Behandlungsfehler – die Rechte der Patienten

Behandlungsfehler – die Rechte der Patienten

Fast 15.000 Patienten beklagten sich im Jahr 2016 über Behandlungsfehler - etwa jeder Vierte erhielt vor Gericht Recht. Nicht jeder scheinbare Behandlungsfehler ist einer.

Es ist der Albtraum für jeden Patienten: Der Arzt macht einen Fehler bei der Behandlung und der Betroffene trägt Folgeschäden davon. 2016 gab es laut des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen etwa 15.100 Vorwürfe von Behandlungsfehlern. In fast jedem vierten Fall bestätigten die Gutachter die Vermutung der Patienten. Doch diese Zahlen sind wohl nur die Spitze des Eisbergs.

Fehlende Transparenz bei Behandlungsfehlern

Es ist schwer abzuschätzen, wie viele Patienten tatsächlich von Behandlungsfehlern betroffen sind. So gibt es zusätzlich zu den Zahlen des MDS auch die Behandlungsfehlerstatistiken der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen. Das Problem ist allerdings die schlechte Datenlage. Es fehle an Transparenz der Ärzte und Krankenhäuser, beklagen Krankenkassen und Patientenverbände, die Dunkelziffer der Fälle sei hoch. Der Fachanwalt für Medizinrecht Boris Meinecke schätzt, dass es im Jahr über eine Million Fälle von Behandlungsfehlern in Deutschland gibt.

Was ist ein Behandlungsfehler?

Grundsätzlich spricht man von einem medizinischen Behandlungsfehler, wenn etwas eingetreten ist, das hätte vermieden werden können. Das können falsche, nicht angemessene oder nicht zeitgerechte Behandlungen sein. Doch nicht jede Nebenwirkung ist gleich ein Behandlungsfehler. Unerwünschte Folgen können auch schicksalhaft oder unvermeidbar sein. So sind beispielsweise Schmerzen nach einem Zahnarztbesuch kein Grund für eine Schmerzensgeldforderung. Auch die Unzufriedenheit des Patienten mit dem Ergebnis einer Behandlung ist nicht gleich eine Sache für den Rechtsanwalt. Denn der Arzt schuldet dem Patienten eine Behandlung nach dem medizinischen Standard, nicht aber den Erfolg.

Was tun bei Verdacht auf Behandlungsfehler?

Als allererstes sollte man mit dem Arzt darüber sprechen – oder das zumindest versuchen. Denn nach dem neuen Patientenrechtegesetz muss der Arzt Behandlungsfehler zugeben, wenn der Patient ihn danach fragt. Das Problem ist allerdings, dass dieses Eingeständnis dann vor Gericht nicht mehr verwendet werden darf. Das heißt, dort muss man dann trotzdem anhand von Unterlagen und Gutachten den Behandlungsfehler nachweisen.

Krankenkassen können helfen

Grundsätzlich gilt, dass der Patient den Behandlungsfehler beweisen muss. Beweise sind im medizinischen Sinne immer Gutachten. Privat Krankenversicherte können die Forderung an ihre Versicherung abtreten - dazu sind die Kassen aber nicht verpflichtet. So bleibt privat Krankenversicherten oft nichts anderes übrig, als einen unabhängigen Sachverständigen mit einem Gutachten zu beauftragen und diesen auch selbst zu bezahlen.

Gesetzlich Versicherte sind da klar im Vorteil, da die Krankenkassen gesetzlich verpflichtet sind, ihren Mitgliedern bei Verdacht eines ärztlichen Behandlungsfehlers Beistand zu leisten. Die Krankenkassen schalten ihren Medizinischen Dienst ein, der dann ein medizinisches Gutachten erstellt. Bestätigt es einen medizinischen Behandlungsfehler, geht in der Regel auch die Kasse gegen den Arzt vor und fordert die durch den Fehler entstandenen Mehrkosten zurück.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen benötigt allerdings für das Gutachten auch ein Gedächtnisprotokoll, das den zeitlichen Ablauf aller medizinischen Handlungen zusammenfast.

Checkliste für ein Gedächtnisprotokoll

Welche Beschwerden oder Behinderungen sind für Sie die Folge eines Fehlers Ihrer Behandlung? Mussten Sie länger oder zusätzlich behandelt werden?

Können Sie den Behandlungsverlauf beschreiben, in dem aus Ihrer Sicht der Fehler aufgetreten ist? Wie war die zeitliche Abfolge? An welchem Ort/welchen Ortenfand die Behandlung statt?

Wer hat Sie behandelt? Bitte listen Sie möglichst alle Ärzte, Therapeuten und Krankenhausmitarbeiter in diesem Zusammenhang auf.Kann jemand Ihre Vermutung bestätigen (Angehörige, Zimmernachbarn, Ärzte, Pflegekräfte, o.a.)

Sind Sie zuvor in einem Aufklärungsgespräch darüber informiert worden, dass der Schaden, den Sie erlitten haben, auftreten kann?

Haben Sie mit Ihrem Behandler über den Schaden gesprochen? Was hat er Ihnen erklärt?

Schmerzensgeld und Schadensersatz

Parallel zur Klage der Krankenkasse sollten jedoch auch die Betroffenen versuchen, ihre Ansprüche geltend zu machen. Möglich ist Schmerzensgeld für unnötig erlittene Schmerzen sowie entgangene Lebensfreude. Unter Umständen kann auch Schadensersatz gefordert werden, für alles, was durch die fehlerhafte Behandlung an finanziellen Schäden entstanden ist. Also beispielsweise Verdienstausfall, Haushaltshilfe und so weiter. Wichtig: Sollte der oder die Betroffene in der Zeit versterben, in der ein Gutachten erstellt wird, haben Angehörige dennoch das Recht auf eine etwaige Entschädigung.

Stand: 14.09.2017, 11:19