"Handynacken" ist der neue "Tennisarm"

Frau mit Handy in der Hand hat Nackenschmerzen

"Handynacken" ist der neue "Tennisarm"

Von Nico Rau

Unter Hals-, Nacken- und Rückenschmerzen leiden viele Menschen. Kein Wunder, schließlich sitzen wir einen Großteil des Tages. Hinzu kommt: Wir gucken häufig auf unser Smartphone. In völlig falscher Haltung. Ärzte sprechen längst vom "Handynacken".

Der Kopf und die Schwerkraft

Unser Kopf wiegt zwischen vier und fünf Kilo. Je weiter wir unseren Kopf nach vorn beugen, desto stärker zieht ihn die Schwerkraft nach unten. Diesen Zug muss unsere kleine Muskulatur im Schulter-Nackenbereich ausgleichen. Wenn wir auf das Smartphone starren, ist ein Neigungswinkel des Kopfes von bis zu 60 Grad nicht ungewöhnlich. Das Problem: In dieser Haltung wirken starke Zugkräfte von etwa 27 Kilogramm auf unseren Nacken und Rücken. Das ist so viel, wie ein siebenjähriges Kind wiegt!

Der Handynacken

WDR 2 Servicezeit | 12.09.2017 | 03:03 Min.

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Die Muskulatur verweigert die Arbeit

Diese Smartphone-Kopfhaltung nehmen wir unzählige Male am Tag ein. Die Konsequenz ist, dass die Bänder ständig gedehnt werden und die Muskulatur unterversorgt wird, weil sie ständig angespannt ist. Ingo Froböse ist Professor für Prävention und Rehabilitation an der Sporthochschule Köln. Er erklärt, was physiologisch mit der Muskulatur passiert: "Dann wird sie übersäuert, dann reagiert sie darauf, weil die Muskulatur mag es nicht, die Muskelzelle schon mal gar nicht, wenn sie in Sauerstoffnot gerät und das bedeutet, dass die Muskulatur sich langfristig verspannt, verkrampft und dann sogar möglicherweise umbaut - nämlich in minderwertiges Bindegewebe, was eingelagert wird, was eben nicht mit Sauerstoff versorgt werden muss. Also, es kommt zu morphologischen Veränderungen."

Symptome des Handynackens

Wir spüren dann, dass Hals, Nacken, Rücken oder Schultern verspannt und hart sind. Bewegungen führen zu Schmerzen. Sogar Taubheitsgefühle können dadurch entstehen. Der Klassiker ist der steife Hals. Die verspannten Muskeln verhindern, dass sich die Gelenke zwischen den Wirbelkörpern im Hals frei bewegen können. Sie blockieren dann.

Ausgleich schaffen

Klar: Optimal wäre es natürlich, wenn wir jetzt alle das Smartphone immer schön auf Augenhöhe halten würden. Nur ist das natürlich ziemlich unrealistisch. Einfacher ist es, regelmäßig für Ausgleich zu sorgen. Das geht sogar gut im Sitzen, verrät Ingo Froböse. Sein Tipp: Im Sitzen nach hinten neigen, soweit es geht. Also strecken und die Bauchmuskulatur richtig wieder in die Länge ziehen, die Arme mit in die Höhe nehmen und somit weitere Schwerkraft einwirken lassen. So öffnet sich der Brustraum wieder. Auch gut: Den Kopf mal wieder richtig in den Nacken legen, damit er Entlastung erfährt.

Übungen für den Büroalltag

Solche Übungen sind natürlich auch grundsätzlich für den Büroalltag geeignet, um für eine entspannte Muskulatur zu sorgen. Auch gut tut diese Lockerungsübung: Die Hand wird auf das gegenüberliegende Ohr gelegt. Dann zieht man den Kopf sanft auf die andere Seite zur Schulter. Dadurch dehnt sich die Nackenmuskulatur angenehm auf. Bei einer anderen Übung wird der Kopf senkrecht nach oben gestreckt und die Schultern dabei aktiv nach unten gezogen. Auch das tut gut und hilft gegen den Handynacken. Generell ist alles geeignet, was die Muskulatur durchblutet, Muskulatur aufbaut und zur Abwechslung in der Bewegung führt.

Stand: 12.09.2017, 00:00