Aufschlüsselung der Operationen und Prozeduren ist nicht trivial. Immer wieder kommt es bei der Dokumentation von Eingriffen zu unfreiwilligen Codierungsfehlern, also zu falschen Zuordnungen der OPS-Codes.

Stand: 19.06.2017, 10:00