Kinderwagen-Test: Schadstoffe inklusive

Verschiedene Kinderwagen

Kinderwagen-Test: Schadstoffe inklusive

Von Anne Schneider

Kombi-Kinderwagen haben ihren Preis: Zwischen 299 und 1.080 Euro kosten die 12 Modelle, die die Stiftung Warentest jetzt ins Labor geschickt hat. Sind die teuersten Modelle auch die besten?

Leider nein! Insgesamt haben vier Kombimodelle ein "mangelhaft" kassiert. Darunter auch zwei Modelle um die 1.000 Euro: Der Teutonia Bliss und der Bugaboo Buffalo – in vielen Stadtvierteln ein echtes Statussymbol. Allerdings belegt auch ein 1.000-Euro-Kinderwagen den Spitzenplatz im Ranking: Der Go Big von Britax. Auf Platz zwei ist dagegen ein etwas günstigerer Kombi-Wagen gelandet: Der Condor 4 von ABC Design für 600 Euro.

Schadstoffe sind das Problem

Die vier mangelhaften Wagen sind durchgefallen, weil die Tester Schadstoffe nachgewiesen haben. Allerdings sind die Anforderungen, die Stiftung Warentest an die Schadstofffreiheit stellt, bei manchen Herstellern umstritten. Denn in den Testlaboren werden die Grenzwerte für Kinderspielzeug angewendet. Die Begründung: Die Kinder halten sich ja an den Kinderwagen-Griffen fest und lutschen so ziemlich an allem, was sie erreichen können. Die eigentliche Norm für Kinderwagen legt aber nur für wenige Schadstoffe Grenzwerte fest. Deshalb kritisiert beispielsweise Bugaboo diesen Test. Allerdings hatten die Tester ausgerechnet in dem wirklich hochpreisigen Modell des Herstellers ein Flammschutzmittel nachgewiesen, das Krebs erregen kann. Nach Angaben der Stiftung Warentest können Besitzer eines "mangelhaft" getesteten Kinderwagens den Händler innerhalb der Gewährleistungsfrist (zwei Jahre ab Lieferung) auffordern, den Mangel zu beheben.

Vorsicht Verletzungsgefahr

Auch der Noxxter Kombi-Wagen von Baby Knorr hat "mangelhaft" abgeschnitten. Das nicht nur wegen der Schadstoffe, sondern weil die Eltern beim Zusammenbauen einen fatalen Fehler machen können. Wenn sie den Sitz nicht richtig in das Fahrgestell einrasten, kann das Kind - je nach Sitzrichtung – nach hinten aus dem Wagen fallen oder sich die Arme einklemmen. Details dazu gibt es in einem YouTube-Warnvideo der Stiftung Warentest. Der Hersteller hat inzwischen angekündigt, dass die Wagen in Zukunft eine Kippsperre haben werden und alle, die den Wagen schon haben, ein kostenloses Nachrüstset bekommen können.

Was noch zählt beim Kauf

Wichtig ist auch die Bequemlichkeit – und zwar für Kind und Eltern. Viele Kombi-Modelle haben zum Beispiel zu kleine Tragetaschen. Darin können etwas größer geratene Babys schon mit vier oder fünf Monate unten anstoßen. Sie müssten also in den Sportsitz wechseln, bevor sie wirklich sitzen können. Deshalb ist die Größe der Tragetasche ein wichtiges Kriterium. Beim Kauf sollten die Eltern zudem ausprobieren, ob sich die Griffe hoch genug einstellen lassen. Manche Kinderwagen sind nämlich für große Menschen ungeeignet. Außerdem: Im Babymarkt einmal das Gestell zusammen klappen und klären, ob Gestell plus Sitz in den Kofferraum passen. Auch eine Probefahrt durch den Laden macht Sinn: Wie gut lässt sich der Kinderwagen durch enge Gänge schlängeln? Denn die gibt es nachher im Supermarkt auch. Wichtig: Alles in Ruhe ausprobieren. Denn mit einem Kinderwagen ist man ja ein paar Jahre unterwegs.

Stand: 23.02.2017, 12:00