Cortison – Fluch und Segen zugleich

Ein Junge inhaliert mit Spray Cortison gegen Atemnot als Hilfe bei Atembeschwerden wie allergischem Asthma

Cortison – Fluch und Segen zugleich

Cortison hilft bei Heuschnupfen, Insektenstichen oder Schmerzen in den Gelenken. Cortison kann auch Entzündungen bekämpfen, aber viele Patienten haben Angst vor Nebenwirkungen. Hausarzt Dr. Frieder Hutterer erklärt, wann Cortison sinnvoll ist, wie es anzuwenden ist und welche Nebenwirkungen es hat.

Dr. Frieder Hutterer arbeitet seit 30 Jahren als Hausarzt in Köln. Er setzt Cortison oft bei Asthma oder Hautentzündungen ein. Auch bei Herpes kann es hilfreich sein und Linderung verschaffen. Cortison ist kein Heilmittel, es lindert, so seine Ansicht.

Patienten haben Angst vor Nebenwirkungen

Das sind laut Hutterer Ängste, die noch aus früheren Zeiten herrühren, als noch viel höher dosiert wurde. Zwischenzeitlich hat sich einiges getan. In den meisten Fällen müssten Patienten gar keine Angst vor Nebenwirkungen haben. Cortison ist ein wichtiges und wirksames Medikament. Es ist unverzichtbar. Es wird heute nicht mehr überall angewendet, weil es für bestimmte Anwendungsgebiete andere Mittel gibt. Vor allem wird es viel niedriger dosiert.

Ist eine Salbe weniger gefährlich als zum Beispiel Tabletten oder Spritzen mit Cortison?

Das sind unterschiedliche Einsatzgebiete. Lokal wird Cortison zum Beispiel als Nasenspray bei einer Allergie oder Salbe bei Neurodermitis angewendet. Dabei gelangt es nur in ganz geringer Menge in den Blutkreislauf. Es wirkt aber sehr schnell und verschafft Linderung. Wenn man Cremes zu lange anwendet, kann es zu dünner Haut kommen. Hier gilt also, wie bei allen Medikamenten, so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Und nach Möglichkeit nicht zu lange.

Bei Tablettenanwendung wird Cortison systemisch genutzt und muss dafür im Blutkreislauf sein. Das ist zum Beispiel der Fall bei Rheuma. Oder auch nach einer Transplantation. Da muss das Immunsystem gebremst werden. Man wird anfälliger für Infekte und muss vorsichtiger sein.

Was ist das Besondere an Cortison?

Es heftet sich an einen Rezeptor in der Körperzelle und gelangt so ins Zellinnere. Es kann in einzigartiger Weise die Zellen davon abhalten, entzündliche Stoffe zu bilden. Früher wussten wir nur, und das gilt noch immer, Cortison wirkt besonders schnell und stark. Es ist eines der stärksten Mittel, die je entwickelt wurden, so die Meinung von Hutterer.

Wie sind die Auswirkungen?

Nahaufnahme der Durchführung eines Blutzucker-Tests mit modernem Gerät

Eine mögliche Nebenwirkung: Diabetes.

Das können auch negative Folgen sein: Cortison greift auch in den Stoffwechsel ein. Es kann also sein, dass Patienten Diabetes entwickeln. Außerdem werden bei langer Anwendung die Knochen brüchig. Dem sollte man entgegenwirken. Aber man kann die Nebenwirkungen nicht ausschalten.

Cortison kommt auch im Körper vor. Kann man es dem Körper einfacher machen, das künstliche Cortison aufzunehmen?

Natürlicherweise produziert der Körper besonders viel Cortison am Morgen. Da sollte man dann auch das künstliche Cortison nehmen. So wird es besser aufgenommen.

Als erste Sorge hört man meist das so genannte Mondgesicht. Was hat es damit auf sich. Schwemmt Cortison auf?

Das sogenannte Cushing-Syndrom ist natürlich nicht schön. Man wird tatsächlich aufgeschwemmt. Es ist aber längst nicht so schädlich wie andere Nebenwirkungen. Hier kann man darauf achten, unter der sogenannten Cushing-Grenze zu bleiben. Cortison ist außerdem ein Hormon des Lebens, das zum Beispiel dafür sorgt, dass Sie mehr Appetit bekommen. Es baut auf. Es ist nicht so einfach, diesem gesteigerten Appetit zu widerstehen.

Stand: 27.07.2017, 06:00