Umfrage: Kassenpatienten warten länger auf Termine beim Facharzt

Die Versichertenkarten der Krankenkassen DAK, AOK, Barmer und Techniker-Krankenkasse TK liegen mit Euro-Geldnoten unter einem Stethoskop

Umfrage: Kassenpatienten warten länger auf Termine beim Facharzt

Wer als gesetzlich Versicherter zum Facharzt will, muss in NRW deutlich länger warten, als ein Privatpatient. Das ist das Ergebnis einer großen Telenfonerhebung. Vor allem bei Radiologen ist Geduld nötig.

Maria Klein-Schmeink

Die Grünen-Politikerin Maria Klein-Schmeink hat die Erhebung durchführen lassen

Wer bei einem Facharzt einen Termin bekommen will, kennt das Problem: lange Wartezeiten. Vor allem gesetzlich Versicherte beschweren sich immer wieder darüber, dass es zum Teil monatelang dauert, bis sie in die Praxis kommen können. Eine Erhebung der Grünen-Bundestagsabgeordneten Maria Klein-Schmeink zeigt nun, dass die Unterschiede zwischen Kassenpatienten und privat Versicherten in NRW erheblich sind - und sogar zunehmen. Demnach bekommen Privatpatienten im Durchschnitt 27 Tage früher einen Termin. Im September 2014 seien es bei einer nahezu identischen Erhebung noch 20 Tage gewesen.

Große Unterschiede bei Radiologen

Ein Team der Grünen-Politikerin hat für die Erhebung im März in 405 Facharztpraxen angerufen - einmal als Kassenpatienten und einmal als privat Versicherte. Dabei kamen große regionale Unterschiede zustande. In Bielefeld und Umgebung warteten Kassenpatienten 43 Tage länger auf einen Termin, in Bonn 36 Tage und in Wuppertal 30 Tage. Zum Vergleich: In Düsseldorf habe die Differenz zwischen privat und gesetzlich "nur" 16 Tage betragen.

Während es in rund 30 Prozent der Fälle keinen oder kaum einen Unterschied gab, deckten die Anrufer auch zum Teil krasse Fälle auf. Spitzenreiter sei ein Augenarzt in Bonn gewesen, der einem Kassenpatienten einen Termin nach 365 Tagen angeboten habe - einem privat Versicherten hingegen nach sieben Tagen. Bei einem Radiologen sei das Verhältnis 268:1 gewesen. Insgesamt müssten Kassenpatienten vor allem bei Radiologen, Haut- und Augenärzten deutlich länger warten, teilte die Grünen-Politikerin mit.

Kein Hinweis auf Servicestellen

Seit gut einem Jahr gibt es die sogenannten Terminservicestellen der kassenärztlichen Vereinigungen. Dort können sich Patienten melden, um innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt vermittelt zu bekommen. In der Praxis scheinen die Servicestellen aber noch nicht flächendeckend zum Einsatz zu kommen. So wurde in der Grünen-Erhebung kein einziger Anrufer auf das Angebot hingewiesen - obwohl 42 Prozent der Termine außerhalb der 4-Wochen-Frist lagen.