Lieferengpass bei Narkosemittel gefährdet OPs

Eine Patientin wird in mit einer Narkose auf die Operation vorbereitet

Lieferengpass bei Narkosemittel gefährdet OPs

  • Wichtiges Narkosemittel Remifontanil wird knapp
  • Probleme bei ambulanten Operationen drohen
  • Anästhesisten sind auf Mittel angewiesen

Bei einem wichtigen Narkosemittel für Operationen gibt es offenbar Lieferschwierigkeiten. Das betrifft auch Patienten in Nordrhein-Westfalen und verärgert Ärzte. Der Landesvorsitzende Nordrhein des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten, Harald Hofer, bestätigte dem WDR: Seit Anfang des Jahres gebe es Probleme.

Arzt und Krankenschwester bereiten ein narkotisiertes Kind für eine Untersuchung in einem offenen MRT

Auch bei Behandlungen mit Kindern wird das Mittel gebraucht

Konkret geht es um das Mittel Remifontanil. Dieses sei optimal für ambulante Operationen, weil es "ideal steuerbar" sei, die Patienten sehr schnell wieder wach würden. "Wir sind auf den Stoff angewiesen", sagte Anästhesist Hofer. Auch bei Behandlungen mit Kindern kommt das Mittel zum Einsatz.

Vorräte bald zu Ende

Doch all zu lange reichen die Lagerbestände nicht mehr. "In zwei bis vier Wochen sind die Vorräte wohl aufgebraucht, dann müssen andere Narkosemittel eingesetzt werden", prognostiziert Hofer. Die Alternativen seien aber nicht so komfortabel, da Patienten nach der OP dann länger überwacht werden müssten. Bei anderen Narkosearten wie Gas drohten zudem mehr Nebenwirkungen.

Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte heißt es, die Nachschubprobleme seien seit Ende 2016 bekannt. Im März habe es eine erste Gesprächsrunde mit allen Akteuren gegeben, am Donnerstag stehe eine weitere Abstimmungsrunde an. "Ziel ist es, möglichst schnell die Versorgung aller Patienten sicherzustellen", sagte Sprecher Maik Pommer.

Grund für Engpass ist unklar

Logo von GlaxoSmithKline

Das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline ist Großlieferant

Der größte Lieferant des Narkosemittels ist das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline. Auf WDR-Anfrage räumte die Firma ein: "Aufgrund der hohen Nachfrage (…) und unserer begrenzten Produktionskapazitäten ist es de facto leider so, dass wir nicht den gesamten deutschen Bedarf (…)abdecken können (…)." Ein Sprecher nennt Qualitätsmängel, weshalb Chargen zurückbehalten oder vernichtet worden seien. Die Probleme seien aber behoben. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die zuerst über die Engpässe berichtet hatte, wird unter Ärzten auch spekuliert, dass die Produkte aus wirtschaftlichen Gründen in andere Märkte geliefert würden.

Laut Anästhesist Hofer wird durch Lieferanten für Juni eine Entschärfung der Situation versprochen. Dies habe es aber auch schon bereits für März geheißen - ohne eine tatsächliche Besserung. Der Experte befürchtet einen Einbruch bei ambulanten Operationen in NRW.

Stand: 26.04.2017, 19:17