Wie vermeide ich Mikroplastik?

Wie vermeide ich Mikroplastik?

Von Anke Fricke

Duschgel, Rasierschaum, Sonnencreme: Die Liste der Kosmetika mit Mikroplastik ist lang. Dabei sind die für die Umwelt so schädlichen Teilchen gerade im Kosmetikbereich verzichtbar. Doch ein Einkauf ohne Mikroplastik ist gar nicht so einfach.

Rund 500 Tonnen Mikropartikel setzt die deutsche Kosmetikindustrie jährlich ein – in Peelings, Duschgels, Sonnencremes und Schminke. Zwar sind diese nach einer Studie des Umweltbundesamts (UBA) nur für einen vergleichsweise kleinen Teil der Verschmutzung der Weltmeere verantwortlich. Aber sie sind unnötig, denn sie lassen sich leicht durch andere Stoffe ersetzen.

Grafik zeigt Mikroplastik-Kreislauf

Viele Hersteller verwenden noch Mikroplastik

Dass dies möglich ist, zeigt sich daran, dass der "Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel" seinen Mitgliedern empfiehlt, ohne Mikroplastik zu produzieren. Doch noch verbannen nur wenige Unternehmen wie etwa die REWE Group die schädlichen Partikel aus ihren Marken. Zwar wollen großen Hersteller wie Beiersdorf, Colgate-Palmolive, Johnson & Johnson und dm künftig auf Mikroplastik verzichten. "Aber noch finden sich in vielen Produkten Kunststoffe. Auch bei den Herstellern, die ihren Ausstieg angekündigt haben", sagt Nadja Ziebarth vom BUND. Die Umweltschutzorganisation pflegt eine Liste mit solchen Produkten. Und diese Übersicht ist sehr lang. Allein im Bereich Peelings sind rund 100 aufgeführt, bei Duschgels sind es sogar mehr als 200 (Stand März 2016).

Ein Frau unter der Dusche

Kein Mikroplastik in Zahnpasta

Erfolgsnachrichten gibt es bislang nur im Bereich Zahnpasta. Hier haben die Hersteller die Plastikwinzlinge bereits verbannt. Zumindest liegen dem BUND derzeit keine Erkenntnisse vor, dass Kunststoff in Zahnpasta enthalten ist "Die Branche hat sehr schnell reagiert", sagt Zierbarth vom BUND. Wohl auch, weil viele Verbraucher die Vorstellung sich mit Plastik die Zähne zu putzen, abstoßend fänden. Statt Kunststoff reiben nun Mineralien und andere Naturstoffe den Belag von den Zähnen.

Wie vermeide ich Mikroplastik?

Wer auf Mikroplastik verzichten will, muss genau hinschauen. Eine einfache Regel, wie man die Kunststoffpartikel auf Anhieb erkennt, gibt es nicht. Auch der Preis reicht nicht als Indikator: So enthalten hochpreisige Marken wie La Roche Posay aus der Apotheke genauso Kunststoff wie die günstige Eigenmarke von "dm". Selbst wenn bei einem Peeling mit Salz oder Mandelkörnern beworben wird, heißt das nicht automatisch, dass nicht auch noch Kunststoff zugesetzt ist. "Grundsätzlich finden sich in Biomärkten und Reformhäusern eher Produkte ohne Mikroplastik", sagt Ziebarth. Wer wissen will, ob das gewohnte Duschgel, Deo oder die Handcreme betroffen ist, kann zum einen in die BUND-Liste schauen. Sie wird regelmäßig aktualisiert.

Achtung, hier hinter verbirgt sich Mikroplastik

Eine Rückseite mit Inhaltsstoffen

Verbraucher müssen genau hinschauen

Auch das Online-Portal codecheck.info und die entsprechende App geben Aufschluss über die Zusammensetzung von Sonnemilch, Schminke & Handcreme. Per Smartphone kann man so den Barcode im Geschäft scannen und enthält eine Aufstellung aller Inhaltsstoffe einschließlich einer Beurteilung, ob diese empfehlenswert sind oder nicht. Ansonsten bleibt dem Verbraucher nur eins: Er muss die klein gedruckten Inhaltsangaben überprüfen. Nur: Wo Mikroplastik drin ist, steht nicht Mikroplastik drauf. Deshalb gilt es, auf folgende Begriffe zu achten.

Die häufigsten Kunststoffe in Kosmetika
KunststoffAbkürzung
PolyethylenPE
PolypropylenPP
PolyethylenterephthalatPET
Nylon-12Nylon-12
Nylon-6Nylon-6
PolyurethanPUR
Ethylen-Vinylacetat-CopolymereEVA
Acrylates CopolymerAC
Acrylates CrosspolymerACS
Polyquaternium-7P-7
Quelle: BUND

Da in Deutschland alle Inhaltsstoffe von Kosmetikartikeln deklariert werden müssen, finden Verbraucher auf jeden Fall heraus, ob Mikroplastik enthalten ist. Das ist allerdings sehr mühselig. Deshalb fordern Umwelt- und Verbraucherschützer, dass der Gesetzgeber ein Verbot aussprechen soll. Die bisherigen Schritte der Industrie seien zu zäh gewesen. "Die Hersteller machen nichts Illegales, nur etwas Falsches", fasst Ziebarth die derzeitige Lage zusammen. Der Druck könne nicht nur von den Verbrauchern kommen.

Stand: 06.06.2017, 12:00