Mit dem Hund ins Büro

Hund liegt im Büro auf dem Boden

Mit dem Hund ins Büro

Von Anne Debus

Immer mehr Arbeitgeber erlauben Mitarbeitern, ihren Hund mit zur Arbeit zu bringen. Das bringt ihnen nicht nur einen Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte, sondern auch zufriedenere und weniger gestresste Mitarbeiter.

Oft ist ein schnurkelndes Fellknäuel unterm Schreibtisch auch gut für‘s Betriebsklima: Kollegen entspannen sich bei einer kurzen Streichelpause und kommen miteinander ins Gespräch.

Der Trend zum Hund im Büro

Eine Statistik darüber, wie viele Unternehmen das Mitbringen von Hunden erlauben, gibt es zwar nicht. Die vor drei Jahren gegründete Interessenvertretung "Bundesverband Bürohund e.V." berichtet aber von einem eindeutigen Trend: Während sich am Anfang fast nur Arbeitnehmer mit der Bitte um Beratung an sie wandten, melden sich jetzt immer öfter auch Unternehmen, die generell Hunde bei sich zulassen wollen, und sich beraten lassen, wie sie das praktisch und rechtlich umsetzen können. Außerdem hat das soziale Netzwerk Xing in einer repräsentativen Studie rund tausend seiner Mitglieder – darunter sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber - zum Thema Hunde im Büro befragen lassen. Ergebnis: 28 Prozent der Beschäftigten wünschten sich, dass Hunde am Arbeitsplatz generell erlaubt sein sollten. Und 53 Prozent aller Arbeitgeber antworteten, dass sie prinzipiell nichts dagegen hätten. Darüber hinaus war mehr als ein Drittel aller Befragten der Meinung, dass die Zulassung eines Hundes am Arbeitsplatz den Arbeitgeber attraktiver macht.

Mit dem Hund ins Büro

WDR 2 Quintessenz | 18.11.2016 | 03:59 Min.

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Die Vorteile von "Kollege Hund"

Die Vorteile für den Hundehalter liegen auf der Hand: Statt den geliebten Vierbeiner den ganzen Tag allein zu lassen oder ihn in die Tierpension bringen zu müssen, schläft das Tier zufrieden unter dem Schreibtisch. Aber auch das Unternehmen zieht Vorteile aus seiner Kulanz: Die Erlaubnis zum Mitbringen der Hunde kann einen Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte bedeuten. Beschäftigte, die ihr Tier mitbringen dürfen, sind loyaler und motivierter. Vor allem aber sind Hunde gut für die Gesundheit: Studien haben gezeigt, dass der Blutdruck sinkt, wenn man einen Hund streichelt. Dazu wird das Bindungs-Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das wiederum den Spiegel an Stresshormonen im Blut senkt. Zudem erhöhen kurze Streichelpausen Konzentrationsfähigkeit und Kreativität.

Voraussetzungen für "Kollege Hund"

Sowohl der Arbeitsplatz als auch der Hund müssen geeignet sein. Am besten ist ein ruhiges Büro ohne viel Publikumsverkehr. Der Hund wiederum sollte ruhig und ausgeglichen sein. Auf ein Zeichen hin sollte er sich ruhig in sein Körbchen legen und dort bleiben. Ebenso wichtig: Die anderen Mitarbeiter müssen mit der Anwesenheit des Hundes einverstanden sein.

Gegenargument "Angst"

Wenn Mitarbeiter der Firma pathologische Angst vor Hunden haben, mit Symptomen wie Herzrasen oder Schweißausbrüchen, wird es nicht möglich sein, Hunde im Büro zuzulassen. Das ist aber eher selten. Meist gehen die Bedenken der Betreffenden dahin, dass sie keinen direkten Kontakt zu Hunden wünschen. Der aber lässt sich durch entsprechende Vereinbarungen mit dem Hundehalter verhindern: Etwa, dass der Hund nicht in Gemeinschaftsräume darf, und im Flur und im Treppenhaus immer angeleint sein muss. Häufig reicht das schon, um Ängste auszuräumen.

Gegenargument "Allergie"

Schwere Hundehaar-Allergien sind seltener, als gemeinhin angenommen wird. Laut  Robert Koch Institut sind 7 Prozent der Deutschen theoretisch sensibel gegen Hundehaare. Tatsächlich zeigen die meisten dieser potentiellen Allergiker aber keine Symptome. Nur rund 3 Prozent der Bevölkerung leiden tatsächlich unter den Symptomen einer Hundehaar-Allergie. Und auch bei ihnen können die Beschwerden je nach Hunderasse unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Wenn Hundehalter und Allergiker also in weit voneinander entfernten Räumen arbeiten, kann man einen Versuch wagen, ob der Hund tatsächlich Probleme auslöst.

Gegenargument "... und demnächst habe ich hier einen ganzen Zoo!"

Mit der Bitte konfrontiert, einen Hund im Betrieb zuzulassen, fürchten Arbeitgeber oft, daraus könnte sich nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz ein Anspruch aller anderen Mitarbeiter ergeben. Dem ist nicht so. Solange es keine schriftliche Vereinbarung gibt, hat der Chef das alleinige Weisungsrecht: Er muss keine weiteren Hunde zulassen, und es gibt auch kein Gewohnheitsrecht. Auch wenn ein Hund sein Herrchen schon mehrere Jahre in den Betrieb begleitet hat, kann der Arbeitgeber das jederzeit wieder untersagen.

Schriftliche Vereinbarung

Oft hat es sich irgendwie ergeben, dass ein Hund ins Büro mitgebracht wird, und der Arbeitgeber duldet es stillschweigend. Will sich ein Unternehmen aber grundsätzlich für Hunde der Mitarbeiter öffnen, empfiehlt sich der Abschluss einer offiziellen Betriebsvereinbarung. Das gibt allen Beteiligten Planungssicherheit. Auch damit gibt der Chef seine Weisungsrechte nicht aus der Hand: Er kann in der schriftlichen Vereinbarung genau festhalten, welche Pflichten sich für die Hundehalter ergeben, und in welchen Fällen er ihnen die Erlaubnis zum Mitbringen des Hundes wieder entziehen darf. In der Betriebsvereinbarung kann er auch eine zahlenmäßige Obergrenze für Hunde im Betrieb festlegen.

Alternativen in der Hinterhand haben

Auch wenn sich der Hund sonst bestens im Büro einfügt: Wenn Meetings, Seminare oder wichtige Kundenbesuche anstehen, kann der Hund doch stören, beziehungsweise man kann ihm nicht die gewohnte Aufmerksamkeit schenken. Für solche Tage sollte man bereits erprobte Ausweichmöglichkeiten haben: Familienmitglieder, Freunde oder eine Tierpension.

Stichwort Versicherung

Arbeitgeber sollten sich vom Halter eines Bürohunds einen Nachweis über die Tierhalterhaftpflicht-Versicherung zeigen lassen. Damit sind Schäden abgedeckt, die der Hund aktiv verursacht. Ein anderer Punkt ist die Gesetzliche Unfallversicherung: Wenn etwa ein Kollege des Hundehalters im Büro bei der Arbeit über den Hund stolpert, ist das dann ein Arbeitsunfall?

Laut einer Stellungnahme der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ja. Ausschlaggebend für den Versicherungsschutz ist demnach, dass man seiner normalen Arbeit nachgeht. Ob man währenddessen über ein Kabel oder über einen Hund stolpert, ist irrelevant. Anders sieht es aus, wenn der Hundehalter sich während der Arbeitszeit um seinen Hund kümmert, und etwa auf dem Weg zum Gassi-Gehen die Treppe herunterfällt. Da er in dem Moment nicht seiner Arbeit nachging, kann er seinen Versicherungsschutz verlieren.

Stand: 18.11.2016, 00:00