Nahrungsergänzungsmittel – der Mythos einer besseren Gesundheit

Nahrungsergänzungsmittel – der Mythos einer besseren Gesundheit

Von Doro Werkman

Kapseln mit Vitamin C, Vitamin D oder Magnesium: Jeder dritte Deutsche nimmt laut einer Befragung der Verbraucherzentrale Nahrungsergänzungsmittel. Dabei ist ihr Nutzen umstritten und für manche sogar riskant.

In Deutschland werden für Nahrungsergänzungsmittel trotzdem jedes Jahr mehr als eine Milliarde Euro ausgegeben. Und jährlich kommen neue Produkte auf den Markt.

Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel

Sie unterliegen damit weniger strengen Regeln als Medikamente. Um ein Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt zu bringen, benötigt man nur einen Gewerbeschein und eine Anmeldung beim BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit). Das kann auch ganz simpel über ein Online-Formular erfolgen.

Hinzu kommt, dass es im Vorfeld keine Kontrolle für neue Mittel gibt – erst im Nachhinein gibt es stichprobenartige Kontrollen.

Verbraucherschützer kritisieren, dass so dubiose Geschäfte gefördert werden – zum Schaden des Konsumenten – und zwar sowohl finanziell als auch gesundheitlich.

Einnahme ist oft überflüssig

Für Verwirrung sorgt auch die empfohlene Tagesdosis, die auf den Verpackungen angegeben ist. Die empfohlene Tagesdosis liegt laut EU bei 80 mg. Wird diese Menge unterschritten, bedeutet das nicht gleich, dass man riskiert krank zu werden. Erst wer über einen längeren Zeitraum weniger als 10 mg pro Tag zu sich nimmt, kann an der Seefahrerkrankheit Skorbut erkranken.

Zu beachten ist außerdem, dass der Körper keine großen Mengen an Vitamin-C speichern kann. Im Gegenteil: All das, was der Körper nicht braucht, scheidet er wieder aus. Damit ist das Geld für das Nahrungsergänzungsmittel sprichwörtlich ins Klo hinuntergespült.

Risiken durch Nahrungsergänzungsmittel

  • Bei Vorerkrankungen, durch Wechselwirkungen mit Medikamenten oder bei zu hoher Dosierung können einige Nahrungsergänzungsmittel sogar krank machen. Selbst wer die laut Verpackung empfohlene Tagesdosis einhält, könnte an der Überdosierung eines Inhaltsstoffes erkranken. So hat die Verbraucherzentrale nach eigenen Angaben festgestellt, dass mehr als 60 Prozent der magnesiumhaltigen Nahrungsergänzungsmittel überdosiert sind. Mögliche Nebenwirkungen sind Durchfall und Erbrechen.
  • Wird Vitamin A überdosiert kann das sogar die Leber schädigen.
  • Vorsicht bei Produkten aus dem Netz: Auch auf deutschen Seiten kann man Mittel bestellen, die in der EU nicht erlaubt sind. Denn vieles, was im Ausland als Nahrungsergänzung zugelassen ist, wird in der EU als Arzneimittel eingestuft. Ein Import von Medikamenten aus einem Nicht-EU-Staat ist verboten. Auch wer das aus Versehen tut, riskiert eine Strafanzeige.

Sinnvoll nur für Risikogruppen

  • Schwangeren zum Beispiel wird die ergänzende Einnahme von Folsäure empfohlen, um das Risiko für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind zu senken.
  • Pflegebedürftige, die das Bett nicht verlassen können, müssen in der Regel zusätzlich mit Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel versorgt werden, da der Körper dieses Vitamin selbst bildet und dazu Sonnenlicht braucht.

Fazit

Für alle gilt: Bevor man ein Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt, sollte man sich vom Arzt untersuchen lassen. Nur der kann feststellen, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt, der durch ergänzende Produkte ausgeglichen werden muss. Und er kann auch eine gesunde Dosis festlegen.

Stand: 31.08.2017, 14:00