Mineralwasser im Test

Mineralwasser im Test

Von Anne Debus

Die Stiftung Warentest hat 30 beliebte Medium-Mineralwässer durch ihr Labor geschickt. Ganz zufrieden waren die Tester nicht: Sie fanden unerwünschte Stoffe und kritisieren den Geschmack. Dennoch kann man die meisten getesteten Marken bedenkenlos trinken.

Zu einem "sehr gut" reichte es bei keiner der 30 getesteten Wassersorten, auch die Note "gut" vergaben die Tester nur 11 mal, meist blieb es bei 'befriedigend'. Grund für die Unzufriedenheit waren vor allem Mängel beim Geschmack, der mit 50 Prozent in die Bewertung einfloss. Aber auch unerwünschte Stoffe aus den wasserführenden Gesteinsschichten und Verunreinigungen durch den Menschen drückten die Noten.

Die Testergebnisse im Überblick (Auswahl)
MarkeNoteBemerkung der Tester
Gerolsteiner2Weitgehend fehlerfrei, und daher empfehlenswert
Lidl Saskia2Weitgehend fehlerfrei, und daher empfehlenswert
Frankenbrunnen2Weitgehend fehlerfrei, und daher empfehlenswert
Edeka "gut und günstig"2Weitgehend fehlerfrei, und daher empfehlenswert
Merkur3Mit Spuren von Pestizidabbaustoffen, Korrosionsschutzmitteln oder Süßstoffen
Apollinaris3Mit Spuren von Pestizidabbaustoffen, Korrosionsschutzmitteln oder Süßstoffen
Frische Brise3Mit Spuren von Pestizidabbaustoffen, Korrosionsschutzmitteln oder Süßstoffen
Förstina3Mit Spuren von Pestizidabbaustoffen, Korrosionsschutzmitteln oder Süßstoffen
Rudolf-Quelle3Mit Spuren von Pestizidabbaustoffen, Korrosionsschutzmitteln oder Süßstoffen
Tip3 -Mit deutlichen geschmacklichen Fehlern vom Plastik der Flaschen
Real Quality3 -Mit deutlichen geschmacklichen Fehlern vom Plastik der Flaschen
Vilsa-Brunnen3 -Mit deutlichen geschmacklichen Fehlern vom Plastik der Flaschen
Naturalis4erhöhter Chrom (VI)-Gehalt

Mineralwasser im Test

WDR 2 Servicezeit | 28.06.2017 | 01:40 Min.

Download

Fehler im Geschmack

Die Tester waren mit dem Geschmack der meisten getesteten Wässer nicht zufrieden, was vor allem an den Kunststoffflaschen liegen soll. Aus dem PET kann ein Stoff namens Acetaldehyd ins Wasser übergehen. Er ist zwar ungefährlich, hat aber einen leicht säuerlichen und fruchtigen Eigengeschmack. Laut Stiftung Warentest darf ein natürliches Mineralwasser aber höchstens nach den enthaltenen Mineralien schmecken.

  • Unerwünschte Stoffe: Die Hersteller von Mineralwasser werben mit dessen Reinheit und Unberührtheit – ein Versprechen, das im Test nicht alle Sorten einlösen konnten.
  • Oberirdische Verunreinigungen: In fünf Marken fanden die Tester Spuren von Süßstoffen, Pestizid-Abbauprodukte oder Rückstände eines Korrosionsschutzmittels. In diesen geringen Mengen seien die Verunreinigungen zwar nicht bedenklich. Mit dem Reinheitsgebot für Mineralwasser seien sie aber nicht vereinbar.

Kritische Stoffe aus den Quellen: Auf ihrem Weg durch die Gesteinsschichten reichern sich Mineralwässer nicht nur mit "guten" Mineralien und Spurenelementen an – auch natürliche Inhaltsstoffe können gefährlich sein. So fanden die Tester zum Beispiel in zwei Wässern das Halbmetall Arsen; sein Gehalt lag aber weit unter dem Grenzwert.

Bedenklicher fiel das Ergebnis bei einer Eigenmarke von Netto Marken-Discount aus. In ihr stießen die Tester auf das krebserregende Chrom VI. Der festgestellte Wert übersteigt leicht den vom Umweltbundesamt festgelegten sogenannten Leitwert, bei dem Wissenschaftler das Risiko für akzeptabel halten. Bei der nachgewiesenen Konzentration im Wasser spricht das Umweltbundesamt von einem „geringen“ Krebsrisiko. Heißt: Wenn eine Million Menschen ihr Leben lang täglich zwei Liter dieses Wasser trinken würden, würden statistisch gesehen 1,66 deswegen an Krebs erkranken. Die betroffene Marke – "Naturalis", aus der italienischen Quelle "Fonte Guizza" – bekam die Note 'ausreichend' und damit die schlechteste Bewertung im Test.

Ein Name, verschiedene Quellen

Wer beim Discounter einer Marke treu bleibt, trinkt längst nicht immer dasselbe Wasser. Die Discounter zapfen nämlich für ihre Eigenmarken unterschiedliche Quellen an. Das heißt, unter einem Namen werden verschiedene Mineralwässer verkauft, mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen. Die Eigenmarke 'Saskia' von Lidl etwa kann aus fünf verschiedenen Brunnen stammen. Auch das beanstandete Chrom VI im Netto-Mineralwasser fand sich laut den Warentestern längst nicht in jeder Flasche "Naturalis", sondern nur in denen, die aus der italienischen Quelle "Fonte Guizza" befüllt wurden.

Markenwasser oder Discounter-Eigenmarke

Die Traditionsmarken aus der Mehrwegflasche sind in der Regel deutlich teurer als die Eigenmarken der Supermärkte und Discounter. Das bedeutet aber nicht, dass Markenwässer generell von besserer Qualität wären. Die Testergebnisse waren bunt durchmischt, die Eigenmarken von Edeka und Lidl sind zum Beispiel im Test ganz vorne gelandet. Einen Unterschied allerdings gibt es: Markenwässer haben häufiger einen hohen Mineralgehalt.

Mineralstoffe und Spurenelemente

Natürliches Mineralwasser muss einen Mindestgehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen aufweisen. Oberhalb dieser Grenzwerte gibt es keine weiteren Vorschriften, in der Tat variiert der Mineralgehalt von Sorte zu Sorte beträchtlich. Wer beim Trinken viele Mineralstoffe zu sich nehmen möchte, sollte daher das Kleingedruckte auf dem Etikett lesen. Die Chance auf einen hohen Mineralgehalt liegt laut den Daten der Stiftung Warentest aber bei Markenwässern höher. Unter den jetzt getesteten Marken lagen zum Beispiel Apollinaris und Gerolsteiner beim Mineralgehalt vorn.

Stand: 28.06.2017, 20:00