Erste Hilfe - Drücken, bis der Arzt kommt

Erste Hilfe - Drücken, bis der Arzt kommt

Von Dorothea Brummerloh

In Deutschland fühlen sich die wenigsten Menschen in der Lage, Erste Hilfe zu leisten. Sie haben Angst, etwas falsch zu machen. Um die Hemmschwelle zu verringern, sind die Erste-Hilfe-Regeln vereinfacht worden.

Bis zum Eintreffen professioneller Retter dauert es in Deutschland acht bis zwölf Minuten. Die Nervenzellen im Gehirn sterben aber schon nach drei Minuten ab. Daher ist es wichtig, bei Herz-Kreislauf-Stillstand sofort Erste Hilfe zu leisten. Pro Jahr versterben in Deutschland mindestens 70.000 Menschen, weil sie nicht reanimiert, also wiederbelebt, worden sind.  

Erst die Atmung kontrollieren

Wer einen Kollabierten oder Verunglückten vor sich hat, sollte rasch prüfen, in welcher Verfassung der Kranke ist. Ist der Patient nicht ansprechbar? Macht er die Augen nicht auf? Dann sollte man die Atmung kontrollieren: Helfer können beispielsweise mit dem Ohr über den Mund des Patienten gehen und prüfen, ob sie dessen Atem spüren. Am besten geschieht das mit Blickrichtung zum Bauch des Hilfsbedürftigen. Dann lässt sich gleichzeitig kontrollieren, ob sich die Bauchdecke hebt und senkt.

Immer erst den Notruf wählen

Bewegt sich die Bauchdecke nicht, ist kein Hauch am Ohr zu spüren, zählt jede Sekunde. Es besteht Lebensgefahr. Zuerst wird dann ein Notruf abgesetzt. Der Einfachheit halber gilt deutschlandweit die 112. Auch wenn man allein ist, sollte der Notruf immer der erste Schritt sein. Ist man zu zweit, lassen sich die Aufgaben verteilen: Einer ruft den Notarzt, der andere beginnt mit der Reanimation. Es kann auch sinnvoll sein Passanten anzusprechen und sie mit sehr konkrete Anweisungen um Hilfe zu bitten.

Zwei Hände und Mut

Wenn es um Leben und Tod geht, kommt es erst einmal nicht auf Perfektion an. Auch Mund-zu-Mund-Beatmung, die früher standardmäßig empfohlen wurde, muss am Anfang nicht unbedingt sein. Ist der Patient gerade erst kollabiert, hat er noch Restluft in der Lunge, die fürs Erste reicht. Absolut wichtig aber ist es, sofort mit der Herzdruckmassage zu beginnen, um den Kreislauf wieder in Gang zu bringen.

Ein Rettungssanitäter demonstriert eine Herzdruckmassage an einer Puppe.

Absolut wichtig: Herzdruckmassage

Flott und beherzt drücken

Bei der Herzdruckmassage streckt man beide Arme vor dem Oberkörper durch, legt die linke über die rechte Hand und platziert diese in der Mitte des Brustkorbes. Dann wird gedrückt: ungefähr fünf Zentimeter tief, etwa 100 bis 120mal pro Minute, am besten im Rhythmus bestimmter Lieder. Wer an den "Radetzkymarsch" denkt oder an "Staying alive" von den Bee Gees, liegt goldrichtig. Gedrückt wird bis der Notarzt kommt oder der Patient sich wehrt.

Hilfe über Telefon

Wer sich zunächst nicht traut, mit der Herzdruckmassage zu beginnen, kann ebenfalls die 112 wählen. Das Personal der Leitstellen ist auf solche Situationen vorbereitet. Es leitet den Ersthelfer per Telefon an und sagt ihm genau, was zu tun ist. Und man sollte daran denken: In einer Notsituation ist fast alles besser, als nichts zu tun. Selbst wenn bei der Herzdruckmassage eine Rippe bricht, ist das kein Drama. Eine Rippe heilt. Der Tod ist unwiderruflich.

Stand: 18.09.2017, 16:39